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Jens Kuhbandner, NOTschriften-Verlag Radebeul – im Gespräch vorab zur Leipziger Buchmesse (vom 17. – 20. März 2016)

„Die kleinen Verlage sind das Salz in der Suppe“

Seit nunmehr 20 Jahren ist der NOTschriften-Verlag dem Regionalen, dem Besonderen und noch nicht Erzählten auf der Spur. Ein Blick zurück in die Anfänge und zu Neuerscheinungen im Jubiläumsjahr des Ein-Mann-Verlags.
Warum der Name NOTschriften?

Wir haben den Verlag damals gegründet für diejenigen, die Not haben ihre Texte zu veröffentlichen. Das sehen wir mittlerweile nicht mehr so dramatisch. Vielmehr fühlen wir uns jenen Themen und Manuskripten verantwortlich, an die sich „Große  Verlage“ nicht heranwagen.

Wie hat es begonnen?

1992 mit der Eröffnung des Jugend-Kultur-Treffs „Noteingang“ und dem gleichnamigen Verein. Ich gehörte mit Falk Wenzel und einigen anderen zu den Gründungsmitgliedern. Es entstanden ein Café und Kneipe mit kulturellen Angeboten wie Konzerte, Vorträge, Lesungen und Ausstellungen in einem alten Gebäude auf dem damals noch unsanierten Dorfanger von Altkötzschenbroda, dem historischen Zentrum von  Radebeul. Die Lesungen standen unter dem Motto  „NOTschriften präsentiert“… Als erstes erschien 1995 ein Gedichtband, titel… von mir mit Graffiti-Zeichnungen von Edgar Kupfer als handkopierte Broschüre, die mit „NOTschriften“ untertitelt war. 1996 kamen dann die ersten gedruckten Bücher in Wellpappe gebunden heraus: Edward  Güldner „Lyrik“ und Jens Kuhbandner „Traum“ mit je 30 Exemplaren. Ein Jahr darauf erschienen Edward Güldner „Lyrik II“ und Wolfgang Zimmermann „Die Akten Jazz & Show“. Die Erstauflagen von 1996 mussten neu aufgelegt werden. Die bisher erschienenen Bücher bekamen eine ISBN-Nummer, womit der Verlag NOTschriften offiziell gelistet wurde. Die Bekanntschaft mit DEKAdance-Chef Bert Stephan – durch verschiedene Auftritte im „Noteingang“ mit seinen Nebenbands „Aufruhr in der Savanne“ , „Die Rockys“, „Olaf Schubert“ – führte 1998 zur Veröffentlichung seines Buches „Der Tisch der Frauen“ in einer Auflage von 2 000 Exemplaren.

Ein beachtlicher Sprung…

Der Verlag wurde schlagartig regional und überregional bekannt. Fortan führte ich die Geschäfte, das Layout und den Vertrieb. Falk Wenzel stand als Freund beratend, inspirierend und helfend zur Seite. Weitere Veröffentlichungen folgten wie 1999 der Anekdoten-Band „…einfach absurd!“ von Wolfgang Dehler, der überregional ein Erfolg wurde. Im Herbst 2001 erschien der erste Bildband über Radebeul in einer Auflage von 5 000 Exemplaren.

Seit wann ist der NOTschriften-Verlag bei der Leipziger Buchmesse dabei?

Der erste Auftritt war 2001 mit Lesungen von Bert Stephan und Wolfgang Dehler. Im Herbst 2003 wurde der Status Verleger für mich vom Hobby zum Beruf. Von 2001 bis `03 war ich an einem Gemeinschaftsstand der kleinen Verlage Mitteldeutschlands präsent. Seit März 2004 bin ich jedes Jahr mit einem eigenen Stand auf der Leipziger Buchmesse.

Was bringt die Teilnahme?

In Leipzig trifft sich ein dankbares Publikum, das sehr aufgeschlossen gegenüber den „Kleinen“ ist und das Besondere unter dem Mainstream zu entdecken sucht. Eine Besucherin sagte mir mal: „Die kleinen Verlage sind das Salz in der Suppe.“ Da behaupte ich mich ganz gut. Es gibt auch noch unabhängige BuchhändlerInnen, die gezielt besondere Bücher suchen, die in ihr Profil passen. Die Möglichkeit, Neuerscheinungen mit einer Lesung zu präsentieren, ist natürlich auch eine gute Gelegenheit. Man löst sich aus seinem Kleinstand und betritt ein größeres Podium, steht im Programm etc. Bei der Vielzahl an Lesungen ist das freilich auch nicht überzubewerten, aber genügend Publikum ist immer da.

