Die Schönheit der Silberdisteln
Facettenreich und opulent farbig holt die neue Sonderausstellung „Überall ein Sehnen“ vergessene Künstler aus der Dresdner Romantik ins Blickfeld auf Schloss Burgk in Freital.
Alles kann romantisch sein. Bei weitem nicht nur farblodernde Sonnenuntergänge und heile Naturidylle. Das zeigt die neue Sonderausstellung mit dem Titel „Überall ein Sehnen  – Ein tiefer Blick in die Dresdner Romantik“, die am vergangenen Sonntag auf Schloss Burgk in Freital eröffnete, eindrucksvoll und reichhaltig. Schon am Eröffnungstag fand sie trotz Dauerregen ein reges Besucherinteresse. Zu sehen sind Werke von 30 kaum bekannten Künstlern, die neu entdeckt werden können. Ihre Namen und Lebensdaten stehen auf einer Tafel gleich am Eingang.

„Wir möchten die vergessenen Künstler der Dresdner Romantik zeigen, die viele Facetten hat“, sagt Kristin Gäbler, die künstlerische Leiterin von Schloss Burgk und Kuratorin der Ausstellung. „Es beginnt mit einer gewissen Sehnsucht. Sie geht mit Unruhe einher, sie lässt uns suchen, fragen und aufbrechen.“ Es begann Anfang des 19. Jahrhunderts, als die sächsische Residenzstadt Dresden zu einem Sehnsuchtsort wurde, der Maler, Dichter, Musiker und Philosophen aus ganz Europa anzog, nach „Elbflorenz“ zu kommen. Die wunderbare Lage der Stadt an der Elbe und ihre Umgebung inspirierte sie zu einer Vielzahl von Bildern. Dresden wurde ein Zentrum der deutschen Romantik neben München, Berlin und Wien. “Die Sehnsucht nach Schönheit ist ungebrochen in uns und es gibt immer noch auch idyllische, ursprüngliche Natur jenseits der Industriebauten und den versonnenen Wanderer“, so Kristin Gäbler. Das habe auch der große Erfolg der Ausstellung anlässlich des 250. Geburtstages von Caspar David Friedrich vor zwei Jahren im Albertinum in Dresden gezeigt. Das regte sie an, eine Auswahl von Werken der „übersehenen“ Künstler sowie von Webereitern und Grenzgängern dieser Kunstrichtung im Schloss Burgk zu zeigen. Die Bilder – dank der privaten Leihgeber und der Städtischen Galerie Dresden als Kooperationspartner der Ausstellung – stammen aus den Jahren von 1792 bis 1884, dem Todesjahr Ludwig Richters. Er war der erste Professor für Landschaftsmalerei an der Dresdner Kunstakademie.

Die Landschaftsmalerei wird begleitet von Zitaten großer Dichter wie Hölderlin und Eichendorff an den Wänden.Von der Suche nach der blauen Blume, dem Symbol der Romantik von Novalis bis zu den Silberdisteln mit Stacheln und weißen Blüten vor rosaviolettem Abendhimmel, die das Schöne in der wilden, unberührten Natur feiern, reicht die Bandbreite der Arbeiten. Die Disteln auf dem Titelplakat hat Christian Friedrich Gille um 1860 gemalt. Das Auge schwelgt bei dieser farbreich, opulenten Bilder-Wanderung, die von Dresden, das Elbtal über den Plauenschen Grund bis in die Sächsische Schweiz führt. Darunter weite Farbhimmel, tiefgelb, hell strahlend oder bewölkt und geheimnisvoll. Landschaften mit bizarren Felsen, Wald, Wiesen und in der Mitte schlängeld der Fluss als silbriges Band. Grasende Kühe, spielende Kinder am Flussufer, ein Mann mit Pfeife am Weinberg, Männer in einem kleinen Boot bei Vollmond auf der Elbe am Schreckenstein bei Aussig spiegeln Hingabe und Härte der Natur. Eine schöne, stimmungsreiche Mischung aus Ölgemälden und kleinen, feinen Zeichnungen mit Naturstudien, figürlichen Szenen und Bildern von Italien-Reisen versammelt diese Ausstellung, die von Anmut, Größe und Erhabenheit ebenso wie von Verbundenheit und Angewiesensein von Mensch und Natur erzählt und von der Sehnsucht, im Einklang mit ihr zu leben. Die Ausstellung ist noch bis 1. November zu sehen mit Begleitprogramm.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Di bis Fr 12 bis 16 Uhr, Sa, So und Feiertag 10 bis 17 Uhr