Freude über den Neubeginn: Michael Meinel, ehemaliger Schüler von Ralf Herzog, leitet jetzt den Mimenstudio Dresden e.V. Der Altmeister der Pantomimekunst ist weiter ehrenamtlich als Lehrer und künstlerischer Berater mit an Bord.

Pantomime hat viele Gesichter

Viele Jahre war Dresden eine Hochburg der vielsagenden Kunst der Körpersprache im Osten. Der Mimenstudio Dresden e.V. setzt die Tradition fort mit neuen Angeboten. Im November lockt zudem das 36. Internationale PantomineTheaterFestival.

Gute Nachricht für Freunde der großen Kunst ohne Worte: Die Tradition der Dresdner Pantomimeschule geht weiter. Nach einjährigen Pause zur Neuorientierung wagt der Mimenstudio Dresden e.V. einen Neubeginn. Unter dem Vorsitz von Michael Meinel, einem ehemaligen Schüler von Ralf Herzog, bietet der Verein wieder Pantomimekurse an, er organisiert einen Workshop im März und wird auch das 36. Internationale PantomimeTheaterFestival Dresden im November ausrichten. Auch Ralf Herzog, der Begründer der Dresdner Pantomimeschule, ist ehrenamtlich als Lehrer und Künstlerischer Berater mit an Bord.

Ralf Herzog war Gründer und langjähriger Vorsitzender des Mimenstudio Dresden e.V. Im August 2018 hatte er das Ende der Mimenbühne und der Ensemblearbeit verkündet. Das Ensemble zog aus der damaligen Spielstätte aus, und auch der Mimenstudio Dresden e.V. als Träger der Mimenbühne stand kurz vor seiner Auflösung.
„Die Kraft ist zu Ende, die Finanzen sind es auch“, begründete Ralf Herzog damals die Entscheidung. „Wir haben lange gekämpft und ziehen nun das Fazit: Eine eigene Spielstätte ohne Förderung ist für uns als Verein auf Dauer nicht zu stemmen.“ Dass er seine Kräfte auch deshalb einteilen musste, weil er seine Frau pflegte, wussten nur enge Freunde. Vor diesem Hintergrund wurde Micheal Meinel, ein ehemaliger Schüler von Ralf Herzog, aktiv. Er wurde von 1994 bis 2000 durch Ralf Herzog unterrichtet und hat in der Zeit auch Kinder- und Erwachsenenkurse gegeben.

„Die Dresdner Pantomimeschule hat international einen großartigen Ruf“, erklärt Michael Meinel. „Die nonverbale Improvisationskunst von Ralf Herzog und seine
Workshops beim Pantomimefestival zogen jedes Jahr Künstler aus der ganzen Welt nach Dresden. Diese über 40-jährige Tradition muss weitergehen. Daher wird es wieder Training und Kurse geben, in denen wir gemeinsam mit Ralf Herzog Erfahrungen weitergeben und das Genre beleben wollen.“

Jede Woche findet mindestens ein Pantomime-Training statt. Das Konzept des Mimenstudio Dresden e.V. wurde neu ausgerichtet, neue Mitstreiter gefunden
und bewährte Partner integriert. Derzeit gibt es jeden Dienstag von 18.30 Uhr bis 20.30 Uhr im Projekttheater auf der Louisenstraße einen offenen Pantomimekurs, zu dem Interessenten ab 18 Jahren jederzeit willkommen sind. In Kürze ist eine weitere Trainingszeit an anderem Ort geplant. Die Teilnahmegebühr am Kurs beträgt momentan 10 Euro pro Monat. Mitglieder des Mimenstudio Dresden e.V. zahlen derzeit 5 Euro zusätzlich zum Vereinsbeitrag von 5 Euro pro Monat.

„Unser Verein ist ebenso offen für unser Publikum, für Freunde der Pantomime, die das Genre unterstützen möchten“, betont Michael Meinel. „Daher werben wir aktiv um Mitglieder und Sponsoren. Auch sie zahlen 5 Euro pro Monat oder einen Betrag, den sie selbst bestimmen können.“

Eine finanzielle Unterstützung benötigt der Verein 2020 für zwei Projekte: Workshop für Mimen, Tänzer und Schauspieler im März. Im März 2020 findet im Theaterhaus Rudi ein Workshop statt, der sich nicht nur an Pantomimen, sondern auch an Tänzer, Schauspieler und Artisten richtet. Ob Amateur oder Profi – hier können Menschen mit Lust am Bewegungstheater ihre Stilmittel erweitern.

36. Internationales PantomimeTheaterFestival vom 12.- 15. November 2020

Der Workshop soll bei den Dresdner Mimen auch die Grundlage legen für eine neue Inszenierung, die beim 36. Pantomimefestival Premiere hat. Sie ist der Beginn eines neuen Dresdner Ensembles. Das Festival findet vom 12. bis 15.11.2020 statt. „Durch die kompakte Verbindung von Vorstellungen und Workshops wird das Festival wie zuletzt 2018 wieder den Charakter eines internationalen Genre-Treffens mit wunderbar familiärem Ambiente bekommen“, erklärt Michael Meinel. „Es gibt unzählige Beispiele, wie sich die „Kunst ohne Worte“ dank des Zusammentreffens der Künstler weiterentwickelt hat. Darauf freuen wir uns heute schon.“

Zur Finanzierung von Workshop und Festival hat der Verein eine erste Förderzusage von der Dresdner Stiftung Kunst & Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden (OSD) über 3 500 Euro bekommen. Jan Klemmer, Referenz Sponsoring der OSD, erklärt: „Die Pantomimeschule gehört seit über 40 Jahren fest zur Kulturlandschaft in unserer Landeshauptstadt. Wir haben sie oft bei Veranstaltungen als Förderer begleitet. Gerade in diesem Jahr war uns die Förderung wichtig, auch um ein Zeichen zu setzen, dass wir uns eine Kulturszene in Dresden ohne sie nicht vorstellen können und wollen.“

