szeneneinerehe_1267-1

Foto: Matthias Horn. Mit Nele Rosetz und Torsten Ranft.

Ein wunderbares Ja-Wort zur
Unvollkommenheit der Liebe

Sie sind schon lange ein Paar, sich nah und doch so fern. Die Liste ihrer geheimen Wünsche ist lang. Über Ideal und Wirklichkeit des lebenslangen Zusammenseins erzählt das Stück “Szenen einer Ehe“ nach dem berühmten Film von Ingmar Bergman. Die Premiere war am Freitagabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Das Bühnenbild mit Wohnzimmer, Küche, Essbereich und Flur und dezenter Schlagermusik im Radio ist im Stil der 70er Jahre eingerichtet, die Thematik zeitlos. Nach außen erscheint alles wohlgeordnet. Doch die Disharmonie und Unzufriedenheit über die in Regeln und Verpflichtungen erstarrten Gefühle und lustlosen Sex in der Ehe von Johan und Marianne ist nicht zu übersehen und –hören. Beide versuchen zu begreifen wie es dazu kam und zu retten was noch zu retten ist. Abwechselnd ernst und komisch, mit trockenem Humor über bittere Ironie bis zu heftigen Gefühlsausbrüchen holt der Regisseur, Dramatiker und Buchautor Thomas Jonigk Bergmans grandiose „Szenen einer Ehe“ beeindruckend auf die Bühne.

Wo die beiden Hauptdarsteller sich teils beängstigend intensiv und handgreiflich gegenseitig auf den Leib rücken, um endlich all die verdrängten und verschwiegenen Wahrheiten, Wünsche, Ängste und Sehnsüchte aus dem anderen herauszuholen. Seiner Beschreibung nach ist Johan (eitel und selbstgefällig: Torsten Ranft) intelligent, erfolgreich, ausgeglichen, ein guter Familienvater und großartiger Liebhaber. Seine Frau Marianne (zart und kraftvoll: Nele Rosetz) findet ihn ganz nett, manchmal naiv bis zum Schwachsinn und hat zwei Kinder mit ihm. Nur wer sie selbst ist, weiß sie nicht. Er löffelt brav seine Suppe, aber sie schmeckt ihm schon längst nicht mehr. Sie würde gern mit ihm verreisen, er sitzt lieber im Boot und angelt und würde am liebsten weg von ihr. Als es dann passiert und er sich in eine andere, jüngere verliebt und auch sie andere Männer kennen lernt, erleben Johan und Marianne sich völlig neu.

Wie im Zeitraffer verdichtet die anderthalbstündige Aufführung das Ringen umeinander, das Fortgehen und Wiederkommen als habe sich nichts geändert in wiederholten Szenen des Alltags, Fragen und stereotypen Antworten und zwischendurch atemloses, gespanntes Schweigen und Sätze, die aufhorchen und tief blicken lassen in das mühsam zusammengehaltene Eheleben. Durch die harten Schnitte und schnellen Wandlungen von Johan und Marianne gerät die Figurenzeichnung streckenweise etwas grob und widersprüchlich.

Ihre haargenau wie sie aussehenden Kinder, Tochter und Sohn hören stumm auf der Bühne alles mit an. Ein zweites Paar taucht hin und wieder wie stille Zeugen auf und befragt sich Jahre später erneut. Lars Jung und Hannelore Koch spielen die beiden bewundernswert als älteres, reifes Paar, das über alle Wut und Schmerz hinweg erkennt, dass wahre Liebe auch heißt, sich über das neue Glück des anderen zu freuen und es nie zu spät ist. Seine Liebe zu ihr ist unvollkommen, aber tief und wahrhaftig und beide sind sich näher als je zuvor. Langanhaltender Beifall für einen wunderbaren Theaterabend der großen Gefühle.

Nächste Vorstellungen: 14. und 20.9., 19.30; 8. und 12.10., 19.30 Uhr

 

Werbeanzeigen