Erstmals seit zehn Jahren wird 2026 wieder ein Heimatfest in Döbeln gefeiert. Mit einer Festwoche vom 14. bis 21. Juni. Höhepunkt ist eine Wandertheater-Aufführung mit dem Theaterjugendclub, der an verschiedenen Orten im Stadtzentrum Geschichten und Szenen zum Thema Heimat zeigt.
Spielerisch die eigene Stadt neu entdecken: Akteure des Theaterjugendclubs im Stadttheater Döbeln bei der Probe.


Von Lieblingsmenschen, verbrannten Pfannkuchen und Heimweh
Was Heimat alles sein kann, erkunden junge Leute derzeit im neuesten Projekt des Theaterjugendclubs im Stadttheater Döbeln. Premiere hat das Wandertheater-Stück beim Heimatfest am 14. Juni, um 19.30 Uhr an der Klosterwiese.
Sie gehen, spazieren, schlendern vor noch leerer Kulisse. Bewegen sich umeinander im Kreis, hin und her, mit schnellen oder vorsichtigen Schritten, sehen sich an und schauen sich um. Einige der jungen Darsteller halten historische Kleider in den Händen aus dem Fundus, betrachten sie und tauchen mit ihnen in die Geschichte ihrer Stadt ein. Ein Mädchen steht davor, mit offen einladenden Händen und lächelt. „Heimat ist ein Gefühl, ein warmes Gefühl. Es sind die Menschen, die ich liebe und auch die nicht“, sagt Jasmin, 16 Jahre.
„Es gibt kein festes Zuhause. Heimat ist für mich ein Ort, wo ich noch nicht war und etwas erleben kann. Ein Ort, an dem Fabius ist, mein bester Freund“, sagt Kim, 15 Jahre. Sie sei schon oft umgezogen mit ihrer Familie. „Theater ist auch in gewissem Sinne eine Heimat.“ Kim ist schon das dritte Jahr im Theaterjugendclub im Stadttheater Döbeln dabei.

Im neuesten Theaterprojekt zum Thema „Heimat“ soll greifbar werden, was das alles sein kann. Dazu sammeln derzeit 15 junge Leute unter Leitung von Katharina Landsberg spielerisch Ideen und erkunden neues Terrain. Die Proben haben im Februar begonnen. Immer freitags um 16 Uhr treffen sie sich im Stadthteater Döbeln. „Es wird kein traditionelles Theaterstück, sondern ein Wandertheater mit der Natur als Kulisse. Wir wandern quasi durch die Stadt unter Beteiligung verschiedener Künste, mit Theater und Musik“, sagt Katharina Landsberg, die Leiterin des Jungen Theaters seit der Spielzeit 2022/023 im Stadttheater Döbeln. Sie arbeitet als Dramaturgin, Regisseurin und Theaterpädagogin am Haus. Seitdem gibt es auch den Jugendtheaterclub. Einmal im Jahr entsteht dort eine Inszenierung mit Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren.

Es gab schon ein Stück zum Thema „Grenzen“, bei dem verschiedene „Farbkinder“ wieder zueinander fanden. Und letztes Jahr eine „Kommunikations“-Baustelle mit einem „Marktplatz der Worte“ in Kooperation mit dem Lügenmuseum in Radebeul, wo man zusammen etwas im öffentlichen Raum gestalten konnte. Das neue Theaterprojekt soll ein Höhepunkt zum Heimatfest 1045 Jahre Döbeln werden, das mit einer Festwoche vom 14. bis 21. Juni in der Stadt mit 24 000 Einwohnern gefeiert wird.

Premiere hat die Wandertheater-Aufführung am 14. Juni, um 19.30 Uhr. Es gibt insgesamt fünf Vorstellungen. Beginnend an der Klosterwiese erlebt das wandernde Publikum an zehn Stationen in der Stadt die jungen Akteure, die Figuren aus der Stadtgeschichte spielen und Szenen darüber, was Heimat für sie bedeutet, zeigen. „Wir feiern dieses Jahr erstmals seit zehn Jahren nach coronabedingter Pause wieder ein Heimatfest in Döbeln, bei dem es auch viel um Bürgerbeteiligung geht“, sagt Christiane Böttger, Sachgebietsleiterin Kultur bei der Stadt Döbeln. Es werde ein großes Vereinsfest am 18. Juni im Bürgergarten geben. Selten heutzutage sei auch, dass mit den „Döbelner Heimatfreunden“ gleich eine ganze Gruppe sich der Stadthistorie widmet. Dieses Jahr erscheint von ihnen wieder das „Döbelner Mosaik“, es ist bereits der siebente Band in Form einer Ortschronik zum Heimatfest. Finanziert wird die Inszenierung des Jugendtheaterclubs Döbeln mit einer Projektförderung vom Kulturraum Erzgebirge/Mittelsachsen mit über 9 000 Euro und einem Eigenanteil in gleicher Höhe von der Stadt Döbeln, so Christiane Böttger.

„Das Wandertheater ist auch eine Möglichkeit, die Stadt neu zu entdecken“, so Katharina Landsberg. Es verbindet Geschichten zu Historie und Gegenwart. „Wir laden zu diesem Theaterprojekt generationenübergreifend auch erwachsene Döbelner ein, die gern Geschichten erzählen und spielen möchten. Zusammen schauen wir auf die vielen Seiten und Gesichter einer Stadt“, ist ihr wichtig. „Theater als Ort auch zu streiten, diskutieren und sich zu begegnen.“ 99 Prozent der am Heimat-Projekt beteiligten Jugendlichen kommen aus Döbeln. „Sie haben die Erfahrungen des Weggehens noch nicht gemacht und so nähern wir uns dem Thema mit Fragen wie: Welches Gefühl oder was für einen Geschmack löst das Wort Heimat aus? Welche Lieblingsorte habt Ihr?“, so Katharina Landsberg. „Da kommt dann ganz viel.“ Die schönste Antwort kam von einem achtjährigen Mädchen: „Heimat schmeckt nach den verbrannten Pfannkuchen meines verstorbenen Papas“, erzählt die Theaterpädagogin.

Sie hörte aber auch von Jugendlichen: „Döbeln ist langweilig.“ Es gebe ja auch unterschiedliche Interessen. „Wenn man klettern will, fährt man eben in die Sächsische Schweiz, spazieren kann man entlang der Mulde sehr schön. Döbeln hat den ältesten Riesenstiefel, der fast 100 Jahre alt, an die Schuhmacherinnung erinnert. Außerdem sehr gute Eisdielen. Ein Kino, ein Freibad mit Sprungtürmen und eine große Freizeitanlage“, zählt sie auf. Vor der Probe sitzen die jungen Akteure zusammen in der Runde und erzählen, was für sie Heimat ist, beispielsweise: “Ein Ort, wo ich gern zurückkomme und den ich mit meiner Familie und Kindheit verbinde“, sagt Josi, 18 Jahre. „Wo ich mich wohlfühle und Spaß habe. Und ich mag das Schauspiel“, sagt Christel, 10 Jahre. Nils, 13 Jahre: „Heimat ist ein Ort, wo ich mich geborgen fühle.“ Lenya, 17 Jahre: „Heimat ist für mich, wo meine Lieblingsmenschen sind.“ Für Lara, 16 Jahre, ist es „eine Emotion, wenn ich verreist bin und nach einer Weile Heimweh habe.“

Text + Fotos (lv)