
Seine Musikbegeisterung sieht man ihm an und überträgt sich sofort auf`s Publikum, immer von einem Lächeln und viel Schwung begleitet: der aus Mexiko stammende neue Generalmusikdirektor und Dirigent José Luis Gutiérrez hat natürlich auch ein Klavier in seinem Büro im Mittelsächsischen Theater in Freiberg stehen. Er dirigiert das Orchester zur Spielzeiteröffnung dort an diesem Sonnabend, dem 5. September bei der Musiktheater-Gala um 19 Uhr.

Musik ist pure Magie
Mit viel Schwung, Charme und Temperament begeistert der aus Mexiko stammende neue Generalmusikdirektor und Dirigent José Luis Gutiérrez im Mittelsächsischen Theater in Freiberg und Döbeln sein Publikum. Diesen Sonnabend startet das Theater in Freiberg in die neue Spielzeit mit einem Theaterfest ab 16.30 Uhr.
Die Liebe zur Musik begleitet José Luis Gutiérrez schon immer. “Musik als Sprache ist sehr vielseitig und sie wird überall auf der Welt verstanden“, das erlebt der aus Mexiko stammende Dirigent und Musiker auf seinen Konzerten und Reisen. Seit 2025 ist er der neue Generalmusikdirektor der Mittelsächsischen Philharmonie in den Theatern in Döbeln und Freiberg. Gutiérrez dirigiert das Orchester mit viel Schwung, Esprit und Temperament. „Es ist keine Show. Ich merke das gar nicht. Es ist meine Natur“, sagt er lächelnd. Die Vorstellung soll den Zuschauern gefallen. Dafür gibt er alles. Den Weg dahin sieht keiner. Alle Mühe ist in dem Moment auf der Bühne vergessen, wenn sich seine eigene Begeisterung an der Musik und Emotionen auf das Publikum übertragen. „Die Stille vor dem ersten Ton, bevor es losgeht, ist ein besonderer Moment“, so Gutiérrez. „Das ist pure Magie.“
Es beginnt mit der ersten Probe im Orchester. „Ich bin fasziniert von dem, was ich gefunden habe in der Partitur. Die Energie gebe ich zurück“, sagt der Dirigent. Dabei strahlt er Ruhe und Gelassenheit aus. Vertrauen schenken dem Entstehenden ist ihm wichtig. Er kann aber auch streng sein. „Ich muss auf Genauigkeit achten, auch auf Unvorhergesehenes in der Vorstellung reagieren. Das ist mein Job“, so Gutiérrez. Es gehe dabei viel um Dosieren. Dass die Geigen und Posaunen gut zusammen klingen, alles harmoniert im Orchester, auch im Zusammenspiel mit Gesang, Tanz und Schauspiel. Beim Musizieren wiederholt sich nichts, es klingt jedes Mal anders. Darin sieht Gutiérrez die Schönheit dieser Kunst.
Diese Saison wird im Mittelsächsischen Theater eine musikalische Achterbahnfahrt – voller Höhenflüge, überraschender Wendungen und tiefer Emotionen. Mit Werken von Ponce, Dvorák, Britten bis Tschaikowski. „Wir haben im Orchester mit derzeit rund 50 Musikerinnen und Musikern ein großes Pensum zu spielen, von Sinfoniekonzerten über Opern wie ,Carmen` bis zum Musical ,Cabaret` und auch neue Programme“, so Gutiérrez. Mit dem Konzert „La Noche de los Mayas“ entführte er das Publikum auch schon in mitreißende Klangwelten seiner mexikanischen Heimat. „Musik war mir immer nah.“ Mit neun Jahren bekam José Luis Gutiérrez eine Gitarre von seinem Vater geschenkt. Er stammt aus Guanajuato im Zentrum des Landes nördlich von Mexiko City. Dort lebte er mit seiner Familie in Dolores Hidalgo, einer Kleinstadt mit ca. 45 000 Einwohnern ähnlich wie Freiberg. Mit elf Jahren gewann bei einem ersten Bundeswettbewerb zu seiner Überraschung gleich einen ersten Preis mit seinem Klavierspiel. Er hat Cello und Klavier an der Musikhochschule in Puebla studiert.
Mit Hilfe eines Privatstipendiums kam José Luis Gutiérrez nach Europa, um Dirigent zu werden. „Es war für mich spannend, eine dritte Sprache, Deutsch zu lernen und in der Nähe von Frankreich, Italien und England zu sein“, sagt er. 2015 setzte er sein Musikstudium am Tiroler Landeskonservatorium in Innsbruck fort, wo er neben Klavier im Fach Orchesterdirigieren bei Professor Dorian Keilhack mit Auszeichnung abschloss. 2019 kam José Luis Gutiérrez ans Mittelsächsische Theater nach Freiberg, zunächst als Solorepetitor mit Dirigierverpflichtung und wurde ein Jahr später mit 24 Jahren Erster Kapellmeister. Er spricht akzentfrei Deutsch. „Sprache ist wie Musik und es wird an jedem Ton, jeder Silbe und am Ausdruck gearbeitet.“ In den sieben Jahren am Haus hat er das Orchester kennengelernt und sich natürlich gefragt, was er anders machen würde. „Tradition und Neues müssen sich immer wieder finden. Die Neugier dafür finde ich sehr wichtig“, so Gutiérrez. Um diese Verbindung gehe es auch in der Gesellschaft. „Man sucht immer einen Kompromiss, um in der jetzigen Welt zu wohnen.“ Er bringt neue Impulse in den Spielplan ein.
Mittlerweile hätte er auch Möglichkeiten zu gehen. „Aber ich bin hier geblieben. Ein Grund ist, weil man viele Gestaltungsmöglichkeiten in diesem Theater hat. Außerdem werde ich als Dirigent auch zu Gastspielen mit anderen Orchestern in Deutschland und in den USA eingeladen und fühle mich wohl in Freiberg“, so Gutiérrez. Mit seiner Familie in Mexiko telefoniert er regelmäßig. Für Hobbys bleibe keine Zeit. Er mag es im Wasser zu sein, gern auch ein gutes Essen und Gespräche im Restaurant. Er wurde noch nie wegen seiner ausländischen Herkunft angegriffen. Das könne einem überall auf der Welt passieren, auch in Mexiko, dass man nicht nur freundliche Menschen trifft. Er sei ein offener und toleranter Mensch, sagt Gutiérrez über sich. Der Dirigent hat eine herzliche und charmante Art. Und deswegen inzwischen auch eine große Fangemeinde jeden Alters. Er gehe gern auf Menschen zu, man umarmt sich vor der Bühne nach der Vorstellung als nette Geste, redet miteinander. Dieser Körperkontakt ist üblich in meiner Kultur, so Gutiérrez, kann hier aber missverstanden werden. Daher sei er schon etwas vorsichtiger geworden. Er nimmt die Komplimente jedoch gern an und freut sich, wenn die Konzerte gut ankommen beim Publikum.
Text + Fotos (lv)
