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Monatsarchiv: August 2026

Wunderreiche Welt & unbequeme Wahrheiten: dem Lügenmuseum Radebeul droht die Räumung

27 Donnerstag Aug 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Natur, Poesie, Projekte, Zwischenmenschliches

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Einmaliger Kunstort & Wunderkammer voller skurriler Dinge & wechselnde Ausstellungen & Zeitgeschichte zum Anfassen aus dem DDR-Alltag und künstlerischen Underground: Das Künstlerpaar Dorota und Reinhard Zabka hat das Lügenmuseum Radebeul im früheren Gasthof Serkowitz jahrelang mit viel Liebe, Engagement und öffentlicher Förderung aufgebaut. Nach einem langen Rechtstreit und ausbleibender Einigung mit der Stadt Radebeul droht dem Lügenmuseum Ende September die Schließung.

Absurder Streit um das Lügenmuseum
Dem originellen und vielbesuchten Kunstort droht Ende September die Zwangsräumung durch die Stadt Radebeul per Gerichtsbeschluss. Obwohl bereits mehrere Verkaufsversuche scheiterten und Rettungsversuche ungehört bleiben.
Das ganze Haus ist eine Kunst-Baustelle. Wie auf einer großen Leinwand prangen überall Bilder, Ideen und Sprüche rings um den Eingang des Lügenmuseums Radebeul, das den ehemaligen Gasthof Serkowitz an der Kötzschenbrodaer Straße 39 seit vielen Jahren neu belebt. Jedoch weniger mit kulinarischen Genüssen, als mit kultureller und geistiger Nahrung werden die Gäste hier empfangen von Betreiber Reinhard Zabka und seiner Frau Dorota. Höchst lebendig, originell, vergnüglich, unterhaltsam, auch streitbar, zum Austausch anregend über das Gesehene geht es hier zu. Aufhorchen lässt schon der Name des Museums. Dazu liest der Besucher: “Wahre Dinge sind wie umgekehrt“ auf die Fassade geschrieben. „Die Zukunft war früher auch besser“, „ein bisschen stimmt es, aber nicht immer“ und „Es gibt Lügen, da hört der Spaß auf“. Auf einem Papierrollo steht der Titel einer Ausstellung: „Underground and Revolution of GDR“.

Vor dem strahlend weiße Gebäude stehen Installationen, aus Stühlen und Leitern errichtete Türme mit rot-weißer signalartiger Bemalung, kreisenden Rädern und ausschwirrenden Strahlen. Viele Schilder mit Pfeilen und Fragezeichen sieht man da. Da wird auf eine „Kultur-Schutz-Zone“ und auf Artikel 5 im Grundgesetz zur Kunstfreiheit verwiesen. Das Lügenmuseum ist noch bis 31. September geöffnet – dann Gnade uns Gott, schallt der eindringliche Hilferuf aus einem Bild. Dem Lügenmuseum droht nach einem bereits jahrelangen Rechtsstreit und einer Räumungsklage der Stadt Radebeul, welche nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Dresden nun rechtskräftig ist, die Schließung. Die angekündigte Zwangsräumung im Oktober würde das Ende dieses Kunstortes besiegeln. „Das Lügenmuseum kapituliert nicht vor der Komplexität der Welt. Mit Distanz, Humor und dem Blick auf das Ganze macht dieses Gesamtkunstwerk Widersprüche, Täuschungen und die Illusionen der Macht sichtbar“, sagt Richard von Gigantikow. So nennt sich der Künstler und „Ideenmillionär“ Reinhard Zabka, der Erfinder und Betreiber des Lügenmuseums vor den Toren Dresdens. „Das Lachen wird zum Erkenntnisinstrument, denn vom Wahren lässt sich heute oft nur noch über das Falsche, über die Lüge, sprechen. Diese Erfahrung macht das Lügenmuseum sinnlich erfahrbar.“

Viele Besucher nutzen derzeit die Gelegenheit, diesen außergewöhnlichen Kunstort noch einmal zu erleben. Sie beweisen einen besonderen Geschmack, so Zabka. Als Seismograf der Gegenwart mache dieser Kunstort gesellschaftliche Spannungen, Brüche und Widersprüche sichtbar und entwickelt daraus eine eigenständige künstlerische Sprache. Zwei Petitionen, fachliche Stellungnahmen von Bundes- und Landeseinrichtungen sowie zahlreiche Appelle und Gnadengesuche stießen jedoch auf taube Ohren. Dabei wird im Kulturentwicklungskonzept der Stadt Radebeul bis 2030 das Lügenmuseum ausdrücklich erwähnt als hervorragender Kunstort in der Region. Die Stadträte haben dieses Konzept einstimmig verabschiedet im Mai 2024. Doch der Radebeuler Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) hat dem Betreiber des Lügenmuseums zur gleichen Zeit gekündigt, so Zabka. „Er hat Verkaufsverhandlungen geführt, die sind gescheitert und der Käufer ist zurückgetreten. Die Stadt wirft dem Lügenmuseum vor, wir seien nicht kompromissbereit. Doch wir haben mit ihm verhandelt.“ Es habe mit dem Kaufinteressenten Unstimmigkeiten zur künstlerischen Ausrichtung des Lügenmuseums in Zukunft gegeben. Persönliche Befindlichkeiten spielen wohl auch eine Rolle. Der OB habe Zabka als Privatperson gekündigt, nicht dem Lügenmuseum an sich, das mit diesem Künstler nicht tragbar wäre, sagt er.

„Kunstfreiheit bedeutet, dass der OB ein fachliches Gutachten einholt. Das ist eine ganz persönliche Entscheidung von ihm“, so Zabka. „Nach der Kündigung hat uns die Radebeuler Kulturamtsleiterin noch gefördert mit einer Ausstellung.“ Reinhard Zabka ist Kunstpreisträger der Stadt Radebeul von 2016. „Zabkas Kunst kreist um Menschheitsthemen: das Rätsel, das Geheimnis, die Erinnerung, die Illusionen des Lebens und die Beseeltheit der Welt, und nicht zuletzt die Heiterkeit, die Freude“, sagte die Laudatorin Dr. Susanne Köstering in ihrer Rede zur Kunstpreis-Verleihung. Seine Kunst erreiche deshalb Menschen aller Weltgegenden, aller Altersgruppen und aller sozialen Millieus.

