

Eigener Bilder-Kosmos & Zauberhaftes Zusammenspiel von Mensch- und Tierwesen und Natur. Die Bilder von Dorothee Kuhbandner regen zum Schmunzeln, Staunen, Entdecken an, sie sprechen Herz, Geist und Sinne gleichermaßen an.


Worte & Bilder verbinden sich entdeckungsfreudig, machen sichtbar, und regen an zum Weiterdenken & Träumen: meinwortgarten-Inhaberin und freie Journalistin Lilli Vostry sprach gestern zur Ausstellungseröffnung von Dorothee Kuhbandner.

Farbreiche Bilder des Lebens
In leuchtenden Farben, fantasievoll, verschmitzt, vieldeutig und feinsinnig lädt die Ausstellung „Wer bin ich?“ von Dorothee Kuhbandner die Besucher zum Innehalten, Träumen und Nachdenken ein in der Stadtteilbibliothek Radebeul-Ost im Kulturbahnhof. Zu sehen bis 30. Oktober 2026.
Eine Figur, halb Mensch, halb Tier, schmiegen sich aneinander. Umhüllt von einem feuerroten Kopf. Die Farbe fließt, strömt, kreist und verknäult sich in schwarzen und weißen Linien wie Rauchzeichen. Wer beschützt oder bedroht hier wen? Hinter der nachtblauen Hauswand sitzt hinter vergittertem Fenster im hellen Lichtschein eine weiße Taube. Das warme Licht fließt zu einer erdbraunen Gestalt herüber, die klein und zart vor dem feurigen Gesicht steht.
Es ist das Titelbild zur Ausstellung „Wer bin ich?“ mit Malerei und Zeichnung von Dorothee Kuhbandner. Ich begrüße Sie herzlich in den Räumen der Stadtbibliothek Radebeul-Ost im Kultur-Bahnhof.
Farbreiche Bilder des Lebens, in denen Kunst, Natur und Zwischenmenschliches aufs Schönste miteinander verbunden sind, können Sie hier sehen. Fantasievoll, verschmitzt, vieldeutig und feinsinnig begegnen diese dem Betrachter. Dorothee Kuhbandner ist eine Bilderzauberin. Auf kleinen und großen Fomaten, Leinwänden und Papier entführen ihre Werke in leuchtenden Farben, symbolhaft und ausdrucksreich, in einen ganz eigenen Bilderkosmos zwischen Traum und Wirklichkeit, gemalt im „Dorealismus“, wie sie es nennt. Drei Fensterbilder, sacht bewegt vom Wind und gehalten von Drähten unter dem Blätterdach eines Baumes, drehen sich und erscheinen immer wieder anders im Spiel von Licht und Schatten. Auf dem Weg zu ihrem Wohnhaus und Atelier in Radebeul, in der Oberen Berggasse, unterhalb der Weinberge. Das erste Bild zeigt drei Figuren mit Augenbinde, Kopfhörern und Maske vorm Mund in einem Boot sitzend. Es trägt den Titel „Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen aber fühlen“, eine Hand liegt auf einer Mauer. Wie ein roter Lampion wirkt auf den ersten Blick die Maske mit den rot-weißen Signalbändern, auf der eine weiße Taube thront vor einem staunenden Gesicht. Im dritten Bild sind aufgespannte Rettungsschirme über lodernden Flammen, eine Taube, ein versteckter Gekreuzigter, eine waghalsige Dame, ein getarnter Uhu und, und, und zu sehen. Die Fensterbilder sind großformatig auch in dieser Ausstellung zu sehen.
Insgesamt neun Bilder in Tusche- und Acrylmalerei, die 2023 entstanden sind und einige kleinere und ältere Arbeiten, zeigt die in Radebeul lebende Künstlerin unter dem Titel „Wer bin ich?“ Angeregt wurde Dorothee Kuhbandner dazu von einem Gedicht von Dietrich Bonhoeffer, das der Theologe und Dichter 1944 im Gefängnis schrieb. Mit dem Thema ist sie schon lange vertraut. Als sie vor 20 Jahren in der Friedenskirche Radebeul ausstellte, machte sie der dortige Pfarrer Schleinitz auf das Bonhoeffer-Gedicht aufmerksam mit den Worten: „Das passt.“ Dorothee Kuhbandner beschäftigt ebenso die Frage: „Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? Oder bin ich nur das, was ich selber von mir weiß? Unruhig, sehnsüchtig, krank wie ein Vogel im Käfig, ringend nach Lebensatem…“, wie es Bonhoeffer formulierte. Die Bilder ihrer Ausstellung „Wer bin ich?