Reizvolles Ringen um Liebe und männliche Tugenden

Wunderbar komödiantisch, mit gefühlreichen Wortgefechten und feinsinnigem Humor kämpfen Männer und Frauen mit äußeren Rollen und für ihr persönliches Glück in Lessings zeitlosem Stück „Minna von Barnhelm“ in der Inszenierung an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul. Heute wieder, am 25.1., um 19.30 Uhr.

Schon das Titelbild auf dem Programmheft zu „Minna von Barnhelm“, eine Komödie von Gotthold Ephraim Lessing, spricht Bände. Vor grau blättriger Wand sitzt der Major von Tellheim auf dem Sofa, in weißem Hemd mit stehendem Kragen, Reithose mit Hosenträgern und Stiefeln. Eigentlich ein Mann zum Verlieben. Sein Blick kühn, verwegen, wagemutig und sehnsuchtsvoll. Eine Hand hält er beschützend auf Minna, seine Liebste, ihr Kopf ruht auf seinem Knie, halb auf dem Sofa liegend, hält sie den Liebsten fest. Sie schaut verträumt, auch ein wenig schmollend und skeptisch. Denn sie weiß, dieses Bild ist nicht von Dauer. Sein Blick ist in die Ferne gerichtet. Es zieht ihn hinaus in die Welt, neue Abenteuer zu bestehen und seinen Edelmut und Stärke zu beweisen.

Doch daraus wird vorerst nichts. Schlimmer noch. Der Major von Tellheim (innerlich zerrissen: Grian Duesberg) glaubt, Minnas Liebe nicht mehr würdig zu sein. Da er nach dem Siebenjährigen Krieg unehrenhaft aus der Preußischen Armee entlassen wurde. Man wirft ihm Bestechlichkeit vor, obwohl er anstatt im besetzten Sachsen hohe Kriegsabgaben zu fordern, sie aus Mitleid mit der Bevölkerung zum Teil aus eigenem Vermögen vorgestreckt hatte. Dafür erhielt er Wechsel, die im Berlin Friedrich II. konfisziert wurden. In seiner Ehre durch die ungerechtfertigten Vorwürfe verletzt und finanziell ruiniert, sieht Tellheim sich nicht mehr in der Lage, seine Verlobte Minna von Barnhelm (liebevoll-selbstbewusst: Sandra Maria Huimann) zu heiraten. Doch sie lässt nichts unversucht, um ihn zurückzugewinnen und kämpft um ihre Liebe.

Ebenso spannungs- wie reizvoll erzählt Lessings Stück „Minna von Barnhelm“ (1767), das er selbst als „ernstes Lustspiel“ bezeichnete, von Licht und Schatten heldenhafter, männlicher Tugenden, die zu Anerkennung, Macht und Erfolg führen sollen und von den Konflikten, die aus gesellschaftlich festgelegten, starren Rollenbildern für Männer und Frauen entstehen. Damit war Lessing mit seinem Stück den Moralvorstellungen seiner Zeit weit voraus, es ist immer noch erstaunlich zeitlos, modern in seiner Grundaussage und mit seinen starken Frauenfiguren und bis heute eines der meistgespielten Stücke auf deutschen Bühnen.

Wunderbar komödiantisch, voller Spiellust, Leidenschaft, gefühlreicher Wortgefechte und feinsinnigem Humor in bezaubernd romantischen Kostümen vor trister Kulisse erlebte die Inszenierung „Minna von Barnhelm“ unter Regie von Steffen Pietzsch in der Ausstattung von Katharina Lorenz letzten Sonnabend ihre Premiere an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul. Eine Augenweide und ein Genuss für Geist und Sinne mit durchweg großartigen Schauspielerinnen und Schauspielern. Zur Premiere gab es reichlich Beifall vom Publikum.

Text (lv)

Die nächsten Termine:

Sa   25.01.2020   19:30                Hauptbühne
So   02.02.2020   18:00                Großenhain Kulturzentrum
Sa   07.03.2020   19:30                Hauptbühne
Fr    13.03.2020   19:00                Freital Kulturhaus
So   15.03.2020   19:00                Hauptbühne
Sa   25.04.2020   19:00                Neustadt Neustadthalle

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