Dennoch ist das Lügenmuseum in seinem Fortbestand gefährdet. Die Stadt Radebeul hat das Haus zum Verkauf ausgeschrieben mit der Auflage an den Eigentümer, drei Millionen Euro für die Sanierung aufzubringen. Vier Verkaufsversuche sind bereits gescheitert. „Die haben keinen Bewerber, keine Idee und kein Konzept“, weiß Zabka. Nach ausbleibenden Einigungen kündigte die Stadtverwaltung Radebeul den Mietvertrag mit Zabka und setzte den Auszug juristisch durch. Für ein Statement über die Hintergründe, warum keine Einigung oder andere Möglichkeit als die Räumung des Lügenmuseums gefunden werden konnte, war OB Wendsche nicht erreichbar. Er hoffe nun, dass der Mieter und Betreiber des Lügenmuseums nun das Gebäude in der gewährten Frist räumt. teilte er schriftlich über die Pressestelle der Stadtverwaltung Radebeul mit.

Während es hinter den Kulissen des Lügenmuseums wackelig zugeht, schauten sich in den Sommerferien noch mehr Besucher als sonst dort um und tauchten in eine wunderreiche Welt ein, die ihresgleichen sucht in dieser Weise. Seit nunmehr 35 Jahren besteht das Lügenmuseum. In einer alten Landarbeiterkate in Babe, einem brandenburgischen Dorf 1990 gegründet, beginnt Zabkas Traum vom Künstlerhaus und Lügenmuseum als Wunderkammer mit skurrilen Objekten. Sieben Jahre später zieht er ins Gutshaus nach Gantikow und wiederum 14 Jahre später nach Radebeul in den historischen, denkmalgeschützten Gasthof Serkowitz. Diese Wanderschaft wohnt auch den Kunstobjekten selbst inne. Oft sind es mobile Objekte auf Rädern und mit Reiseattributen versehen wie Koffer, Wanderapotheken oder Wanderschuhe  – wie angeblich dem von Fontane!

Seit 2012 öffnet das Lügenmuseum in Radebeul als ein Ort der Kunst und Fantasie, Träume und Visionen für kleine und große Besucher seine Türen. Den sie eigenständig erkunden, entdecken und erfahren können mit allen Sinnen und eigenständiges Denken und Wahrnehmen wird hier großgeschrieben. „Wir sind ein Lernort für visuelles Denken. Museen sind aber meist auf Design, Didaktik und Archiv ausgelegt“, so Zabka. „Wir haben eine Kunstsammlung, mehrere Künstlernachlässe und das Lügenmuseum zeigt den Geist der Friedlichen Revolution atmosphärisch.“ Alles authentisch. Zeitgeschichte zum Anfassen und Hineinbegeben. Zabka, 1950 in Erfurt geboren als Sohn von Flüchtlingen aus Schlesien und Ostpreußen, hat viele Dinge selbst zusammengetragen aus jener Zeit. Als ein Akteur der Erfurter und Berliner Subkultur befasste er sich und kennt die Mechanismen der Lüge als Machtinstrument, aber auch als Überlebensmittel. Lüge bedeutet hier nichts weniger als Gegenwelt.

Die Zeitreise in die DDR-Vergangenheit und ihren Alltag führt durch 16 Räume voller wundersamer und paradoxer Dinge. Der erste Raum erinnert an den übermächtigen Wunsch nach Reisefreiheit, anderen Kulturen und Eindrücken mittels mechanischen, akustischen und optischen Effekten, wunderlichen Apparaten, exotischen Souvenirs und farbenfrohen Assemblagen. Zu sehen ist außerdem das Atelier eines Dissidenten, das man über einen begehbaren „Giftschrank“ voller Bücher betritt, hinter einer Art Geheimtür. Dort sieht man auf Regalen zumeist illegal fabrizierte Drucksachen, Poster von Ausstellungen und Bilder an den Wänden z.b. von Manfred Butzmann, Elke Erb, Martin Hofmann, Cornelia Schleime oder Robert Rehfeldt. Per Knopfdruck an einer Art Radio kann der Betrachter sich dazu einen Sound aus DDR-Geräuschen aus Tonkonserven selber mixen. Durch fantastische Bilderwelten reisen und ein Sammelsurium seltsamer, witzig-skurriler Kunstobjekte und Installationen zwischen ironischem „Happy Ossy Land“ und absurd-komischem „Welttheater“ voller Schaukästen und Altäre mit originalen Zeitzeugnissen und kurios sinnverwandelten Alltagsdingen erwartet die Besucher treppauf, treppab auf den Gängen und im Saal im Obergeschoss. Ehemals ein Ballsaal mit noch erhaltener, stuckverzierter Jugendstildecke, Säulen und hohen Bogenfenstern. Die prunkvolle, gläsern schimmernde Kugellampe an der Decke in der Raummitte stammt aus dem abgerissenen Friedrichstadtpalast in Berlin.

Die Stimmung wandelt sich stetig mit den rings herum bunt aufleuchtenden und wieder verlöschenden Lämpchen, drehenden Windspielen mit Fähnchen, Händen und Füßen in der Luft, leise surrenden, klopfenden und trommelnden Klängen der Installationen im Wechsel von Stille und Bewegung, Ergriffensein und Verzauberung. Derzeit laufen dort zwei Ausstellungen, eine mit dem Titel „Tanz auf dem Holzweg“ zeigt kinetische, schwebende und schwingende Objekte von Reinhard und Dorota Zabka, Sophie Cau, Klaus Liebscher, Justus Ehras, Jan Heinke, Jola Brejdak und unter dem Motto „Skeleton Dance“ werden mittelalterliche Totentanz-Darstellungen in die Gegenwart transformiert in Bildern und Objekten. Hinter dem Lügenmuseum steht man plötzlich in einem urwüchsig prächtigen Garten, den Zabkas vor Jahren angelegt haben. Eine blühende Oase mit Betonboden, aber dennoch wachsen Bäume darauf. Überall stehen hoch rankende Pflanzentöpfe, dazwischen Holzbänke. Es wäre schade, wenn dieser zauberhafte Platz verlorengeht zumal Radebeul als Gartenstadt sich sieht. Einen Teil des Grundstücks am Lügenmuseum hat die Stadt schon abgeteilt. Ein Feigenbaum steht dort. Die Stadt will das Grundstück verkaufen.

