Eine Reise zu fantastischen Orten

Besondere Kunst- und Experimentierräume stellt die neue Ausstellung “Poetische Orte – Künstler, ihre Museen und Institutionen“ im Lügenmuseum vor.

Auf einer Staffelei steht eine Serie mit Porträts der berühmten „Mona Lisa“. Auf  jedem Bild schaut und lächelt sie anders. Mit wenigen Pinsel- und Farbstrichen schaffen dies die Malschüler der „Kunstschule Panketal“ von Rose Schulze, einer Berliner Malerin, die sich seit längerem außerdem mit multimedialer Bildsprache beschäftigt. Originelle Gemälde und Postkarten, die von eigenartigen Kreationen und Erfindungen aus Altmetall erzählen, zeigt das Musée de la Curiosité  et de  L`Insolite in Frankreich. Wie aus Alltagsdingen im Nu Kunst wird, führt schmunzelnd auch das D.I.V.O Institute aus Kolin bei Prag mit seinem „Saugfähigen Objekt“ aus bunten Haushaltsschwämmen vor. Sein Betreiber Mark Divo, ein aus Luxemburg stammender Konzeptkünstler und Kurator der Dada-Tradition, entwickelt dort ein lebendiges Museum für internationale Begegnung und Kulturaustausch.

Reich an Kunst und Kuriositäten ist die derzeitige Ausstellung “Poetische Orte –  Künstler, ihre Museen und Institutionen“ im Lügenmuseum im ehemaligen Gasthof Serkowitz. Im historischen Tanzsaal im Obergeschoss wandelt der Besucher von einem fantastischen Ort zum nächsten, jeder eine Welt für sich. Neben den künstlerischen Arbeiten, Objekten, Licht- und Klanginstallationen,  werden die Museen, Künstlerhäuser, Tempel und Kunstprojekte auf Text- und Bildtafeln näher vorgestellt. Die Bandbreite reicht von der Angkrit Gallery, einem thailändischen Restaurant und Kunstort, dem Heilbad a.D. im kargen Paradiso Hohenbüssow über Schloss Batzdorf, Künstlergut Prösitz – Wohn- und Arbeitsort für Künstlerinnen mit Kindern, Kulturinsel Einsiedel, das Sehnsuchtsmuseum einer Leipziger Künstlerin bis zum Untergrundmuseum U144 und einem Museum der unerhörten Dinge in Berlin. Zum Schauen, Wundern und Träumen lädt auch eine Guckkasten-Installation des „Cabinet Fatalia“ der Radebeuler Künstler Stefan und Bärbel Voigt ein.

Insgesamt 22 poetische Orte versammelt die Ausstellung im Lügenmuseum, die ganz im Zeichen der „zeitgenössischen Wunderkammern“ steht. So einzigartig sie sind, gemeinsam ist den Machern ihre Sammellust an entdeckten oder wieder gefundenen Dingen ebenso wie brachliegende, verlassene Räume in lebendige Kunst- und Experimentierorte zu verwandeln.

“Wenn man einen dieser besonderen Orte kennt und lieben gelernt hat, mag man auch die anderen, die auch von besonderen Leuten leben“, sagt Reinhard Zabka, Künstler und Inhaber des Lügenmuseums. Der brasilianische Urbanartist Getúlio Danando mit seinen witzig-skurrilen Skulpturen aus Abfällen war bereits zu Gast beim Radebeuler Herbst- und Weinfest. Einige der Künstler kennt Zabka aus der Landesarbeitsgemeinschaft der Künstlerhäuser, die jedoch letztes Jahr aufgelöst wurde. „Diese Dichte an Künstlerhäusern ist einzigartig in Deutschland, wird aber nicht genug gewürdigt vom Land Sachsen“, so Zabka. Als reisende Ausstellung konzipiert, könne sie auch an verschiedenen Orten gezeigt werden. Gefördert wurde sie von der Stadt Radebeul und der Sparkassenstiftung.

Der Maschinenkünstler Jim Whiting, bekannt durch seinen Erlebnispark Bimbotown in Leipzig, den es leider nicht mehr gibt, will auch noch Objekte für die Ausstellung im Lügenmuseum liefern. Hinzukommen sollen außerdem noch kinetische Objekte, deren Motor kurz vor der Eröffnung ausfiel und die der Künstler Frank Herrmann derzeit repariert.

Die Ausstellung „Poetische Orte“ ist noch bis 1. April 2018 im Lügenmuseum zu sehen. Dazu gibt es auch eine Präsentation der einzelnen Kunstorte auf der Webseite des Fördervereins Kunst der Lüge e.V.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Sa, So, Ferien und Feiertage von 13 – 18 Uhr

Weitere Infos unter http://www.kunst-der-luege.de

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