Mit Pinsel und Zeichenstift im Fortbotanischen Garten Tharandt unterwegs: Teilnehmer eines Plenairs mit der Initiatorin des Kunstprojekts Michele Cyranka (im Bild 2. von re.) Fotos: Veranstalter

Auf farbreich verschlungenen Wegen bei den Faunen

Bei einem Plenair im Forstbotanischen Garten entstandene Arbeiten zeigt zurzeit eine Ausstellung in der Galerie der Kuppelhalle Tharandt.

Auf weißen Papierfahnen erblühen florale Formen, gemischt mit Abdrücken von kreiselnden, fallenden Blättern. Pinselschwünge, Farbspuren und Tupfen in erdigen Farben, ocker, blau und leuchtendem gelb treffen auf rankendes Grün im Gewächshaus. Eindrucksvoll wird hier das lebhafte Zusammenspiel von Natur und Kunst, Werden und Vergehen sichtbar. Es ist eine Gemeinschaftsarbeit von Teilnehmern eines Plenairs im Forstbotanischen Garten Tharandt. Im September fand das Kunstprojekt statt. Initiatorin ist die in Tharandt lebende Künstlerin Michele Cyranka.

„Das Plenair bot eine wunderbare Möglichkeit, sich im Angesicht botanischer Besonderheiten und im Auf und Ab der Wege in die Natur einzufühlen und aus unmittelbarem Erleben eine eigene Bildsprache zu entwickeln“, sagt Michele Cyranka. Seit 1992 arbeitet sie freischaffend als Künstlerin und möchte ihre Erfahrungen und eigene Freude am Entstehen der Werke an andere Interessierte weitergeben. Am Plenair nahmen sowohl gestandene Künstlerinnen und Künstler als auch nicht im Künstlerberuf Tätige teil. Die Ergebnisse sind derzeit in einer Ausstellung mit dem Titel „Bei den Faunen zu Gast“ in der Galerie der Kuppelhalle Tharandt zu sehen.

Der Faun ist ein gehörnter und bocksfüßiger, altrömischer Flur- und Waldgott, später Waldgeist, der in der Kunst und Literatur vor allem ungehemmte Lebenslust verkörpert. Auf dessen Spuren begaben sich, umher schweifend, malend und zeichnend die sechs Plenair-Teilnehmer eine Woche lang im Forstgarten in Tharandt. Entstanden sind in Ausdruck und Intensität ganz unterschiedliche Naturbilder, die mit Bleistift, Kohlekreide, farbiger Tusche und Aquarellfarben auf Papier und Leinwand festgehalten nun in der Ausstellung versammelt sind. Als Malmotive dienten einzelne Baumstämme und Baumgruppen, Blicke in die Wipfel und ins Unterholz, verträumte und versteckte Plätze und Aussichtspunkte mit weiter Sicht auf die bergige Landschaft und ins Tal. Die Bilder sind mal naturalistisch, konkret und abstrahiert, fantasievoll verwandelt. Oft wiederkehrende Malmotive wie Birken und ein aus Eibenhecken gepflanztes Labyrinth erscheinen aus verschiedenen Perspektiven, in mal zarten und kräftigen Farbtönen gesehen.

In einer farbigen Tuschezeichnung von Michele Cyranka steht eine Frau mit wehendem Haar vor den verschlungenen Wegen des Labyrinths und überlegt, welchen gehen. Mal wiegen sich die Bäume bei ihr wie im Tanz, mal ähneln sie windschiefen, aber unverzagten Gestalten und ranken die Zweige wie ein Tor, durch das sie geht. Ins „Hochwaldrevier“ und ans Labyrinth führt Mechthild Mansel den Betrachter in ihren mal klaren, mal geheimnisvoll verästelten Kohlezeichnungen. Außerdem zeigt sie einen Blick „Aus der Liebeslaube“, einem Holzunterstand mit schöner Aussicht. Angelika Jost hat „Feenbäume“ im Forstgarten gefunden und sie zeichnete einen gedrehten Stamm.
Michael Klose hat stimmungsvoll Nadelbäume mit Sonnensprenkeln und lauschig grüne Winkel in seinen Aquarellen festgehalten. Und ein Bild mit „Cotta-Blick“ dem einstigen Forstmeister und Mitdirektor der Forsthochschule Tharandt gewidmet.

Eine Baumwurzel und gefällte Baumstämme zeichnete Friedhelm Müller. Und leuchtend grüne und welke Blätter im Sonnenlicht. Kerstin Stephan zeigt zwei zusammengewachsene Birkenstämme detailliert mit Bleistift gezeichnet und in kühl blauen und violetten Farbtönen die „Rosentreppe“.

Die Ausstellung „Bei den Faunen zu Gast“ ist noch bis 9. November in der Galerie der Kuppelhalle in Tharandt zu sehen, die gleichzeitig Neugier weckt auf einen Ausflug in den Forstbotanischen Garten.

Text (lv)

Öffnungszeiten: Mo – Do 13 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung sowie zu den
Veranstaltungen.

Stimmungsvolle Aquarelle von Michael Klose
Auf den Spuren des Fauns & am Labyrinth im Forstgarten: farbige Tuschezeichnungen von Michele Cyranka.

„Ins Hochwaldrevier“ und zum Labyrinth zwischen Bäumen führt Mechthild Mansel in ihren Kohlezeichnungen den Betrachter.
Gemeinsames Naturerlebnis miteinander, in eigener Bildsprache festgehalten: Die Teilnehmer des Plenairs im Forstbotanischen Garten mit Initiatorin Michele Cyranka (im Bild vorn 3. von re.) Foto: Veranstalter