Wir sitzen am Tisch unter dem grünen Blätterdach. Dorota Zabka, die Frau des Künstlers und selbst Künstlerin, serviert Salat und leckere Quiche, dazu Zitronenwasser. Zusammen haben sie diesen Kunstort mit viel Liebe, in Eigeninitiative größtenteils mit vielen Helfern jahrelang aufgebaut. Sie mag sich nicht vorstellen, wenn dies alles bald wegfiele, sagt Dorota Zabka leise. Ihre kleine Hündin „Ella“ bellt fröhlich als wolle sie den Garten und das Haus bewachen. Viele Projekte, Symposien für Kreative und Kunstfeste fanden hier schon statt. Das Künstlerpaar Zabka erfährt viel Unterstützung von Freunden, Förderern und Kennern dieses besonderen Museums, die sich für seinen Erhalt einsetzen. „Wir haben über 100 Briefe bekommen und an die Stadt Radebeul geschickt“, erzählt Reinhard Zabka. Darunter von der Akademie der Künste, vom ehemaligem Rektor der Dresdner Kunsthochschule, Matthias Flügge, vom Landesamt für Denkmalpflege bis zur Bundesstiftung Aufarbeitung von SED-Unrecht. Selbst der sächsische Ministerpräsident  Michael Kretschmer versuchte im Rechsstreit Zabkas mit dem Radebeuler OB Wendsche zu vermitteln. Ohne Erfolg. Da es eine Sache der Komnune sei, so Zabka.

„Wir haben einen interessierten Käufer gefunden, der für 300 000 Euro ohne Sanierungsauflagen das Lügenmuseum übernehmen möchte. Ein Museumsbetreiber aus der Schweiz. Der Name ist dem OB bekannt und wird ignoriert!“ Zabka hat der Stadt Radebeul in einem Brief an die Stadträte im Mai sogar die Schenkung des Lügenmuseums als Gesamtkunstwerk angeboten, das Arbeiten von über 500 Künstlerinnen und Künstlern vereint, verbunden mit dem Ziel, das Lügenmuseum zu erhalten und weiterzuentwickeln. „Zurzeit ist ein Gast aus Schwaben bei uns. Er kommt aus der Finanzwelt und macht ein Sabbatjahr. Ihn arbeiten wir gerade als neuen Museumsdirektor ein. Er macht Führungen, begrüßt die Gäste und kommt gut an bei den Besuchern“, so  Reinhard Zabka. Vorstellbar sei auch eine temporäre Ausstellung für etwa zwei Jahre mit Rauminstallationen des Lügenmuseums im Japanischen Palais in Dresden, dessen schöne Räume damit auch wieder mehr mit Leben erfüllt würden.

Text + Fotos (lv)

Öffnungszeiten: Sa und So, Ferien und Feiertag von 13 bis 17 Uhr

http://www.luegenmuseum.de

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Gastspiel „Manche mögen`s heiss“ in Hoppes Hoftheater in Weissig

27 Donnerstag Aug 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Film, Lebensart, Musik, Theater, Zwischenmenschliches

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Humorvolle Hommage mit reizvoller Rattendame

Der Filmklassiker „Manche mögen`s heiß“ kommt anlässlich des 100. Geburtstages von  Marilyn Monroe als turbulente Komödie mit Puppen und viel Musik als Gastspiel auf die Bühne. Letztmals diesen Sonntag in Hoppes Hoftheater in Dresden-Weißig.

Der Filmprojektor rattert. Zwei Männer im Auto, eine wilde Schießerei sind auf der Leinwand zu sehen. Dann bricht der Streifen ab, der Apparat springt nicht mehr an. In dem verlassenen Lichtspieltheater treffen sich regelmäßig Cineasten, um große Klassiker zu feiern. Kurzerhand beschließen daraufhin, den Film „Manche mögen`s heiß“ selbst aufzuführen. Es sind buchstäblich leidenschaftliche Kino-Ratten, die sich zu ihrer Jahreshauptversammlung an diesem Abend in Hoppes Hoftheater in Dresden-Weißig versammelt haben.

Da auf dieser Veranstaltung Rättisch gesprochen wird, erhalten die Zuschauer Kopfhörer-Öhrchen, damit sie die Sprache verstehen, am Theatereingang. Das klingt sonderbar, geheimnisvoll, fast subversiv. Und tatsächlich kam Billy Wilders berühmte Filmkomödie „Manche mögen`s heiß“ von 1959 zum 100. Geburtstag von Marilyn Monroe als besonderer, witzig-origineller Theaterabend in einer Mischung aus Figurentheater, Schattenspiel, Schauspiel und Musik voll skurriler Einfälle, Fantasie und Improvisationskunst bei sommerlichen Temperaturen in das urige, angenehm kühle Scheunengemäuer. Für den Filmklassiker-Sommerspaß unter Regie von Arne Retzlaff, die liebevoll nostalgische Ausstattung von Bühne und Kino-Ratten stammt von Ella Späte, holte sich das Hoftheater Dresden Verstärkung aus dem hessischen Steinau, der Geburtsstadt der Gebrüder Grimm, im Theatrium Steinau. Die drei Puppenspieler und Schauspieler Detlef Heinichen, Marcel Wagner und Dirk Neumann spielen mit hinreißender Komik, Hingabe, Spiel- und Musizierfreude in flottem Rollenwechsel zu wunderbaren Jazz-Ohrwürmern und Tingeltangel-Musik vom Band die Geschichte um die zwei arbeitslosen Musiker Joe und Jerry – im Film verkörpert von Tony Curtis und Jack Lemmon – auf der Flucht vor schießwütigen Gangstern in Chicago Ende der 1920er Jahre.

Die Film-Freaks tauchen anfangs als elegante Herren in grauen Anzügen mit Fliege, rosa Ohren und Rattenschwänzen auf, die den Film schon tausend Mal gesehen haben und wissen was passiert. Ein paar Perücken, Schminke, Frauenkleider und Büstenhalter und schon landen die drei Kino-Ratten mitten im turbulenten Geschehen. Als Augenzeugen eines Mordes der Mafia tauchen die beiden Musiker, mit Saxofon und Kontrabass, auf der Flucht vor den Ganoven verkleidet in einer Damenkappelle unter und treffen auf die blonde, naive wie sexy Sängerin und Ukulelespielerin Sugar (Marilyn Monroe), in die sich Joe sofort verliebt. Herrlich komisch anzuschauen, wie die zwei Rattenmänner Jerry und Joe als Daphne und Josefine in adretten Kleidern und Glitzerbändern auf den Bubikopfperücken ihre Männlichkeit verbergen müssen, um nicht aufzufliegen, sanft und galant mit der reizenden Sugar sprechen. Wie sie Joe als falschen Millionär auf seiner Jacht scheu küsst aus und erlöst aus seiner vermeintlichen Gefühllosigkeit und als Rattendame mit blonden Locken und großen Augen im weißen Glitzerkleid charmant und verführerisch singt, tanzt und übermütig die Beine wirft – so hat man die Monroe noch nie gesehen! Sie teilen heimlich Whiskey, Freud und Leid und am Ende sind sie zwar immer noh arm wie Kirchenmäuse, aber finden die Liebe und das nächste große Abenteuer wartet schon. Herzlichen Beifall vom Publikum gab es für diese doppelt reizvolle Verkleidungs-Komödie über einen unverwüstlichen Film-Klassiker.

