Bühne frei für Komödien, Konzerte und Musiktheater voller Witz und Leidenschaft in dem urigen alten Kirchgemäuer am Königsbrücker Platz im Hechtviertel.

Geizhälse werden lustvoll entlarvt und Faust rockt in der neuen Spielzeit in der St. Pauli Theaterruine. Unter dem Motto „Der Sommer der Träume“ lockt ab Anfang Mai wieder romantisches und komisch-hintergründiges Sommertheater voller Träumereien, Visionen, Sehnsüchte und Wünsche.
Insgesamt sieben Inszenierungen, darunter zwei Premieren kommen auf die Bühne in dem urigen alten Backsteingemäuer am Königsbrücker Platz im Hechtviertel.

„Es wird wieder eine Mischung aus Bewährtem und Experimentellem zu sehen sein“, sagt Jörg Berger, Regisseur und Vereinsvorsitzender der Theaterruine. Nach dem Ausbau vor drei Jahren mit wetterfestem Glasdach hat sich auch die Akustik verändert, was sprechtechnisch nicht immer leicht ist für die Spieler, da sie im gesamten Gemäuer interagieren und ohne technische Unterstützung auskommen müssen. „Wir sind immer noch in der Kennenlernphase des Raums, was hier sein Zuhause finden will“, so Berger. Für Musiktheater und Konzerte von Bands wie Chören sei er vom Klang gut geeignet. Entsprechend viele finden sich im Spielplan bis Mitte Oktober.

Eröffnet wird die Saison am 6. Mai um 20 Uhr mit der Premiere von „Volpone oder Der Fuchs“, einer Komödie von Ben Jonson, einem Zeitgenossen und Rivalen Shakespeares in einer Bearbeitung von Stefan Zweig. In diesem turbulenten und fabulierfreudigen Stück, so Berger, führt der reiche Kaufmann Volpone mit Hilfe seiner gerissenen Diener die habgierigen Erbschleicher an der Nase herum. Kostüme und Ausstattung sind angelehnt an die Commedia dell`arte und auch etwas skulptural. Als nächstes hat „Faust rockt!“, ein  Schauspiel mit Rockmusik von Manfred Tauchen frei nach Goethes Klassiker „Faust I“ am 4. Juni um 20 Uhr Premiere in der Theaterruine. Erzählt wird über den  alternden Faust, der in Auerbachs Keller sitzt, trinkt und von ewiger Jugend, Frauen und seinem Durchbruch als Dichter träumt. Während Mephisto, genannt „Bubi“ gern ein böser Teufel wäre, was jedoch nicht so einfach ist, da er mit einem zu freundlichen Naturell gesegnet ist. „Dabei gibt es eine Umkehrung aller Figuren in dieser Inszenierung und sie endet auch nicht als Tragödie“, verrät Berger.

Da wird es auf der Bühne eng mit rund 20 Spielern und Chorsängern. Und noch fehlt es an Ausstattung und Bühnenbild für „Faust rockt!“ Doch Berger ist zuversichtlich, dass sich dafür noch eine Lösung findet.

Rund zehn neue Darsteller verstärken seit diesem Jahr das Theaterruinen-Ensemble. Da ist viel Neugier und Lust am Spiel dabei. Anders ginge es auch gar nicht. Denn die Spieler binden sich für drei Jahre an die Theatertruppe. Mit Proben, Aufführungen und nicht selten auch Einlassdienst abends erfordert das auch viel Freizeit. „Es ist auch eine Tankstelle. Man steckt viel Energie hinein, aber bekommt auch viel mit und jede Aufführung entschädigt für alle Mühen durch den Spaß den man zusammen hat“, sagt Karl Weber, ein „Urgestein“ der Theaterruine. Er steht natürlich auch bei den beiden Premieren auf der Bühne, in „Faust rockt“ gibt er den Herrgott im Kampf zwischen Gut und Böse.

Die Spieler werden tatkräftig unterstützt von den Helfern des Vereins mit rund 100 Mitgliedern. Sie kümmern sich um alles selbst vom Bühnenaufbau, Umbau über Schminken bis zu Techniktransporten. Seit dieser Saison hat das Theaterensemble endlich eine Stelle für technische Betreuung.

Immerhin 153 Veranstaltungen mit Vermietung, darunter 99 Theateraufführungen und 28 Gastspiele und Konzerte mit insgesamt rund 10 000 Besuchern fanden letztes Jahr in fünfeinhalb Monaten in der Theaterruine statt. Ein enormer Kraftaufwand für die ehrenamtliche Theatertruppe. Dieses Jahr ist es etwas weniger mit 75 Theateraufführungen. Auch weil der Bedarf in der Sommerzeit nicht so groß ist und die Zuschauernachfrage an Veranstaltungen dann im Herbst wieder wächst.

Bei den vielen Konzert-Gastspielen ist für jeden Geschmack etwas dabei:  Paul Hoorn und Freunde spielen ihr Liederprogramm „Weit von hier – hier vor meiner Tür“ am 22. Mai. Das Musiker-Duo „Café del Mundo“ aus Köln kommt am 30. Juni und die Serkowitzer Volksoper ist vom 11. bis 13. Juli mit ihrem Musiktheater-Stück „Entführung auf dem Jahrmarkt“ zu Gast.

Tickets für die Veranstaltungen in der Theaterruine kosten 15/erm. 10 Euro an der Abendkasse und im Vorverkauf 14/9 Euro. Do ist Theatertag mit ermäßigtem Eintritt.

Theaterbüro: Tel. (0351) 272 14 44, Fax: (0351) 272 14 66
mail: st-pauli@gmx.de

Inszenierungs-Foto: Volpone oder Der Fuchs

Weitere Informationen zum Programm: http://www.theaterruine.de