Wie sieht der Verleger e-books?

Mein Herz schlägt für Bücher, meine Arbeit ist eine Herzensangelegenheit. Ich müsste e-books machen, wie ich die Steuererklärung mache, also hinauszögern bis zur letzten Frist. Ich glaube das e-book wird das herkömmliche, gedruckte Buch nicht ablösen. Es wird ein Nebenher geben, viele sogenannte Bestseller sollen ruhig auf e-book erscheinen, dann sind sie schneller wieder gelöscht, das spart wertvolle Energie und Rohstoffe. Viele meiner Publikationen eignen sich sowieso nicht für den Bildschirm, da es oft Text-Bildbände, Bücher mit besonderem Papier und entsprechender Haptik sind.

Worum geht es in diesen Büchern?

Es erscheinen rund 15 Bücher im Jahr, begonnen bei regionalen Themen rund um Radebeul, Dresden, Sächsische Schweiz bis zum Erzgebirge über außergewöhnliche Reiseberichte (also nicht nach der Masche: schneller, höher, weiter) bis zu Prosa und Lyrik von regionalen AutorInnen.

Was waren die erfolgreichsten Bücher bisher?

Einen großen überregionalen Erfolg gab es 2010 mit den Büchern von Jan Oelker und Jörg Kuhbandner:  „Transit – Illegal durch die Weiten der Sowjetunion“ und Tommy Lehmann:“Allein auf der Elbe – Tausend Kilometer im Faltboot“. Zahlreiche Zeitungen, Radio- und Fernsehsendungen in ganz Deutschland berichteten darüber. Ein besonderes Zeitdokument und gefragt bei Kennern ist die 2013 begonnene Wiederveröffentlichung der Tagebücher von Hanns Cibulka mit den „Thürunger Tagebüchern“ und 2015 die Wiederöffentlichung seiner „Ostseetagebücher“, in denen er sprachlich großartig und tiefgründig über bis heute brisante soziale, Umwelt- und gesellschaftliche Themen schreibt.

Welche Neuerscheinungen locken zur Leipziger Buchmesse?

In diesem Jahr bin ich zum 13. Mal mit einem eigenen Stand dabei (in Halle 3, Stand E212), mit mehreren neuen Büchern und Lesungen. Darunter Thomas Nitschke: „Alles vollkommen anders – eine Reise durch den indischen Subkontinent“ (19.3., 12.30 Uhr, Leseforum E211 und 20.3., 15 Uhr, Rittergutskirche Kleinliebenau in Leipzig-Schkeuditz) und Ullrich Wannhoff: „Der stille Fluss Kamtschatka – Kajak-Tour durch die Wildnis des Ostens“ (20.3., 12 Uhr, Leseforum E211). Weitere Neuerscheinungen sind zwei Bücher über Dresden: „Dresdner Skizzen“ von Thilo Hänsel und „Lebensart“ – ein Text-Bildband über die Dresdner Neustadt. Außerdem ein neuer Roman, „Der Geflügelte“ von Gerd Künzel, ein Buch mit Geschichten in erzgebirgischer Mundart: „Dreiviertel hunnert klaane Geschichten ausn Arzgebirg“ von Siegfried Schlegel und ein Buch mit deftigen Bergsteiger- und Abenteurergeschichten von Helmut Paul: „Berg(l)erleben – grenzenlos“ sowie das dritte Buch des Fahrlehrers Gert Hoffmann: „Fahrlehrer sind auch keine Engel“.

Wie wird das Verlagsjubiläum gefeiert?

Es wird eine Party „20 Jahre NOTschriften“ geben am 18. Juni, ab 17 Uhr im Schmiedehof der Stadtgalerie Radebeul mit einer Ausstellung aller Buchcovern aus der Verlagsgeschichte, Musik, Speis und Trank. Außerdem erscheint eine Anthologie, in der Texte aus NOTschriften-Büchern versammelt sind, die von Lesern vorgeschlagen werden. Seit Anfang des Jahres kann man beim Verlag (formlos per e-mail, Telefon, Fax) Texte einreichen, die in die Anthologie aufgenommen werden sollen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Kontakt: NOTschriften-Verlag Altkötzschenbroda 40, 01445 Radebeul
Tel./Fax: 0351 – 838 69 89
e-mail: info@notschriften.de
Internet: http://www.notschriften.com

 

 

 

 

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