Text (lv)

Letzte Vorstellung: 30.8., 16 Uhr.

Charmant, witzig und rattenscharf: Szene aus der  Aufführung „Manche mögen`s heiß“ in Hoppes Hoftheater. Fotos (2): Hoppes Hoftheater

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BilderAlbum: Konzert im Milchschafhof Bärenstein & Ausstellungen beim Musiksommer

18 Dienstag Aug 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Musik, Natur, Projekte, Unterwegs, Zwischenmenschliches

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KlangZauber und Tieroase im Milchschafhof Bärenstein

Eine Fülle an Klängen, mal fein und zart wie Lichtgefunkel und Blätterspiel, mal sirrend, flirrend, knarrend, leicht, erdig, kraftvoll, verträumt und sehnsuchtsvoll, gab es am vergangenen Sonntagnachmittag bei einem Konzert mit frei improvisierter Musik im Rahmen des Musiksommer Bärenstein. Die drei Musikerinnen Andrea Hofmann (Violine), Karoline Schulz (Flöten) und Sabine Grüner (Violoncello) ließen stimmungsreiche Klangbilder und -landschaften vor zauberhafter Naturkulisse entstehen, von ihr angeregt, flüsternd, innig, harmonisch und quirlig bis leise wehmütig und melancholisch immer neue Räume nach innen und außen in Verbindung mit der Umgebung öffnend. Die Schönheit des Moments, Innehalten, Verrinnen von Zeit, Vergänglichkeit und ferne Erinnerungen, die immer wieder aufleuchten und weiterklingen, verbanden sich zu wundervollen Melodien. Mit den Zuhörern lauschten andächtig weiter hinten die Esel in ihrem Gehege, ebenso wie die Katzen, der Hahn und die Schafe ein Stück weiter auf der Wiese. Die Vögel in den Bäumen stimmten ab und zu in die beschwingten Klänge der Musikerinnen ein. Bezaubernd!

Das nächste Konzert findet an zwei Klavieren statt, mit dem Musiker Andreas Scotty Böttcher aus Dresden und der spanischen Pianistin Hada Benedito am 22. August, um 17 Uhr im Musikladen, Kirchgasse 2, in Bärensrein.

Text + Fotos (lv)

Musik in vielen Klangfarben an ungewöhnlichen Spielorten: Dafür sorgen der Jazzmusiker und Initiator des Musiksommer Bärenstein, Hartmut Dorschner und die Musikerin, Sängerin und Mitgestalterin Agnes Ponizil.
Neugierig und aufmerksam lauschten auch die zwei Eseldamen Lucy und Charlott den Klängen und freuten sich über die Besucher im Milchschafhof Bärenstein. Dort gibt es auch einen Hofladen mit frischen Naturprodukten,

Ausstellungen und Konzerte im Musikladen


Zum „KlangStroom“ mit fantastischen Klängen an der Harfe und am E-Piano luden bereits Aerdna Harp und Sven Haubold am Klavier ein. Die Meißner Künstlerin Else Gold zeigt derzeit farbenfrohe Bilder und Objekte in der Kirchgasse 10. Keramik-Köpfe und Fische aus Ton von Karin Dorschner und Porträts von Eleni Haase sind im Musikladen in der Kirchgasse 2 während des Musiksommer Bärenstein zu sehen.

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Ausstellungs-Eröffnung: „Wenn Farben Liebe machen“ mit Malerei von Oliver Estavillo in der Galerie Holger John in Dresden

13 Donnerstag Aug 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Musik, Projekte, Zwischenmenschliches

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Malerei voller Farbkraft, Akribie, Lebensfreude und Hintersinn: Die Bilder des deutsch-mexikanischen Künstlers Oliver Estavillo zeigen unverkennbar seine Wurzeln und verbinden eindrucksvoll Tradition und Moderne.

Wenn Farben Liebe machen

Eine Bilderwelt voller Farbenfreude, Kontraste, Witz und Fantasie lockt mit der neuen gleichnamigen Ausstellung des deutsch-mexikanischen Künstlers Oliver Estavillo. Eröffnet wird sie am Tag des Mauerbaus am 13. August, um 19 Uhr in der Galerie Holger John, Rähnitzgasse 17 in Dresden.

Auf den ersten Blick wirken sie wie große farbige Lampions, die vor einem lodernden Himmel auf der Leinwand schweben. Fünf farbenfroh bemalte Totenschädel. Aus den Augen sprießen Blumen, die Köpfe sind geschmückt mit Ornamenten, Herzchen und Kreuz. Sie fliegen zwischen Kakteen und einem schwarzen Vogel, der eine Schlange in den Krallen hält, vor dem Sonnenball.

Das Titelbild „Mexiko“ von 2026 von Oliver Estavillo entführt in eine besondere Bildwelt voller Farbenfreude, Kontraste, hintergündigem Witz und Fantasie in der Galerier Holger John in der Rähnitzgasse 17 im Dresdner Barockviertel.
Figürliche Szenen voller Symbolik und ambivalenter Stimmung zwischen Faszination, diffusem Schrecken und gelassener Heiterkeit sind dort zu sehen. Da tanzen Paare leidenschaftlich Tango, mit gehaltener Pistole von Männern und Frauen zwischen den Umarmungen. Da prallen die Welt der Reichen und Schönen, Macht, Gier und Gewalt, Leben, Liebe und Tod in grellen Farbtönen, grotesk überhöht in der Darstellung immer wieder aufeinander in den meist großformatigen Gemälden. Das vielseitige Schaffen des deutsch-amerikanischen Malers mit mexikanischen Wurzeln, der in seinen Arbeiten überwiegend gesellschaftskritische Themen aufgreift, stellt Holger John, selbst Künstler und Kurator, derzeit in gleich zwei Ausstellungen hintereinander in seiner Galerie vor. Unter dem Titel „Fiesta Mexicana“ hat er 36 Bilder aus den Jahren 1989 bis 2026 ausgewählt. Sinnliches und Bedrohliches, Schönheit und Abgründe des Lebens liegen nah beeinander in den Gemäden von Estavillo.

