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Die Künstlerin Petra Graupner vor ihrer Plastik „leicht“ und einer Waldlandschaft von Jörg Mai. Fotos: Lilli Vostry

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Blickwechsel zwischen Farbe und Raum

Das Schöne und Zerbrechliche des Moments zeigen Petra Graupner und Jörg Mai zurzeit in der Sommerausstellung des Radebeuler Kunstvereins in der Stadtgalerie in Altkötzschenbroda.

Filigran, bewegt, farbreich und vieldeutig halten Malerei, Grafik und Plastik von Petra Graupner und Jörg Mai lebhafte Zwiesprache in der diesjährigen Sommerausstellung des Radebeuler Kunstvereins. Ihre „Blickwechsel“ zwischen Farbe und Raum zeigen sie in der gleichnamigen Schau, die am heutigen Freitag abend, um 19.30 Uhr in der Stadtgalerie Radebeul in Altkötzschenbroda 21 eröffnet.

Es ist bereits die 19. Sommerausstellung im 20. Jahr des Bestehens des Radebeuler Kunstvereins. Rund 180 Atelierbesuche fanden schon statt. „Wir laden immer Künstler von auswärts ein, sich mit ihren Werken in unserer jährlichen Ausstellung in der Stadtgalerie Radebeul vorzustellen“, sagt die Vereinsvorsitzende Inge Bielmeier. Letztes Jahr war der Kunstverein bei den in Dresden lebenden Künstlern Petra Graupner und Jörg Mai zu Besuch. Gemeinsam ist ihren Arbeiten das vieldeutig festgehaltene Schwebende, Anmutige, Schöne und Zerbrechliche eines Augenblicks.

„Der Titel ,Blickwechsel` passt für die Plastiken und Bilder, da sie offen gehalten sind, Freiräume lassen und wir betrachten etwas aus verschiedenen Perspektiven“, sagt Petra Graupner. Ihre zart und zeichenreich einander umfließenden Figuren aus weißem Gips und Papier, mit schwarzer Tusche bemalt und die farbigen Zeichnungen auf luftig-weißem Seidenpapier zeigen spontane Momentaufnahmen verschiedener Landschaftsstimmungen, Porträts ihr vertrauter Menschen und tragen oft den Bildtitel  „unterwegs“. Ihr Unterwegssein in der Welt ebenso wie die tägliche Lebensreise spiegelnd. Grafik und Plastik sind ineinander verwoben, aufgebrochen und wirken wie Zeichnungen im Raum und auch in den Zeichnungen gibt es viele Zwischenräume zu entdecken.

In zarten Linienschwüngen und Farbspritzern, die Gesichter und Körperformen oft nur angedeutet, begegnen einem hellbraune „Geschwister“, dunkelhäutige Gestalten und ein Kopf mit Sonnenbrille und roter Nase überlagert von warm leuchtenden Erdfarben. Die Bilder entstanden nach einer Reise der Künstlerin nach Guinea-Bissao im Jahr 1990, wo ihre Tante mit ihrer Familie eine Zeitlang lebte. Ursprünglich wollte Petra Graupner, 1962 im Ostseebad Kühlungsborn geboren, Biologin werden, studierte aber dann doch Kunst zunächst im Abendstudium Malerei und Grafik an der Dresdner Kunsthochschule und danach von 1982 bis `87 an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee, wo sie ein Diplom als Bildhauerin erwarb. Ihre Verbundenheit zu Natur und Tieren spiegeln all ihre Arbeiten. Eine „tanzende Hyäne“ kreist über roten und schwarzen Farbflächen. Ein „Dromedar“ wogt mit langem Hals in sehr aufgelöster Form vorbei und ein „Wüstenschiff“ mit Reiter.

Manchen Figuren wachsen Flügel aus dem Körper, schwerelos und Halt gebend, aber nicht fest stehend auf den Sockeln, sondern im Bewegungsfluss. Geformtes und Zufälliges fließen zusammen. Ein Mädchen aus der Figurenserie „…am fluss“ hält einen Schutzschild oder Fundstück mit Pflanzenabdruck in den Händen. Demgegenüber hängen die Ölbilder mit Eitempera von Jörg Mai in starken Farbkontrasten. Zartgrün getupfte, morgenklare, dunstige und dunkelgrüne Landschaften am Waldsaum mit Wolkenballung und glühend rotem Abendhimmel über blauen Kornfeldern im Erzgebirge und vis a vis dazu eine Ansicht einer riesigen Flammenwolke hinter Bäumen. Hinter dem Bildtitel  „Sonnenuntergang in Altkötzschenbroda“ versteckt sich eine trügerische Idylle eines Mannes inmitten einer wie umgepflügten Flusslandschaft in grellorangenen und braunen Farbtönen.

„Die Landschaft ist für mich faszinierendes Ereignis, Fluchtpunkt, schillernder Sehnsuchtsort und in ihrer Prachtentfaltung, Gnadenlosigkeit und Dramatik ein großes Bühnenstück“, sagt Jörg Mai über seine Malerei. Ihn interessiert dabei die Veränderung des Raumes, die Plastizität durch das Spiel von Licht und Schatten und er setzt sich ebenso mit Umweltthemen wie ihrer Überformung durch uferlose Lebensgier und permanente Kultivierung auseinander in seinen Bildern. Jörg Mai wurde 1966 in Dippoldiswalde geboren und wandte sich nach einer Ausbildung zum Glasbläser intensiv der Kunst zu. Er studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und ist seit 2001 freischaffend in Dresden tätig. Einen Galerierundgang mit den Künstlern gibt es am 31. Juli um 16 Uhr. Die Ausstellung in der Stadtgalerie Radebeul ist noch bis 21. August zu sehen.

Geöffnet: Di., Mi., Do. und So. von 14 – 18 Uhr

Kontakt: Radebeuler Kunstverein e.V., Tel.: (0351) 830 3900

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