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Blühende Gärten und die Goldzwerge           Radebeuls

In einem multimedialen Kunstprojekt zeigt die Ausstellung „Radebeul Besitzen“ zurzeit Arbeiten von 55 Künstlern in der Stadtgalerie.

Bunt bemalte Stühle mit der Stadtkulisse stehen neben Sitzflächen mit beliebig verrückbaren Spielfiguren. Goldbemalte Steine treffen auf Ansichten mit blühenden Gärten, Villen und Weinhängen. Zu sehen sind sie in der Ausstellung „Radebeul Besitzen“ in der Stadtgalerie Radebeul in Altkötzschenbroda 21.

Das jährliche multimediale Kunstprojekt wurde mit einem rege besuchten Künstlerfest, begleitet von beschwingter Musik vom Trio „freylax“, einer lustigen Clownsperformance um den alleinigen, besten Sitzplatz und natürlich mit Kunstgenuss und Wein, seltsamerweise nicht von Radebeuler Winzern, am vergangenen Sonnabend (am 10.9.) eröffnet.

Um Sitzen, Besitzen und Besitz ergreifen, schmunzelndes Nachdenken über Werte geht es in vielfältiger Weise gestalterisch und inhaltlich in den Arbeiten von 55 Radebeuler Künstlern. Gezeigt werden Bilder, Grafiken, Objekte, Fotografien, Texte, Ton- und Filmsequenzen. Bei einer Auktion konnten die Besucher zudem Aktien für jeweils 20 Cent erwerben und von der Ruine bis zur Luxusimmobilie Radebeul ersteigern und symbolisch darüber entscheiden. „Wer flüssig ist, kann wie er will und sich von der Pflicht freikaufen“, sagte der Radebeuler Autor Thomas Gerlach bei der Ausstellungseröffnung in seinem humorvollen Reimgedicht frei nach Schiller „Der Ring des Bürokrates“.

„Wie wollen wir leben?“ fragt in einer Collage über Haben und Sein die Künstlerin Anne-Katrin Pinkert. Und gibt mit ihrer leuchtendfarbigen und vielgestaltigen Grafik „Vielsam“ eine Anwort. André Uhlig erinnert sich in einer urwüchsig-erdfarbenen Zeichnung an den „Hinterhof meiner Kindheit“. In zwei schwarz-weißen Fotografien zeigt Burkhard Schade unter dem bezeichnenden Titel „FriedensBesitz“ eine Ansicht der Friedensburg und als „FriedensbeSitz“ einen Klappstuhl oben auf der Anhöhe für alle zugänglich mit weitem Blick auf die Stadt und Elbblandschaft.

Ein goldenes Clobecken mit der Friedensburg am Sockel en miniature und der Aufschrift „Besetzt vom Sonnenkönig“ zeigt zusammen mit einer Dokumentation über den Streit um die Immobilie die Künstlerin Renate Winkler. Außerdem porträtierte sie in einem berührenden Ölbild die „Baumhüterin der Friedlandstraße“, eine alte Frau mit Kopftuch auf einem Stuhl vor den stattlichen Baumriesen vor ihrem Haus. „Goldzwerge Radebeul“ hocken auf einer blauen Kugel im gleichnamigen Objekt von Gabriele Reinemer.

„Casa Domina“ nennt Gabriele Schindler ihre witzig-poetische Installation aus Papier, Draht und Holz, in der eine weiße Puppe mit Peitsche eine Weinbergschnecke mit goldenem Gehäuse dirigiert. Zwei Bilder von Peter Graf zeigen ironisch „Herr Bleifuß in seinem goldenen Käfig“ und unter dem Titel „Besitz (Jeder in seinem Käfig)“ einen Mann hinter seinem vergittertem Palazzo gefangen wie sein Papagei. Von Reinhard Zabka stammt ein „Serkowitzer Schätzchen“ mit wunderlich-skurrilen Fundstücken. Auf einer Tafel sind “35 spekulationsfreie Radebeuler Bodenproben“ zu sehen, genommen von Petra Schade zwischen dem 6.6.

und 21.8.2016 an verschiedenen Stellen von der Friedenskirche über die Villa Sorgenfrei, das DDR-Museum und einen Blitzer an der Waldstraße bis zum Baum an der Stadtgalerie Radebeul. Dort steht außerdem ein „Paradiesäpfelbaum“, behängt mit Fayence-Keramik im Lithodruck mit knuffigen Engeln, reizvollen Evas, steigenden und fallenden Figuren und den Initialen Radebeul, gestaltet von Gerold Schwenke und Matthias Katschmer. Eine dreidimensionsale Collage von Gabriele Kreibisch verkündet: „Stadträte besitzen Radebeul – ein Dampfer fährt vorbei“. Zu sehen ist eine Ansammlung von Stühlen aus Zeitungspapier mit der Stadtkulisse im Rücken und Blick auf den träge dahin ziehenden Fluss.

In der Installation „Die Kugel rollt nicht“ von Anita Rempe dreht sich auf einer schwarzen Schüssel ein kleiner Puppenkönig auf seinem Thron, vor ihm ein Häuflein Cents und auf dem Tisch ein Bild mit grünen Weinhängen.

Die Ausstellung „Besitzen“ ist noch bis 23. Oktober zu sehen.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Di, Mi, Do und So von 14 bis 18 Uhr und während des Radebeuler Herbst- und Weinfestes vom 25. bis 27. September gibt es längere Sonderöffnungszeiten.

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