„Die Farbkraft, Akribie und Aggressivität in der Darstellung, der sarkastische Humor und die Lust am Fabulieren stechen heraus in seinen Bildern, mit denen er der Gesellschaft einen Spiegel vorhält“, sagt Holger John über die gezeigten Arbeiten. Bitterböse und absurd zugespitzt ist beispielsweise sein Blick auf die Münchner Schickeria, wenn er bayerische Mädels adrett in Dirndkleidern und Zöpfen als feierwütige, gruslige Zombies zeigt in einem Bild. Oder die „Botox Elfen“, so nennt Estavillo die künstlich gestrafften Frauen, die aussehen wie Wachspuppen mit erstarrten Mienen. Einige Bilder wirken wie eine verschraubte Mauer, so John, an den Bilderrahmen sind sie mit spitzen Nägeln befestigt. „Flambierte Barrrikaden“ nennt der Galerist Estavillos Arbeiten, die den schönen Schein und Sein, die Doppelmoral in der Gesellschaft spiegeln. Das brachte Holger John auch auf die Idee zur nächsten Ausstellung. Nach den figürlichen Bildern werden nun abstrakt farbige Werke von Estavillo unter dem Titel „Wenn Farben Liebe machen“ gezeigt.

Die Ausstellungseröffnung ist am 13. August, am Tag des Mauerbaus, um 19 Uhr in der Galerie Holger John. „Das wird ein buntes Kaleidoskop aus Farbflecken, das die Mauer noch mal direkt abreißen w ill und den Kalten Krieg in der Kunst auflöst“, kündigt John an. „Kunst ist ein großes Kaleidoskop, immer auch in Bewegung und Veränderung.“ Dabei gehe es um das Ost-West-Spiel und tatsächlich immer noch vorhandene Vorurteile auf beiden Seiten ebenso wie um den Kunstmarkt, Kommerz und Wertigkeiten. Um verschiedene Blicke auf die Kunst. Was gute Kunst ausmacht. Inwieweit der gezahlte Höchstpreis tatsächlich entscheidet über die Qualität und den Wert eines Bildes.

„Es geht um die zwei Enden in der Wurst, wo man nicht weiß, wer ist der Gute oder der Böse. Wir sind Ost wie West in einer Wurstpelle und wenn wir die auffressen, schwimmen wir auf der Pelle daher oder was kommt dann?“, fragt John. „Wir machen es uns gegenseitig so schwer.“ Als Galerist in Dresden will Holger John aber auch über den Tellerrand schauen. „Diese mexikanische Malerei ist so anders. Mit der anderen Bildsprache bringt sie einen Störfaktor und zugleich frischen Wind herein“, so John. Es werde eine schöne, lebensfrohe Sommerausstellung. Bei der Konfetti fliegt und die Besucher zur Vernissage auf der nicht mehr sichtbaren Mauer ausgelassen tanzen können zu den wildrockigen Country-Klängen der jungen Band „Bandana Brothers“ aus Tennesee/USA.

Oliver Estavillo ist halb Mexikaner, halb Deutscher. „Ich bin durch und durch Maler. Die mexikanische Seele und Farbe habe ich in den Genen. Das ist wie Essen und Trinken notwendig für mich das Malen“, sagt Estavillo. Er wurde 1964 als Sohn eines US-Amerikaners und einer deutschen Familie in Fulda geboren. Sein Vater war amerikanischer Soldat, verließ aber seine Frau und seine vier kleinen Kinder und kehrte in die USAzurück, ohne jemals die geringste Unterstützung zu leisten. Ein sehr persönliches Bild von Estavillo „Mein Vater in der Hölle“ schockiert und erzählt von seiner Wut und Entbehrungen. Wenigstens hat er ihm den klangvollen Namen mitgegeben. Viele denken, es ist ein Künstlername oder ein Pseudonym, lacht Oliver Estavillo. Aufgewachsen ist er mit seiner Mutter und den Geschwistern in München. Er hat in Gelegenheitsjobs und als Restaurator gearbeitet, auch am Fuldaer Dom mitgewirkt. Estavillo ist künstlerischer Autodidakt und arbeitet seit 2006 ausschließlich aks freischaffender Künstler. Im Jahr 2017 zog er zurück in seine Heimatstadt Fulda. „München war einfach nicht mehr bezahlbar“, sagt er. Fulda sei eine schöne kleine Barockstadt in Hessen, auch landschaftlich. „Doch es ist nicht viel los dort.“ Ihm fehlt es, an der Isar spazieren zu gehen. Ab und zu besucht er Freunde in München. An seiner Malbesessenheit hat sich hingegen nichts geändert.

Auch wenn Estavillo kein Wort spanisch spricht und noch nie in Mexiko war, sieht man in jedem seiner farbenfreudigen, kraftvollen Bilder seine Wurzeln. „Bei den abstrakten Bildern ist die Farbe die Handlung“, sagt er. Da kann er intuitiv und beschwingt wie beim Jazz losmalen. Er hört auch gern Musik dazu, auf MDRKultur und Klassik Radio. Bei seinen figurativen Bildern zeichnet Estavillo mit Bleistift vor und dann malt er mit dem Spitzpinsel weiter in seiner fein ausgearbeiteten, detailreichen Ölmalerei. Dort gehe es in Millimeter-Schritten vorwärts. „Das Abstrakte ist ein Ausgleich, fast wie eine Wellnesskur“, sagt er. „In die Farben reinspringen und dann muss ich schwimmen.“  Die abstrakten Bilder von Estavillo sind zeichenreiche, intensive und wunderbare Farblandschaften, in denen angeregt von der alten mexikanischen Kultur der Mayas immer wieder Symbole wie Sonnen, Kreise, Spiralen, Schlangen, Augen und Ornamente auftauchen, Mythen und Pflanzliches sich eindrucksvoll verbinden. Mal luftig, leicht und offen, mal dicht verwoben, verschlungen und verstrickt, manchmal fast labyrinthartig verlaufen die Wege zwischen Himmel und Erde.