“ waren bereits in der Wuhlgartenkirche in Berlin im Jahr 2023 zu sehen, außerdem in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in Chemnitz im Kulturhauptstadt-Jahr 2025 und in der Uniklinik der Medak in Dresden ein halbes Jahr lang. Zuletzt in der Full Moon-Gallery in Dresden. Dies ist nun die fünfte Station in der Stadtteilbibliothek Radebeul-Ost. Den Bildern hat Dorothee Kuhbandner eigene Texte hinzugefügt, die auch in einem Begleitheft zur Ausstellung „Wer bin ich ?“ in ihrem ZilpZalp Verlag Radebeul erschienen sind. Nicht um die Bilder zu erklären, sie sieht die Zeilen vielmehr als zusätzliche Ebene. Es sind gedankliche Reflexionen von ihr zu den Bildern: „Warum habe ich das gemalt?“
Sie sei selbst oft überrascht von dem, was sie sieht. Malen ist ein intuitiver, spontaner Vorgang. Manche Besucher lesen nur die Texte und sehen die Bilder nicht an, sagt sie. Idealerweise ergänzt sich beides, Worte und Bilder. Bäume, Pflanzen, Tiere und immer wieder Gesichter, die sich ansehen wie im Spiegel, aus Trichtern, Tunneln oder Megaphonen hervorschauen, oft im schwarz-weißen Schachbrettmuster und Fabelwesen, halb Mensch, halb Tier, mit buntem Gefieder, Flügeln, Hörnern, Knospen und Jahresringen, besiedeln und beäugen auf den Leinwänden den Betrachter offen, wundersam und neugierig. Auerdem zeigt sie ein Porträt von ihrem Sohn Friedrich, mit nachdenklichem Blick und hervorquellenden Gedankengängen, aus denen weiße Tauben flattern und ein Selbstporträt, das eine Frau zeigt, aus deren Kopf Blumen sprießen bis hinunter auf die schwarz-weiß karierte Halskrause mit Harlekinglöckchen. In den Bildern von Dorothee Kuhbandner nehmen Erlebtes, Träume, Ängste, Zweifel und Hoffnungen farbenfroh und vieldeutig, oft mit leisem Schmunzeln, Gestalt an. Sie möchte, dass die Betrachter sich selbst Gedanken zu den Bildern machen, sich verbinden und etwas entdecken, wiederfinden von sich selbst in den Bildern. Man muss sie nicht sofort und völlig verstehen. Diese Bilder wollen vor allem gefühlt werden. Sie sind eine Einladung an die Betrachter, das Staunen und Träumen in einer zunehmend technisierten, widerspruchsvollen und kalten Gegenwart nicht zu verlernen, vielmehr den eigenen Sinnen und Erfahrungen zu vertrauen.
Die Malerin, Grafikerin, Objektkünstlerin und Illustratorin wurde 1964 als Dorothee Friedrich in Dresden geboren und ist in Radebeul aufgewachsen, verheiratet und Mutter von vier Söhnen. Sie hat Ausbildungen als Buchbinderin, Krankenschwester, Tagesmutter und Entspannungspädagogin. Dorothee Kuhbandner ist äußerst gestaltungs- und experimentierfreudig und verwandelt alles, was ihr zwischen die Finger kommt, liebe- und kunstvoll. Sie ist Autodidaktin und seit 2010 freischaffend als Bildende Künstlerin tätig. Seit 2012 hat sie die „Galerie mit Weitblick“ in Radebeul betrieben, die sie letztes Jahr wegen neuer Besitzer des Grundstücks aufgeben musste. Doch so wie Vögel fliegen wollen und sie es zurückgezogen im Schneckenhaus nicht lange aushalten würde, hält Dorothee Kuhbandner immer wieder Ausschau nach neuen Wundern und Möglichkeiten, sie glaubt weiterhin an Träume für eine bessere Welt ohne ein „Traumtänzer“ zu sein. Das spricht aus all ihren Bildern, die unbeschwert, feinfühlig und fröhlich, aufmunternd und wagemutig sind
und die Welt ein Stück freundlicher, farbenfroher und heller machen.
Nun bleiben mir noch die magischen vier Worte: Die Ausstellung ist eröffnet!
Text + Fotos (lv)
Porträtaufnahmen: Annette Richter
Geöffnet: Mo, Do, Fr 10-19 Uhr, Di 13-19 Uhr, Mi geschloissen












Bücher, kleine und grpße, farbenfroh illustriert aus dem ZilpZalp-Verlag Radebeul von Dorothee Kuhbandner. Auch online bestellbar.