Kunsthochschul-Absolvent Oskar Staudinger vor seinen Bildern

Ein humorvoller Akt der Selbsterkenntnis

In einer Bilderserie aus neun Tuschezeichnungen betrachtet Oskar Staudinger seine Zeit an der Dresdner Kunsthochschule. Insgesamt 42 Diplomanden zeigen dort derzeit ihre Abschlussarbeiten.

Eine aufreizend nackte Dame serviert auf einem Tablett wie unter einer Dunstglocke die Hochschule samt Zitronenpresse und Musenengel obendrauf. Einen witzig-hintergründigen Blick hinter die Fassade der Kunsthochschul-Welt wirft Absolvent Oskar Staudinger. Als Beobachter mit Hut und hochgeschlagenem Mantelkragen betrachtet er diese in einer Bilderserie aus neun Tuschezeichnungen auf Papier. Zu sehen sind sie in der derzeitigen Diplomausstellung der Hochschule für Bildende Künste auf der Brühlschen Terrasse (noch bis 9. September, Geöffnet: Di bis So 11 – 18 Uhr).

Im Oktogon und in den neun Atelierräumen zeigen 42 Diplomanden des Jahrgangs Bildende Kunst ihre Abschlussarbeiten. Grafik und Malerei sind dabei wieder stärker vertreten als Gegentrend zur digitalen Bilderflut. Ein Hingucker sind die zeichnerisch leichtfüßigen, eigenwilligen und oft schwarzhumorigen Zeichnungen in spannungsreichen Schwarz-Weiß-Kontrasten von Oskar Staudinger. Sie haben alle das gleiche Format ähnlich wie japanische Holzschnitte, zu sehen im Raum 105 im Erdgeschoss der Hochschule. Jedes Bild erzählt eine Geschichte. Die Ideen dazu trug der 28-jährige schon lange mit sich herum, bevor sie nun innerhalb von drei Wochen intensiven Zeichnens aus ihm heraus flossen. Wie das Bild „Einführung“, auf dem eine Kunststudentin wie eine Kellnerin mit der Zitronenpresse als Terrine posiert. Er zeichnete sie nackt, weil die Kunsthochschul-Szene größtenteils wie das Märchen „Kaisers neue Kleider“ sei, sagt Oskar Staudinger. „Sie hat einen Drang, die Klamotten sehen zu wollen. Aber da ist nichts. Wenn man nicht die große, intellektuelle Idee sieht, gilt man als Dummkopf oder Kulturbanause.“

Oskar Staudinger ist als „Opernkind“ aufgewachsen. Sein Vater sang als Tenorsänger an verschiedenen Opernhäusern und der Staatsoperette, der Sohn oft bei den Proben dabei und zeichnete, was er sah. Später skizzierte er heimlich Leute in der Straßenbahn. Oskar Staudinger hat von 2013 bis `018 Malerei und Grafik bei Professor Peter Bömmels studiert. Sein Kunststudium hat Staudinger mit Sehr gut abgeschlossen. Er ist ein großer Fan des Phantastischen Realismus und deren Vertretern Arik Brauer und Ernst Fuchs. Weitere Vorbilder sind Edward Gorey und J.E. Milles. An seine Hochschulzeit denkt Oskar Staudinger mit gemischten Gefühlen.

Gute Kunst lebt bekanntlich von Reibung, echter Auseinandersetzung mit den Werken. Stattdessen seien gleich zu Studienbeginn Leinwände von ihm beschädigt worden, erzählt Staudinger. Dann ging das Gerücht um, er sei „Fascho“, nachdem er einmal Pegida parodierte in einer Ausstellung, was aber offenbar nicht eindeutig erkannt wurde. „Man redet von Toleranz. Meint aber nur die Leute, die die eigene Meinung haben“, so Staudinger. Darauf nimmt er ironisch Bezug in den zwei Bildern „Allegorie des christlichen Abendlandes“ und „Das Gespenst“, das eine schwarz verhüllte muslimische Frau zeigt. Und im letzten Blatt Staudinger selbst nackt mit Diplom oder Spiegel in einem „Akt der Selbsterkenntnis“. Dem freien Künstlerdasein sieht er zuversichtlich entgegen.

Zwei seiner Tuschezeichnungen aus der Diplomausstellung tragen bereits rote Punkte und sind verkauft. Darunter das Bild der nackten Kunstkellnerin mit Zitronenpresse. Gefragt ist außerdem das schwarzhumorige Bildmotiv mit der Katze, die auf die Schuhe eines Erhängten blickt. Oskar  Staudinger zeichnet auch, um dunkle Erinnerungen und Situationen im Leben loszuwerden. Den Teddy mit den Haifischzähnen, aber in farbiger Fassung, bestellte der Chefarzt einer Münchner Krebsklinik bei ihm, nachdem er ihn im Herbst letzten Jahres in der ersten Einzelausstellung Staudingers im Kabarett-Theater „Breschke & Schuch“ sah. Zwei Drittel der Arbeiten dort seien inzwischen verkauft, freut sich der frisch diplomierte Künstler.

Im „Sommersalon“ der Galerie Kunst & Eros, der ab Freitag offensteht, sind auch Arbeiten von Oskar Staudinger zu sehen. Einen Auftrag für eine Buch-Illustration, „Joseph und seine Brüder“ von Thomas Mann hat der junge Künstler auch schon. Außerdem zeigt er originelle Zeichnungen zu Buchklassikern unter dem Titel „Bilders Best“ im Buchladen „Büchers Best“ in der Neustadt noch bis September.

Text + Fotos (lv)

Mehr zum Künstler:

http://www.oskarstaudinger.com

Siehe auch den Text: „In fernem Land – Malerei und Tuschezeichnungen von Oskar Staudinger im Kabarett Breschke & Schuch“ auf http://www.meinwortgarten.com

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