Die Farben strömen, wirbeln, rotieren mal wild, chaotisch, unbändig und dann fließen sie wieder sanft und harmonisch auf den Leinwänden. In warmen Rot- und Orangetönen, ocker, türkis, tiefblau bis zu knalligem Pink und Violett ziehen diese Farbgebilde einen magisch an, wird man als Betrachter förmlich hineingesogen. Charmant oder hinterrücks, erfrischend oder wie klebrige Bonbons wirken sie wie „fleischfressende Bilder“, liegen Schönes und Dunkles nah beieinander zwischen Supernova und Scherben ähnlich wie in den Darstellungen der High Society in der vorherigen Ausstellung. „Das geht an die Seele. Wenn es zu viel Kunst wird, bist Du vergiftet oder berauscht“, so Galerist John. Er fühlt sich der mexikanischen Kunst auch verbunden. Seit er weiß, dass dort auch Vorfahren von ihm lebten. Aus Neugier und Interesse, da er immer noch schwarze Haare hat mit Mitte 60, ließ Holger John einen DNA-Test zu Abstammung und Herkunft machen, es war ein Weihnachtsgeschenk seiner Familie vor einer Weile. Vom Ergebnis war er doch sehr überrascht, so der Künstler. Da er eine Affinität zu Keramik, Lebensweise und Ruhe der asiatischen Kultur hat, dachte er eher an China oder Mongolei. „Doch ich bin zu 20 Prozent Mexikaner, außerdem zu 10 Prozent Italiener und 25 Prozent Ire. Der Rest ist das Slawische“, sagt Holger John. Daher fühle er sich Oliver Estavillo natürlich ein bisschen verwandt im künstlerischen Geist. „Das ist ein Welttheater. Wenn diese Farben Liebe machen, entsteht Ekstase, pure Lebens- und Sinnesfreude“, so John zur neuen Ausstellung von Estavillo. „Die Farben bewirken ja auch etwas. Das sind lustige Drogen. Der eine würgt daran, der andere ist vergnügt.“

Kunst müsse manchmal auch etwas weh tun und kann auch mal querliegen im Magen. Sonst mache man etwas falsch als Galerist. „Wenn die Farben dann gefressen sind und sich vermehren, wer weiß was dann herauskommt?“ Dieser spannenden Frage können die Besucher in der Ausstelllung nachgehen. Holger John. „Die Mauer ist schon weg. Doch bis sie wirklich weg ist, wird es noch einige Generationen dauern. Da die Sehgewohnheiten und Erfahrungen sich weiter übertragen.“ Die Mauer bunt anmalen von beiden Seiten bis sie transparent und unsichtbar ist, lautet seine Devise. „Die bunten Farben werden uns vielleicht retten, wenn sie Liebe machen. Sonst wäre die Welt finster“, so Holger John. „Ich sehe, dass wir alle Deutsche sind hüben wie drüben“, sagt Oliver Estavillo. Er habe sehr interessante, liebe Menschen im Osten kennengelernt. Doch er sieht auch die Unterschiede:

„Die Ostdeutschen sind pfiffiger, haben einen gewissen Mutterwitz, sie sind lebensbejahender und haben mehr Zusammenhalt“, fällt ihm bei seinen Aufenthalten auf. „Im Westen geht es mehr egoistisch und gefühlskalt zu.“ Dresden sei eine wunderschöne Stadt und er freut sich darauf, wieder herzukommen. Estavillo hat seine Bilder auch schon in Berlin ausgestellt. „Da ist noch mal ein größeres Publikum. Aber leben möchte ich nicht dort. Die Berliner sind mir zu unfreundlich.“ Holger John kennt er seit einigen Jahren und hat schon mehrmals in Gruppenausstellungen figurative Bilder gezeigt. Es sei beeindruckend, wieviele Leute immer zu den Aussellungseröffnungen bei ihm kommen. „Er ist Charisma auf zwei Beinen“, sagt Estavillo über den Künstlerkollegen John. Sein Traum ist es, seine Bilder auch mal in Mexiko im Nationalmuseum für Kunst zu zeigen. „Das fänden die bestimmt spannend,  moderne Kunst von einem Deutsch-Mexikaner zu sehen“, hofft Oliver Estavillo. Vielleicht kann der als Konsul in Mexiko-Stadt lebende Alexander Prinz von Sachsen den Kontakt herstellen, der die Ausstellung Fiesta Mexicana im Juni in Dresden eröffnet hat.

Text (lv)

http://www.Galerie-HolgerJohn.com

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Neue Lyrik: Gedichte von Zoe Nora Goerges

11 Dienstag Aug 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Natur, Poesie, Unterwegs

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Eine Auswahl der Gedichte von Zoe Nora Goerges, die bisher noch unveröffentlicht sind, erscheinen hier erstmals mit ihrer Erlaubnis auf meinem wortgarten-Blog. Diese Autorin ist eine großartige Entdeckung für mich! Doch lest selbst.

Über dem golden glimmenden Gipfel
im Nebel, rauchig und flach
tanzt eines zarten Kleides Zipfel
wird wilde Welt langsam wach
du tanzt über Berges Wiesen
mit Malven, Schaumkraut und Löwenzahn
meine Gedanken werden zu Riesen
doch du folgst deiner schwebenden Bahn
Kaum berühren den Tau deine Zehen
was flüstern die Halme sich zu
pflückst meine Träume im Gehen
verströmst unendliche Ruh
Du sammelst die Farben des Morgens
und ich nenne sie grüblerisch mein
aber es ist nur ein Akt des Borgens
Deine Silhouette wird kleiner und klein
für Lilli am 8.8.202

Clara Schumann

Aufrecht sitzen
vor Auftritten schwitzen
sie trägt allein aller Takte Gewicht
doch ohne Pathos im Gesicht
Schumann zerfällt währenddessen
in der Anstalt in seine Einzelteile
man wird ihn nicht vergessen
aber ruhigstellen, für eine Weile
Clara hat acht Kinder, die spielen hinter der Bühne
möglicherweise liebt sie einen andern, möglicherweise betreibt sie hier Sühne
aber groß ist es, was sie da tut, auf dem Klavier
führt einen Kanon ein, nach neuer Manier:
Beethoven, Schumann und Brahms
auch der letzte Hörer vernahm’s
das Repertoire es folgt einem Sinn,
der war in Konzerten vorher nicht drin
Vater Wieck – mit größter Disziplin
er formte die Tochter (die kriegen wir schon hin!)
seine Rechnung ging nicht auf, aber Europa lauscht
sie verbeugt sich bescheiden,
und der Beifall, er rauscht