„Über die Unterstützung durch die Stiftung freuen wir uns sehr“, erklärt Michael Meinel. „Sie ist ein erster Schritt, um das Festival zu planen. Ohne finanzielle Förderung wäre es auch in der Vergangenheit nicht möglich gewesen, internationale Künstler nach Dresden einzuladen. Nun hoffen wir ebenfalls auf eine Zusage durch Stadt und Land. Die Anträge sind eingereicht.“

Ralf Herzog ist über die Aufbruchsstimmung im Verein sehr glücklich: „Innerhalb von 40 Jahren hat sich die Pantomime zu einer Kunst mit vielen Einflüssen und Facetten entwickelt. Sie ist zugleich die Basis aller darstellenden Künste. Jeder von uns beherrscht sie mehr oder weniger gut in seiner Körpersprache. Sich damit auseinanderzusetzen ist eine spannende Aufgabe und ich bin sehr froh, dass ich meine Erfahrungen beisteuern kann. Vielen Dank an die neue Mannschaft für den Elan und die Lust wieder anzufangen, ich bin dabei!“

Wer sich für die Pantomimekurse oder den Workshop interessiert oder den Verein durch eine Mitgliedschaft oder eine Spende unterstützen möchte, meldet sich unter info@mimedresden.de
http://www.mimedresden.de

Der neue Vereinsvorsitzende des Mimenstudio Dresden e.V.

Michael Meinel wurde in Meißen geboren, wuchs in Radebeul auf und lebt seit seinem Studium an der TU Dresden in Dresden. Von 1994 bis 2000 war er Schüler der Pantomimeschule von Ralf Herzog. Darüber hinaus besuchte er zahlreiche internationale Workshops. Beim Mimenstudio trainierte er die Kindergruppe und betreute ebenfalls Kurse für Erwachsene. Sein Ingenieurberuf führte ihn einige Zeit ins
Ausland. Nach seiner Rückkehr war er viele Jahre bei der Chorbühne Tritonus aktiv, wo neben dem Gesang auch szenisches Spiel gefragt ist.

Historie des Mimenstudio Dresden e.V.

Der Verein Mimenstudio Dresden e. V. war Träger der Mimenbühne und Organisator des Spielbetriebs. Er wurde 1999 von Ralf Herzog gegründet. Die Mimenbühne Dresden gab es bereits seit 1992. Sie war eine der wenigen Pantomime-Bühnen in Deutschland mit eigener Spielstätte. Zum Ensemble gehörten rund zehn Darsteller – eine Seltenheit in der heutigen Zeit, in der der Solo- und Duo-Darbietungen
dominieren. Etwa 40 Vorstellungen stemmte das Ensemble pro Jahr.
Für die Vereinsmitglieder ist die Pantomime ein Hobby neben ihrer Berufstätigkeit. Sie zahlen Mitgliedsbeiträge. Während des Spielbetriebes spendeten sie die Einnahmen aus Ticketverkäufen an den Verein, der daraus Miete, Techniker und Nebenkosten finanzierte.
Der damalige Vereinsvorsitzender Ralf Herzog fungierte als Intendant und künstlerischer Leiter und unterrichtete die Mitglieder ehrenamtlich im Handwerk
der Pantomime. Rund 20 eigene Inszenierungen hatte das Ensemble unter seiner Leitung erarbeitet, z.B. das nonverbale Maskentheater-Stück „Restaurant Fatal“ oder die Oper ohne Worte „Die Zauberflöte“. Neben den Inszenierungen am eigenen Haus leistete das Ensemble unzählige kulturelle Beiträge in und für Dresden, zum Beispiel beim Elbhangfest, beim Stadtfest, in der Reihe der Dresdner Schülerkonzerte
oder im Rahmen der Theaternacht.
Ein Vorläufer des Vereins und der Dresdner Pantomimeschule war das Pantomimestudio, das 1982 gemeinsam mit dem Volkskunstpodium das renommierte Internationale Pantomimefestival Dresden ins Leben rief.

Dieses findet November 2020 zum 36. Mal statt und wird wieder durch den Mimenstudio Dresden e.V. organisiert. Die Kunst des nonverbalen Improvisationstheaters unter Leitung von Ralf Herzog ist eine besondere Kompetenz der Dresdner Pantomimeschule und wird international sehr geschätzt. Herzogs Workshops zur Improvisation sind für viele Festivalteilnehmer ein ausschlaggebender
Grund, nach Dresden zu kommen. Die Mimenbühne und Verein hatten viele Höhen und Tiefen erlebt und sind mehrfach umgezogen. Aufgrund eines Brandes wechselten sie 2004 aus dem Stadtteilhaus Neustadt auf der Prießnitzstraße in das Haus des Theaters Wechselbad auf die Maternistraße. Im Jahr 2014 mussten sich die Pantomimen wieder eine neue Spielstätte suchen und fanden sie in einer Bühnengemeinschaft mit dem August Theater. Im August 2018 stellte der Verein den Spielbetrieb ein und
löste das Ensemble der Mimenbühne auf. Der Mimenstudio Dresden e.V. führt nun die Tradition der Dresdner Pantomimeschule fort.

Text + Fotos: Sabine Mutschke

Kontakt:

Mimenstudio Dresden e.V.
Vorsitzender: Michael Meinel
Ruf: +49 (0) 151 55 61 98 99
Mail: info@mimedresden.de