Humorvolle Hommage mit reizvoller Rattendame

Der Filmklassiker „Manche mögen`s heiß“ kommt anlässlich des 100. Geburtstages von  Marilyn Monroe als turbulente Komödie mit Puppen und viel Musik als Gastspiel auf die Bühne. Letztmals diesen Sonntag in Hoppes Hoftheater in Dresden-Weißig.

Der Filmprojektor rattert. Zwei Männer im Auto, eine wilde Schießerei sind auf der Leinwand zu sehen. Dann bricht der Streifen ab, der Apparat springt nicht mehr an. In dem verlassenen Lichtspieltheater treffen sich regelmäßig Cineasten, um große Klassiker zu feiern. Kurzerhand beschließen daraufhin, den Film „Manche mögen`s heiß“ selbst aufzuführen. Es sind buchstäblich leidenschaftliche Kino-Ratten, die sich zu ihrer Jahreshauptversammlung an diesem Abend in Hoppes Hoftheater in Dresden-Weißig versammelt haben.

Da auf dieser Veranstaltung Rättisch gesprochen wird, erhalten die Zuschauer Kopfhörer-Öhrchen, damit sie die Sprache verstehen, am Theatereingang. Das klingt sonderbar, geheimnisvoll, fast subversiv. Und tatsächlich kam Billy Wilders berühmte Filmkomödie „Manche mögen`s heiß“ von 1959 zum 100. Geburtstag von Marilyn Monroe als besonderer, witzig-origineller Theaterabend in einer Mischung aus Figurentheater, Schattenspiel, Schauspiel und Musik voll skurriler Einfälle, Fantasie und Improvisationskunst bei sommerlichen Temperaturen in das urige, angenehm kühle Scheunengemäuer. Für den Filmklassiker-Sommerspaß unter Regie von Arne Retzlaff, die liebevoll nostalgische Ausstattung von Bühne und Kino-Ratten stammt von Ella Späte, holte sich das Hoftheater Dresden Verstärkung aus dem hessischen Steinau, der Geburtsstadt der Gebrüder Grimm, im Theatrium Steinau. Die drei Puppenspieler und Schauspieler Detlef Heinichen, Marcel Wagner und Dirk Neumann spielen mit hinreißender Komik, Hingabe, Spiel- und Musizierfreude in flottem Rollenwechsel zu wunderbaren Jazz-Ohrwürmern und Tingeltangel-Musik vom Band die Geschichte um die zwei arbeitslosen Musiker Joe und Jerry – im Film verkörpert von Tony Curtis und Jack Lemmon – auf der Flucht vor schießwütigen Gangstern in Chicago Ende der 1920er Jahre.

Die Film-Freaks tauchen anfangs als elegante Herren in grauen Anzügen mit Fliege, rosa Ohren und Rattenschwänzen auf, die den Film schon tausend Mal gesehen haben und wissen was passiert. Ein paar Perücken, Schminke, Frauenkleider und Büstenhalter und schon landen die drei Kino-Ratten mitten im turbulenten Geschehen. Als Augenzeugen eines Mordes der Mafia tauchen die beiden Musiker, mit Saxofon und Kontrabass, auf der Flucht vor den Ganoven verkleidet in einer Damenkappelle unter und treffen auf die blonde, naive wie sexy Sängerin und Ukulelespielerin Sugar (Marilyn Monroe), in die sich Joe sofort verliebt. Herrlich komisch anzuschauen, wie die zwei Rattenmänner Jerry und Joe als Daphne und Josefine in adretten Kleidern und Glitzerbändern auf den Bubikopfperücken ihre Männlichkeit verbergen müssen, um nicht aufzufliegen, sanft und galant mit der reizenden Sugar sprechen. Wie sie Joe als falschen Millionär auf seiner Jacht scheu küsst aus und erlöst aus seiner vermeintlichen Gefühllosigkeit und als Rattendame mit blonden Locken und großen Augen im weißen Glitzerkleid charmant und verführerisch singt, tanzt und übermütig die Beine wirft – so hat man die Monroe noch nie gesehen! Sie teilen heimlich Whiskey, Freud und Leid und am Ende sind sie zwar immer noh arm wie Kirchenmäuse, aber finden die Liebe und das nächste große Abenteuer wartet schon. Herzlichen Beifall vom Publikum gab es für diese doppelt reizvolle Verkleidungs-Komödie über einen unverwüstlichen Film-Klassiker.

Text (lv)

Letzte Vorstellung: 30.8., 16 Uhr.

Charmant, witzig und rattenscharf: Szene aus der  Aufführung „Manche mögen`s heiß“ in Hoppes Hoftheater. Fotos (2): Hoppes Hoftheater