Frida Kahlo

Diese niedlichen Zehen, vom dampfenden Badewasser umspült
rot rot rot bleiben sie zur Betrachtung bis das Wasser auskühlt
und sich Frida erhebt
und die Erde erbebt
unter ihrem Tritt, sprießen die Blumen
sie heben die Köpfe, aus Schmerz geboren
Nägel im Fleisch, unterm Tisch liegen Krumen
von denen sich Frida ernährt, die Diego verloren
Sie malt sich selbst, rahmt unsägliche Pein
aufgespießt von Stangen, eigentlich von zwein,
der aus der Straßenbahn und der ihres Mannes
aber sie gibt nicht auf, sie ist es, sie kann es
umformen, transformieren,
sie benutzt ihr eigenes Blut
versuchst du ihre Bilder zu interpretieren
findest du Kraft,
Leidenschaft,
Mut
Zersprungenes Glas, Tehuana-Tracht
sie kennt sich selbst, sie kennt ihre Macht,
das Schöne zu finden in jeglichem Schmutz
der sie stets beschattet
sie selbst hat’s gestattet,
doch nur um zu stehen, wo andere fallen
hängt sie am Leben mit Klauen und und Krallen
Wächst drüber hinaus, über Schmerz und Leid
und wird uns Symbol einer neuen Zeit
die mit ihr begann, sie breitet sich aus
und leuchtet uns heim, in das prächtige Haus
von Menschen bewohnt, die Verantwortung tragen
geistig nicht mehr am Hungertuch nagen
Gemeinschaften bilden, die blühen und schützen
und letztendlich uns allen nützen

Gustav Klimt

Gegenwart, Wille – vollkommene Präsenz
Paare auf Augenhöhe
Balance, Gewichtung und Transzendenz
Der Kuss in absoluter Nähe
Stilistisch geht Klimt den Weg, den er muss
Akademische Mauern, er meidet sie
Schöpft aus Emotionen im Überfluss
Man fragt sich: Dekoration oder reine Magie?
Würde, codiert, und tiefes Begehren
Szenen, die Erotik nähren
Beschwört der Maler im sakralen Glanz
ganz byzantinisches Mosaik
hält Judith Holofernes lässig beim Schopf
eben durchtrennt sie brutal sein Genick
Das Weib bedrohlich, sinnlich, bewusst
Klimt stellt sie dar im Triumph ihrer Lust
erschöpft vom mörderischen Genuss
weil Liebe auch mal weh tun muss
Skandalös, was er zeigt
existenzielle Intensität
weibliches autonomes Subjekt
der Bürger fragt, wo kommen wir denn hin,
wenn sich die Frau nicht mehr versteckt

John Cage

Nur Husten im Saal
da wird Musik zur Qual
4’33 sitzen die Leute herum
und alles bleibt stumm
keine Melodie kommt uns zu retten
er streift sie ab, jegliche Ketten
der Definition
war es das jetzt schon
ist da wer, der an Nägeln kaut?
Und wer atmet da so laut?
Selbstkonfrontation bis zum Erbrechen
lässt er die Gebrechen sprechen
Knarrende Stühle, kratzende Hände
hat denn das hier nie ein Ende
und dann klatschen sie enthusiastisch
alles löst sich, was vorher spastisch
und verkrümmt gewartet hat
mir was es eigentlich zu platt
das Schweigen
der Geigen

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BilderAlbum: Gedicht-Lesung mit Zoe Nora Goerges & Jazzmusiker Hartmut Dorschner beim Musiksommer in Bärenstein

11 Dienstag Aug 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Musik, Natur, Poesie, Unterwegs, Zwischenmenschliches

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Farb- und klangreiche Poesie & Musik: die Autorin Zoe Nora Goerges und Jazzmusiker Hartmut Dorschner begeisterten bei ihrer Lesung das Publikum am vergangenen Sonnabend im Kunsthaus Bärenstein.

Worte, Farben und Klänge aus Licht zwischen den Himmeln

„Spot an!“, so heißt das erste Gedicht. Ein Scheinwerfer geht an. Worte und Klänge wandern und schweben durch den Raum, streifen umeinander, lassen Bilder erstehen in vielen Farbtönen in ganz eigener Sprachmelodie. Sanft, intensiv und kraftvoll ist der Sog dieser Gedichte, in denen Kunst, Klang, Malerei, Musik und das Leben mit allen Licht- und Schattenseiten eine Rolle spielen, die Autorin Zoe Nora Goerges nicht nur vortrug, sondern zelebrierte bei ihrer Lesung am vergangenen Sonnabend beim Musiksommer in Bärenstein. Begleitet wurde sie klangreich von Jazzmusiker Hartmut Dorschner, dem Initiator des Musiksommer im Kunsthaus Bärenstein. Die Lesung war erfreulich gut besucht bei hochsommerlichem Wetter.

In dem angenehm kühlen Veranstaltungssaal im Obergeschoss verbanden sich die poetischen Texte mit elektronischen, sphärischen, pulsierenden Klängen und Saxofonspiel. Da verweben sich Fäden aus Licht zwischen den Himmeln und erschaffen Räume aus Licht, heißt es in einem Gedicht von Goerges über Palestrina, einen berühmten italienischen Komponisten der Renaissance. Ihre Verse erzählen oft von Künstlerinnen und Künstler, Forschern und Erfinderinnen und berühren mit knappen, starken Aussagen. In einem Gedicht über Frida Kahlo schreibt sie: Sie malt sich selbst/umrahmt von Pein/Sie gibt nicht auf/benutzt ihr eigenes Blut/findet Kraft Leidenschaft und Mut/das Schöne zu finden/in jeglichem Schmutz/dort wo andere fallen/steht sie und wird zum Symbol einer neuen Zeit.

Text + Fotos (lv)
Mehr Text zur Lesung folgt.

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Musiksommer Bärenstein: Autorenlesung mit Zoe Nora Goerges & Klängen von Hartmut Dorschner am Sonnabend

06 Donnerstag Aug 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Musik, Poesie, Unterwegs

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Wort & Kunst & Klang verbinden sich in der Lesung mit Zoe Nora Goerges diesen Sonnabend, den 8. Juni, um 17 Uhr im Kunsthaus Bärenstein. Foto: privat

Poetisches Panorama aus Malerei und Musik, Kunst und Leben

Eine Autorenlesung mit Zoe Nora Goerges und musikalischer Begleitung von
Hartmut Dorschner gibt es beim Musiksommer Bärenstein am 8. August, um 17 Uhr im Kunsthaus Bärenstein.

Kunst und Klang verbinden sich in der Lyrik von Zoe Nora Goerges auf besondere Weise. Sie nimmt den Leser und Zuhörer mit auf eine poetische und zugleich reflektierende Reise durch Kunst, Musik, Mythologie und menschliche Emotionen. Ihre Gedichte, häufig in Versform gestaltet, greifen eine Vielzahl bedeutender Persönlichkeiten aus Kunst und Musik auf, begonnen bei Hieronymus Bosch über Hilma af Klint, Gustav Klimt und Claude Monet bis hin zu Frida Kahlo, Mozart und Clara Schumann.

