Warten auf bessere Zeiten

Samuel Becketts berühmtes Stück am Sonntag auf der Studiobühne der Landesbühnen Sachsen in Radebeul

Die absurd-komische Geschichte um die beiden Landstreicher Wladimir und Estragon, die auf einen geheimnisvollen Unbekannten namens Godot warten, weil sie nichts zu tun haben und mit dem bestimmt alles besser wird, ist am Sonntag (22.5., 20 Uhr) wieder auf der Studiobühne der Landesbühnen Sachsen in Radebeul in der Regie von Peter Kube zu sehen.

Das berühmte Stück von Samuel Beckett über Glück und Lebenssinn, Warten als innere Leere und Stillstand oder Abwarten und Reifen lassen bis die Zeit gekommen ist, stellt immer eine Gratwanderung dar. Passiert doch erst einmal  – nichts. Um so mehr kommen das Imaginäre und Bedeutungsschwere des Augenblicks, jede noch so kleine Geste sowie hin und her ge- und verdrehter Wort- und Spielwitz zum Zuge, den die beiden sehr komödiantischen Hauptdarsteller voll auskosten. Herrlich naiv-komisch und tiefgründig, lustig und traurig zugleich agieren sie in dieser zeitlos aktuellen Geschichte.

Sie laufen auf und ab, vor und zurück auf der runden Spielfläche mit einem kahlen Baum, der seine Schatten wirft. Wladimir (Michael Berndt-Cananá) fragt Estragon (Grian Duesberg) ob er sicher ist, dass sie hier an dieser Stelle warten sollen? Und was eigentlich ihre Rolle sei? Sind sie gebunden und an wen? Worauf warten sie eigentlich? Auf Rettung, einen Erlöser?

Das wissen sie selbst nicht. Die Langeweile quält sie und sie tun alles, um sie zu vertreiben. Vermessen den Platz, überlegen, wo sie überall hin gehen könnten und kommen doch nicht weiter als bis zum Bühnenrand. Denn sie könnten Godot ja verpassen und das wäre unverzeihlich. Sie erfinden Spiele, erörtern verschiedene Möglichkeiten des Selbstmords, philosophieren über das Leben und den Tod. Und tauschen ihre Hüte als ob sie dann ein anderer wären oder sich etwas ändern würde. Ein angeblich von Godot ausgesandter Bote, ein Junge, verkündet, dass sich seine Ankunft verzögern, er aber ganz bestimmt kommen werde. Mehr ist aus ihm nicht herauszubekommen.

Dann taucht noch ein seltsames Duo auf mit dem reichen, tyrannischen Landsbesitzer Pozzo (Marcus Staiger) und seinem schwer beladenen Diener  Lucky (Mattias Nagatis für den erkrankten Tom Hantschel ), den er wie einen alten Gaul an der Leine führt, zerrt und herumkommandiert. Hungrig muss er zusehen wie Pozzo isst und den Landstreichern die Knochen zuwirft und als Estragon sich der wimmernden, dürren Kreatur mitfühlend nähert, tritt Lucky ihn. Er kann Fremde nicht leiden und gehorcht nur seinem Herrn, kommentiert Pozzo trocken. Er verhöhnt und erniedrigt Lucky, befiehlt ihm zu tanzen und akrobatische Kunststücke vorzuführen.

Plötzlich sprudeln aus ihm wilde Wortkaskaden in einem verächtlich-wahnwitzigen Monolog darüber, wie der Mensch immer kleiner werde und redet sich in Rage bis sein Herr ihm das Seil um den Hals legt. Dafür gab es Szenenapplaus. Die beiden Landstreicher machen sich über Herr und Knecht lustig und ahmen die Kommandos nach, schreien und befehlen sich gegenseitig. Und führen absurde Dialoge im Wechsel von Verzweiflung und Hoffnung.

Als Pozzo und sein Diener wieder vorbei kommen – ist ein Tag vergangen oder Jahre? – ist Lucky stumm und Pozzo blind geworden. Der Herr muss jetzt von seinem Sklaven geführt werden. Sie können sich ebenso wie der Bote nicht entsinnen, Estragon oder Wladimir jemals zuvor begegnet zu sein. Als ob sie gar nicht existieren würden. Oder haben sie sich das alles nur eingebildet, sind die anderen nur Truggestalten? Ist das Leben ein einziger Betrug, eine Illusion und Sinnestäuschung? Sollen sie zusammenbleiben oder auseinander gehen? Was passiert, wenn sie Godot einfach fallen ließen?

Darüber darf der Zuschauer alleine weiterrätseln. Das ist auch der Reiz dieses Stückes, es stellt viele elementare menschliche Fragen,  spielt mit Wünschen und Erwartungen an sich selbst und andere und man kann es immer wieder neu und anders sehen. Und es wird nie langweilig. Viel Beifall.

 

 

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