lara3Kennt Ihr das Spiel „Stille Post“? Man kann so schön flüstern und flunkern dabei. Es ist ein beliebtes Kinder- und Gesellschaftsspiel. Einer sagt dem anderen ein Wort ins Ohr, derjenige dem nächsten und der Letzte in der Runde sagt laut, was bei ihm angekommen ist. Es ist spannend und lustig zugleich, wie viel vom Original noch übrig ist, wie viel oder wenig wahr, haargenau oder ähnlich gehört und weitergegeben wird. Kann man flirtend fluchen, kulant Kuchen versuchen und wann ist ein Versprechen ein Verbrechen? Wird Liebesbeweis zum Liebesverschleiß, ein Schornsteinfeger zum Schwermutjäger, ein Nachtwandler zum Nachtverwandler. Sicherheit zu Schisserleid. Briefverkehr zu Siebverkehr.

Nicht nur die „stille Post“ nimmt überraschend rätselhafte Wege.
Manchmal kommen Worte und Briefe gar nicht an. Obwohl ich das persönliche Schriftstück wohlverwahrt in einem Umschlag mit Briefmarke und ausreichend Porto auf die Reise schickte. In dem Fall eine Geburtstagskarte innerhalb der Familie mit einem übermütig bis zu den Sternen fliegenden Mädchen und den Worten: Träume werden wahr! Doch der Brief erreichte das Mädchen nicht, sondern ging irgendwo unterwegs verloren. Der Umschlag war liebevoll beklebt mit Glückskäfern und Frühlingsblumen. Und ich hatte einen 20 Euro-Schein hineingelegt. Ich verschicke diese Geburtstagsbriefe seit vielen Jahren an beide Kinder, kurz nacheinander. Der eine Woche vorher geschickte Brief mit der gleichen Summe kam an. Wie immer.

Den anderen Geburtstagsbrief brachte ich zu Walpurgisnacht, es war Samstag vormittag, zum Briefkasten gegenüber vom Ballhaus Watzke in Pieschen. Um 11 Uhr sollte die Leerung sein. Vor mir tat ein alter Mann einen Brief hinein und blieb noch eine Weile bedächtig in einiger Entfernung stehen. Hing er in Gedanken noch dem zu Papier Gebrachten, nun Fortgegebenen nach? Konnte er sich schwer davon trennen? Kam sein Brief überhaupt an und wie schwer wog die Antwort für ihn?

Als der letztere Geburtstagsbrief nach fast einer Woche immer noch nicht ankam, rief ich eine Service-Nummer bei der Deutschen Post an und fragte nach. Erstmal hing ich in der Warteschleife und durfte mir Werbeangebote anhören und wie zuverlässig sie ihr anvertraute Sendungen befördere… Als ich von dem nicht angekommenen Brief erzählte, bedauerte der Mann am Telefonhörer dies. Ich müsse jedoch zunächst die Zustellungsfrist von sieben Werktagen abwarten, bevor ich mich an die bundesweite Briefermittlungsstelle der Post wegen einem Nachforschungsauftrag wenden könne.

Doch dies sei wie eine Stecknadel im Heuhaufen suchen. Zumal der Brief nicht als Einschreiben aufgegeben wurde und daher keine Registriernummer hat. Als er von dem Geld im Briefumschlag hörte, sagte er, das würde er nicht empfehlen. Die Post arbeite mit verschiedenen Fremdfirmen zusammen und offensichtlich seien nicht alle der Mitarbeiter ehrlich. Es gebe sogar Leute, die fühlen es, wenn Geld im Briefumschlag sei!

Ich gab zu verstehen, dass mein Vertrauen in die Post ziemlich erschüttert ist und ich mir überlege, ob ich künftig noch Briefe verschicke oder lieber via Internet grüße. Das verstehe er, sagte der Mann, aber der Post insgesamt sei das egal. Schon deswegen wollte ich, dass sie von dem verschollenen Geburtstagsbrief erfahren. Anruf bei der Briefermittlungsstelle am Freitag, dem 13., nachmittag. Der Mann am Telefon notierte sich meine Postleitzahl, Tag und Ort der Briefab- oder besser aufgabe, Absender und Empfänger. Er war kurz angebunden: „Die Leitungen sind voll!“ Warum wohl, überlegte ich. Der Mann von der Briefermittlungsstelle sagte, ich werde schriftlich benachrichtigt über das Ergebnis.

Da bin ich gespannt. Ob dieses Brief-Geheimnis noch gelüftet wird.
Ein nachträglicher Geburtstags-Brief mit glücklicherweise derselben Grußkarte, der Umschlag diesmal unauffällig, schmucklos, nur mit einer aufgemalten lachenden Blume (ohne Geldschein drinnen) kam an bei der Empfängerin. Die Post geht rätselhafte Wege.

Macht was draus.
Bis zum nächsten Mal!

Eure Lara Finesse

P.S.: Übrigens habe ich jetzt, nach drei Monaten, Post von der Post, genauer vom Servicecenter Briefermittlung zu meinem verschollenen Geburtstagsbrief bekommen. Ob sie wirklich solange gesucht haben? Die Antwort klang wenig überraschend: „Leider hat Ihr Nachforschungsauftrag nicht zum gewünschten Erfolg geführt. Ihre Sendung konnte nicht gefunden werden. (wen wundert`s. Wenn vorher jemand schneller war.) Dies bedauern wir sehr und bitten Sie für die Ihnen hierdurch entstandenen Unannehmlichkeiten um Entschuldigung.“ Die Briefe würden heute weitgehend „automatisiert“ versendet, heißt es weiter. Daher könne die Post keine Haftung für den Inhalt von Briefen übernehmen. Hat dann ein Automat versehentlich den Geldschein aus dem Geburtstagsbrief verschluckt und den Rest entsorgt oder wie ??! Das bleibt das Geheimnis der Post.

Advertisements