Dabei entsteht ein vielschichtiges Panorama der Kunstgeschichte, in dem Malerei, Musik und Poesie auf eindrucksvolle Weise miteinander verschmelzen, heißt es in einer Rezension von Mariangela Di Grado von Europa Edizioni über die Gedichte von Zoe Nora Goerges. Besonders gelungen sei die dichte symbolische Ebene ihrer Texte: Allegorien, wiederkehrende Motive wie Licht und Schatten sowie die Auseinandersetzung mit künstlerischem Schaffen und persönlichem Leiden verleihen ihren Gedichten eine große Tiefe.

Ihr Schreibstil zeichne sich durch eine ausgeprägte Musikalität aus. „Die Sprache ist bildreich, von Metaphern und kulturellen Anspielungen durchzogen und bewegt sich souverän zwischen gehobenem und bewusst gebrochenem Ton, was den Texten zusätzliche Dynamik verleiht“, hebt die Rezensentin hervor.

Insgesamt wirken die Texte der Autorin als ein vielschichtiges, poetisches Mosaik, das Kunst und Leben, Vergangenheit und Gegenwart sowie Schmerz und Schönheit auf überzeugende Weise verbindet.

Zoe Nora Goerges ist studierte Musikerin und Opernsängerin. In ihrer Freizeit schreibt sie gern Lyrik. Sie stellte ihre Texte bereits auf Lesebühnen vor. An diesem Sonnabend, dem 8. August, um 17 Uhr ist sie zu Gast beim Musiksommer Bärenstein mit einer Autorenlesung gemeinsam mit dem Jazzmusiker und Initiator des Musiksommer, Hartmut Dorschner, im Kunsthaus Bärenstein. Die Zuhörer dürfen gespannt sein, wie sich ihre Poesie- und Klangwelten miteinander verbinden.

Text (lv)

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Ausstellung „Überall ein Sehnen“ mit Malerei der Dresdner Romantik auf Schloss Burgk in Freital

05 Mittwoch Aug 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Natur, Unterwegs, Zwischenmenschliches

≈ Hinterlasse einen Kommentar

Die Schönheit der Silberdisteln
Facettenreich und opulent farbig holt die neue Sonderausstellung „Überall ein Sehnen“ vergessene Künstler aus der Dresdner Romantik ins Blickfeld auf Schloss Burgk in Freital.
Alles kann romantisch sein. Bei weitem nicht nur farblodernde Sonnenuntergänge und heile Naturidylle. Das zeigt die neue Sonderausstellung mit dem Titel „Überall ein Sehnen  – Ein tiefer Blick in die Dresdner Romantik“, die am vergangenen Sonntag auf Schloss Burgk in Freital eröffnete, eindrucksvoll und reichhaltig. Schon am Eröffnungstag fand sie trotz Dauerregen ein reges Besucherinteresse. Zu sehen sind Werke von 30 kaum bekannten Künstlern, die neu entdeckt werden können. Ihre Namen und Lebensdaten stehen auf einer Tafel gleich am Eingang.

„Wir möchten die vergessenen Künstler der Dresdner Romantik zeigen, die viele Facetten hat“, sagt Kristin Gäbler, die künstlerische Leiterin von Schloss Burgk und Kuratorin der Ausstellung. „Es beginnt mit einer gewissen Sehnsucht. Sie geht mit Unruhe einher, sie lässt uns suchen, fragen und aufbrechen.“ Es begann Anfang des 19. Jahrhunderts, als die sächsische Residenzstadt Dresden zu einem Sehnsuchtsort wurde, der Maler, Dichter, Musiker und Philosophen aus ganz Europa anzog, nach „Elbflorenz“ zu kommen. Die wunderbare Lage der Stadt an der Elbe und ihre Umgebung inspirierte sie zu einer Vielzahl von Bildern. Dresden wurde ein Zentrum der deutschen Romantik neben München, Berlin und Wien. “Die Sehnsucht nach Schönheit ist ungebrochen in uns und es gibt immer noch auch idyllische, ursprüngliche Natur jenseits der Industriebauten und den versonnenen Wanderer“, so Kristin Gäbler. Das habe auch der große Erfolg der Ausstellung anlässlich des 250. Geburtstages von Caspar David Friedrich vor zwei Jahren im Albertinum in Dresden gezeigt. Das regte sie an, eine Auswahl von Werken der „übersehenen“ Künstler sowie von Webereitern und Grenzgängern dieser Kunstrichtung im Schloss Burgk zu zeigen. Die Bilder – dank der privaten Leihgeber und der Städtischen Galerie Dresden als Kooperationspartner der Ausstellung – stammen aus den Jahren von 1792 bis 1884, dem Todesjahr Ludwig Richters. Er war der erste Professor für Landschaftsmalerei an der Dresdner Kunstakademie.

Die Landschaftsmalerei wird begleitet von Zitaten großer Dichter wie Hölderlin und Eichendorff an den Wänden.Von der Suche nach der blauen Blume, dem Symbol der Romantik von Novalis bis zu den Silberdisteln mit Stacheln und weißen Blüten vor rosaviolettem Abendhimmel, die das Schöne in der wilden, unberührten Natur feiern, reicht die Bandbreite der Arbeiten. Die Disteln auf dem Titelplakat hat Christian Friedrich Gille um 1860 gemalt. Das Auge schwelgt bei dieser farbreich, opulenten Bilder-Wanderung, die von Dresden, das Elbtal über den Plauenschen Grund bis in die Sächsische Schweiz führt. Darunter weite Farbhimmel, tiefgelb, hell strahlend oder bewölkt und geheimnisvoll. Landschaften mit bizarren Felsen, Wald, Wiesen und in der Mitte schlängeld der Fluss als silbriges Band. Grasende Kühe, spielende Kinder am Flussufer, ein Mann mit Pfeife am Weinberg, Männer in einem kleinen Boot bei Vollmond auf der Elbe am Schreckenstein bei Aussig spiegeln Hingabe und Härte der Natur. Eine schöne, stimmungsreiche Mischung aus Ölgemälden und kleinen, feinen Zeichnungen mit Naturstudien, figürlichen Szenen und Bildern von Italien-Reisen versammelt diese Ausstellung, die von Anmut, Größe und Erhabenheit ebenso wie von Verbundenheit und Angewiesensein von Mensch und Natur erzählt und von der Sehnsucht, im Einklang mit ihr zu leben. Die Ausstellung ist noch bis 1. November zu sehen mit Begleitprogramm.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Di bis Fr 12 bis 16 Uhr, Sa, So und Feiertag 10 bis 17 Uhr

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Lilli Vostry

Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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