Lichtvolle Kraft der Musik

Kerzen und Bläserklänge funkelten bei der „Bläserweihnacht“ mit Ludwig Güttler und seinem Blechbläserensemble in der St. Marienkirche in Pirna. Mit den beiden Konzerten verabschiedete der Startrompeter sich zugleich vom Festival Sandstein und Musik.

Die Kerzen am Adventskranz vorm Altar und beidseits der Zuschauerreihen funkelten mit den lichtvollen, tröstenden, wärmenden, hoffnungsfrohen und kraftvollen Klängen bei der „Bläserweihnacht“ mit Ludwig Güttler und seinem Blechbläserensemble am Sonnabend in der St. Marienkirche in Pirna.
    Nahezu ausverkauft waren die 1 200 Plätze beim Abschlusskonzert des 30. Festivals Sandstein und Musik unter dem Motto „Saat und Ernte“. Mit den beiden Konzerten am zweiten Advents-Wochenende in dem prachtvollen Kirchenbau gab der Startrompeter und langjährige künstlerische Leiter von Sandstein und Musik gleichzeitig seinen Abschied von der Festivalbühne. Im kommenden Jahr wird er 80. Güttler kam mit Gehhilfe und in der anderen Hand seine Trompete haltend herein unter herzlichem Beifall des Publikums. Etliche Musikfreunde zückten in der Pause ihre Handys für ein Erinnerungsfoto mit dem namhaften Musiker, der ruhig und gelassen auf seinem Stuhl saß und in den Partituren blätterte.

Gemeinsam im Halbrund sitzend, musizierten Güttler und sein Ensemble mit Bravour und Hingabe eine faszinierende Mischung aus bekannten und selten gespielten Liedern und Chorälen zur Weihnachtszeit aus verschiedenen Jahrhunderten und unterschiedlichen Blickwinkeln. Zu hören waren helle, klare, feierlich erhabene, beschwingte und zart besinnliche Stücke, gegliedert in mehrsätzige, geschlossene Abschnitte (Partiten) für Blechbläser, Posaunen und aufrüttelnde, unruhevolle Paukenschläge. Begonnen bei Musik der Renaissancezeit von Pietro Torri, Wilhelm Friedemann Bach, Johann Crüger, Antonio Vivaldi, Johann Sebastian Bach über Variationen zu „Tochter Zion“ von Ludwig van Beethoven und Georg Friedrich Händel bis zu „Es ist ein Ros entsprungen“ von Michael Praetorius, einem der bekanntesten Weihnachtslieder als Höhepunkt des Konzerts. Zuerst als Sinfonia für Solotrompete und vier Posaunen gefühlvoll gespielt, bewegte Güttler das Publikum zum Mitsingen, das aufstand und gemeinsam von dem Blümlein sang, das mit seinem hellen Schein die Finsternis vertreibt.

Reichlich Beifall und Blumen gab es zum Schluss für das Konzert und Lebenswerk von Ludwig Güttler. „Es ist erstaunlich, was er leistet. Nicht nur mit seiner Musik, sondern auch seinem Einsatz für den Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden. Früher war es schwer, Karten für Konzerte mit Güttler zu bekommen“, sagt ein 82-jähriger Mann aus Berggießhübel begeistert vom Abschiedskonzert in der Marienkirche. Inzwischen hat er mehrere Kassetten und CD`s mit weihnachtlicher Bläsermusik von Ludwig Güttler zuhause. Am Kirchenausgang konnten die Konzertbesucher in einen Instrumentenkoffer Geld spenden für die Förderung des Musikernachwuchses. Der Ticketverkauf für das Festival Sandstein und Musik im nächsten Jahr (vom 25. März bis 10. Dezember 2023) unter dem Motto „Im Fluss“  startete am 19. Dezember laut Veranstalter. 

Text + Fotos (lv)

http://www.sandstein-musik.de