Von der Geheimnissen des Lebens & der Liebe erzählt die Ausstellung „Venustempel“ in der Galerie Kunst & Eros in Dresden. Im Bild die Galeristin Janett Noack und der Künstler Juan Miguel Restrepo Valdes vor seinen neuesten Werken.

Im Reich der Liebesgöttin

Lebenslust, Poesie, Genuss und Melancholie mischen sich in der Malerei von Juan Miguel Restrepo Valdes. Neue Arbeiten von ihm sind zurzeit in der Ausstellung „Venustempel“ in der Galerie Kunst & Eros zu sehen.

Eine Frau zieht verführerisch einen Seidenstrumpf aus vor tiefblauem Hintergrund. Ins Reich der Liebesgöttin Venus entführt die Ausstellung „Venustempel“ mit Malerei, Zeichnungen und Druckgrafik des kolumbianischen, in Dresden lebenden Künstlers Juan Miguel Restrepo Valdes in der Galerie Kunst & Eros auf der Hauptstraße 15 in Dresden (noch bis 19. November zu sehen).

Zu sehen sind figürlich konkrete Malerei, Zeichnungen und Druckgrafiken aus dem Zeitraum von 2019 bis 2022, die von den Geheimnissen des Lebens, von Träumen und den Gaben der Nacht erzählen in südlich leuchtenden und kühlen Farbtönen. Gegenüber dem Eingang steht ein hell schimmerndes, lebensgroßes Aktbild, ein nachtschwarzer Umhang umfließt den Körper, teils verschlingt ihn das Dunkel. Es zeigt die griechische Dichterin Sappho. Da sieht man in weiteren Arbeiten Frauengesichter mit Blick nach innen, Frauenkörper mal verlockend sinnlich und zurückgezogen. Vor dem Kamin steht mit dem Rücken zum Betrachter eine „schüchterne Flamme“ und es schwebt eine „verlorene Liebkosung“ im Raum, dargestellt in einer blauen Aquatinta auf Bütten. Im zweiteiligen Titelbild der Ausstellung sind Venus, die Göttin der Liebe, deren Gesicht den Menschen verborgen bleibt, und drei Frauen vor einem Tempel zu sehen. „Es ist ein Sinnbild, eine Alegorie auf das Leben, die Liebe und Beziehungen. Das Mädchen das neugierig, erwartungsvoll in die Zukunft schaut, die reife, wissende und die ältere, nachdenkliche Frau“, sagt Restrepo.

Schönheit, Sinnlichkeit, Verderben und Tod liegen in seinen Bildern nah beieinander. Wie im großformatigen Ölbild „Magdalena“, der schönen Sünderin mit langem Haar in weißem Kleid, die einen Totenschädel auf dem Schoß hält. In einem Aquarell  ragt der Totenschädel zwischen ihren Schenkeln hervor. Seine Bilder sind offen, vieldeutig, auch provozierend, weiß der Künstler. Manchmal wirken sie auch etwas vordergründig plakativ. In der Malweise erinnern seine Werke oft an Gemälde Alter Meister und zugleich seine Bildwelten heutig, die er mit ihren schwarzen Hintergründen, hell schimmernden Körperformen und madonnenhaften Gesichtszügen, fließendem Haar und raffinierte Details in die Gegenwart geholt. Nach seinem Kunststudium an der Universität in Marburg von 2011 bis 2014 und dem Umzug nach Dresden beschäftigte sich Restrepo viel mit der Neuinterpretation der Gemälde und Bildmotive Alter Meister, die er aus eigenem, reizvollem Blickwinkel zeigt. Künstler der Renaissance und Barockzeit wie Holbein regen ihn ebenso an wie Otto Dix, die italienischen Maler Carravagio und Velasquez und die zeitgenössischen Künstler der Leipziger Schule mit ihrer Neuen Sachlichkeit und den klaren Formen sind Restrepo auch nahe.

In seinen Bildern mischen sich eindrucksvoll Lebenslust, Poesie, Genuss und Melancholie. Das kurz vor der Ausstellung fertig gewordene Bild „Opfergabe der Nacht“ zeigt eine Frau über ein Weinglas gebeugt, in dem sich das Morgenlicht spiegelt, Nüsse, Schalen und ein Apfel daliegen und ein Rabe gebannt aus dem Bild schaut und der Betrachter darf rätseln, was er sieht. Den Bildtitel sieht Restrepo mit leiser Ironie. Auf spanisch bedeutet das Wort „Ofrenda“ eigentlich Geschenk. „Es ist ein freiwilliges, genussvolles Opfer an die Nacht, das man  auf sich nimmt“, sagt er schmunzelnd. Im Kontrast zur Nachtschwärze gibt es am unteren Bildrand eine farbenfrohe Fantasielandschaft. Angeregt von einem griechischen Fußbodenmuster. Restrepo sammelt Mosaike, die mit ihren zauberhaften Formen in seine opulenten Bildwelten einfließen.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Mo bis Sa 11 bis 15 Uhr

http://www.kunstunderos.de