Farben des Lebens
(Für Frau B.)
In warmen Farben rankt
sprießt und duftet der Sommer
rings um das große Blumenbeet
stetiges Auf- und Verblühen
Wachsen Werden und Weitergehen
fließen auf den Leinwänden zusammen
mit Blick in den Garten
Räume voller Bilder
in der kleinen Ferienwohnung am Meer
gleich am Eingang rote Blüten
auf schwarzem Grund
in einer Vase stehen zwei rosa Rosen
eine schon im Fallen ein paar Blütenblätter
verstreut
auf meerblauem Tuch
das aussieht wie der Bug eines Schiffs
vor strahlendem Gelb
gegenüber steht ein Paar am Strand
und sieht den Sonnenuntergang am Horizont
die Hände umeinander gelegt
Himmel Meer und Wellen
in orangenen grünblauen und dunklen
Farbschimmern
wogendes Sein sanft pastellfarben
still verwunschen und kraftvoll
weiß und tiefblau
manchmal fast Ton in Ton
mit dem weiten Himmel
das Meer immer in Bewegung
Kommen und Gehen der Wellen
Sich Nähern und Entfernen
in Schwarzweißen und Grautönen
stürmen stürzen strömen
die Wellen
ziehen ihre Spur
am Nachthimmel mit Vollmond
und hinterlassen Lichtflecken
auf dem Meer
ein Blick auf die Seebrücke in Ahlbeck
nach Heringsdorf
vor blau rot violettem Abendhimmel
alte Fischer- und Bauernhäuser
Mohnblumen auf einer Wiese am See
eine Anlegestelle am Hafen mit Booten
schemenhafte Gestalten mit langen Stäben
wie Ruder oder Flügel
und eine Landschaft mit dunklen
Schattenumrissen von zwei Bäumen
die aneinander lehnen
dazwischen eine helle Insel
Text: Lilli Vostry
1.6.2026
Beflügelt
Die kleinen weißen Segler sitzen
wieder auf dem Dach
sie gurren und drehen ihre Runden
hoch zum Bahndamm
und zurück
in den Garten der gerade im Blühen
Ich schaue zu ihnen
ein letztes Mal
im Sonnengeflecht der Kiefern
zwitschern die Vögel
heute besonders schön
das Tagpfauenauge taucht
noch einmal auf
zum Abschied
die Möwen senden ihre Lockrufe
kreisen über den glänzenden Wogen
und kreischen freudig über das Festmahl
mit ihnen verfliegt alle Schwere
und irgendwo weiter hinten
im Meer kommt der große sanfte
Riese endlich frei
gibt es die ersehnte Rettung für den Wal Hope
LV
15.4.2026
Garten am Meer
Die ersten grünen Blattspitzen ragen
an der Pergola empor
der Sitzplatz noch kahl die Laterne
ohne Licht die Bäume noch blätterlos
der Tulpenbaum hinter dem Gartentor
trägt noch welke Blütenkronen
vom vorigen Jahr
weiter vorn sprießen runde Knospen
an einem Strauch
purpurfarbene Blüten gehen bald auf
lugen schon durch den Zaun
Hyazinthen duften noch allein
im großen Blumenbeet
ein großer Kiefernbaum steht Spalier
an der Terrasse
mit wogenden Zweigen
erfüllt von Licht Vogelgezwitscher
und Flügelschlägen
ein weißer Taubenschwarm dreht
unentwegt seine Runden
über dem Ferienhaus freundliches Gurren
hin und wieder fliegen Möwen
vorbei mit lautem Rufen
ein Tagpfauenauge lässt sich nieder
vor dem Buddhakopf aus Stein
der lächelt
eine kleine schwarze Katze mit weißen Pfoten
streift durch den Garten zum Futterteller
am Küchenfenster
wo die alte Dame sitzt
manchmal wirft sie ihre Krückstöcke zur Seite
und schaut im Garten wie alles wächst
die Räume sind voller Blumen- und Meerbilder von
ihr in allen Farben
LV
15.4.2026
Sanfter Riese am Meer
(Für den Wal Hope)
Der Himmel immer noch bleiweiß
verhangen
in einem Fenster der Vinetatürmchen
auf der Seebrücke brennt noch Licht
der Strand fast menschenleer
mein Herz schwer
seit Tagen
Möwenrufe und kreisende Flügel
lockern es wieder
Das Meer wogt grau und weit
irgendwo da draußen
liegst Du
Großer
sanfter Riese
im weichen Schlamm
steckt fest in der Tiefe
schlägst mit der Flosse
sprudelst Wasserfontänen
hebst den Rücken manchmal sitzen
darauf Möwen
die Haut hat schon Risse
und kannst nicht fort
sie lassen Dich nicht weg
wie lebendig begraben
nachts hören sie an Land
Deinen Gesang Rufe und Klagen
so viel Regung
so viele unerhörte Fragen
Helfer und Rettungsgerät stehen bereit
naht Deine Rettung oder Dein Ende
ach wüchsen Dir doch Flügel
könntest Du mit den Möwen fliegen
übers Meer nachhause
LV
13.4.2026
Frühling m Meer
Das Meer braust dunkel
weiße Wellen rollen heran
wie Blütenflocken
hier und da
ein paar blühende Bäume
an der Promenade
ein einsamer Magnolienstrauch
zwischen eleganten Strandvillen
die Natur liegt noch im Winterschlaf
Es weht ein rauer Wind
eine helle Rose steckt im Sand
an den Strandkörben flattert der blauweiße Stoff
galant
die Möwen kreischen hoch im Flug
ihr Gekicher übertönt das Tosen
macht den Tag weniger grau
auf dem Fensterbrett am Ferienzimmer
leuchten zitternd eisblaue Stiefmütterchen
und eine Silbermöwe mit gelbem Schnabel
und weißgrauem Gefieder
sieht mich unverfroren an
wie ich ankomme und gehe
immer wieder aufbrechen kann
LV
13.4.2026
Fotos folgen.