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Kategorien-Archiv: Aktuelles

Die Galerie Himmel verlängert die Ausstellung „Paragone“ mit Malerei von Johannes Heisig & Plastik von Sylvia Hagen

28 Dienstag Apr 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst

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Kunstgenuss mit Maske in Corona-Zeiten: Inhaber Michael Böhlitz vor dem Titelbild  „Waterloo Sunset“ von Johannes Heisig in der Galerie Himmel. Kraftvoll und zerbrechlich zugleich sind auch die Plastiken von Sylvia Hagen in der derzeitigen Ausstellung „Paragone“.

„Apokalyptischer Reiter“, 2016/17, Terrakotta, engobiert von Sylvia Hagen
„Aprilwetter“, 2016 & „Neujahrsspaziergang“, 2020, Öl auf Leinwand von Johannes Heisig und figürliche Plastiken von Sylvia Hagen.
„Fischgericht“, 2018/19 von Johannes Heisig und „Ach, Glück“, 2013 von Sylvia Hagen.

„Blick nach St. Maximin“, 2016 von Johannes Heisig.

Frühlingsfrische Landschaften und apokalyptische Reiter

Nach reichlich vier Wochen Schließung wegen der Corona-Krise hat die Galerie Himmel am Obergraben 8 wieder geöffnet. Schönheit und Abgründe der heutigen Welt spiegeln figürliche Arbeiten, Landschaften und Stillleben von Johannes Heisig und ausdrucksreiche Plastiken von Sylvia Hagen noch bis 9. Mai.

Aus dunkler Häuserkulisse vor untergehender Sonne stürzt eine Taube. Gesichter tauchen schemenhaft auf. Eine Frau in schwarzem Kleid liegt puppenhaft auf rotem Tuch inmitten von Trümmern. Davor hält der Maler das bizarre Weltszenario auf der Leinwand fest. „Waterloo Sunset“ heißt dieses Gemälde von Johannes Heisig, das 2019 entstand. Es scheint die derzeitige Krise vorwegzunehmen. Nun wurde die Ausstellung „Paragone“ mit Malerei von einem der bekanntesten ostdeutschen Künstler und Plastiken von Sylvia Hagen in der Galerie Himmel am Obergraben 8 im Barockviertel bis 9. Mai verlängert.

Gezeigt werden 35 Werke, die vielschichtig in expressiv lodernden Farbtönen die Schönheit, Brüchigkeit und Verletzlichkeit der Natur und des Lebens widerspiegeln. Dabei treten die Bilder mit den Bronze- und Terrakottaplastiken in einen spannungsreichen Dialog. Eine frühlingsfrische Landschaft trifft auf Wellenreiter und Apokalyptische Reiter, der aufgeschnittene große Fisch auf dem Teller auf eine Bilderserie, „Requiem für eine Hornisse“, rote Amaryllis leuchten neben dem Herbstfeuer und einem davor sich wärmenden Paar.

„Geplant war als Highlight der Ausstellung am 13. April ein Kunstgespräch zwischen dem Schriftsteller Volker Braun, von dem auch ein Porträt zu sehen ist, dem Maler Johannes Heisig und der Bildhauerin Sylvia Hagen, welches wir absagen mussten wegen der Corona-Krise. Das ist verloren, unwiederbringlich“, sagt Michael Böhlitz, Kunstwissenschaftler und Inhaber der Galerie. Diese führt er zusammen mit seiner Frau Anja Himmel seit 2014. Nach reichlich vier Wochen Schließung hat die Galerie Himmel jetzt wieder geöffnet wie andere Läden bis 800 Quadratmeter Größe unter Beachtung der erforderlichen Hygienemaßnahmen. Michael Böhlitz trägt hellblauen Mund- und Nasenschutz, den die Designerin Dorothea Michalk vom Modegeschäft um die Ecke nähte. Musik klingt einladend aus der Galerie nach draußen. Die Tür steht offen, damit Besucher die Klinke nicht anfassen müssen und mit Gesichtsschutz ausgestattet die Kunst betrachten können. Im weiten Oberlichtsaal stehen auf dem Grafiktisch zwei Flaschen Desinfektionsspray, den man in die Hände verreiben kann, um in den Künstlerkatalogen zu blättern.

Drei Besucher sehen sich gerade in der Ausstellung um. Eine ältere Frau ist begeistert von den Plastiken. Zwei Männer unterhalten sich lebhaft vor Heisigs Bildern. Im Kabinett sind derzeit außerdem unter dem Titel „Hintereis“ alpine Landschaften des jungen Berliner Künstlers Konrad Henker zu sehen. „Die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise merken wir schon seit Jahresbeginn durch Umsatzeinbrüche“, so Böhlitz. Zwei Galeriemitarbeiter sind bereits in Kurzarbeit. Er glaubt aber nicht, dass die derzeitige Corona- Pandemie zu einem Preisverfall der Kunst führt.

„Solange wir mit lebenden Künstlern zusammenarbeiten, ist nach unten außerdem eine preisliche Grenze festgelegt. Wir setzen auf den Wert und die Qualität der Kunst.“ Die einzige Einnahmequelle sei zurzeit der Shop der Galerie Himmel, der eine große Bandbreite mit über 10 000 Grafiken und Zeichnungen von der Renaissance über klassische moderne bis zu zeitgenössischer Kunst für Kunstliebhaber bereithält. „Wichtig für den Galeriebetrieb sind jedoch vor allem die Ausstellungseröffnungen und persönlichen Begegnungen, bei denen Interesse für die künstlerischen Arbeiten geweckt wird“, sagt Galerieinhaber Michael Böhlitz.

Nun heißt es abwarten, ob die Einschränkungen für Veranstaltungen nach dem 4. Mai weiter gelockert werden. Eventuell eine begrenzte Personenzahl nach und nach in die Galerie kann. Die nächste Ausstellung zum 80. Geburtstag des Dresdner Künstlers Klaus Drechsler mit dem Titel „Vita brevis“ (übers.: Das Leben ist kurz) sollte eigentlich Anfang April eröffnen. Katalog und Einladungskarten liegen druckfrisch bereit. In weiteren Ausstellungen will die Galerie Himmel noch dieses Jahr Werke von Max Schwimmer und Andreas Wachter zeigen.

Text + Fotos (lv)

Öffnungszeiten der Galerie Himmel:
Mo – Fr 10 – 18 Uhr, Sa 10 – 16 Uhr

http://www.galerie-himmel.de


„Halfpipe“, 2016 von Johannes Heisg und „Wellenreiter“, 2019, Bronze, von Sylvia Hagen.

„Herbstzweige“, 2018 von Johannes Heisig und „Uns neu zu gründen – Porträt Volker Braun“, 2018

„Amaryllis II“, 2020 von Johannes Heisig.

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Kleine Spielstätten kämpfen um`s Überleben in der Corona-Krise

23 Donnerstag Apr 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Kultur, Theater

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Märchenzauber: „Aladin und die Wunderlampe“


Spaß & Fantasie für kleine und große Zuschauer: Puppenspielerin Hella Müller & „Das tapfere Schneiderlein“ im mai hof puppentheater. Fotos: privat

Gutscheine, Humor und Fantasie
helfen zu überleben

Seit reichlich vier Wochen sind nun Theater und andere Kultureinrichtungen wegen der Corona-Krise geschlossen. Keine Besucher, keine Einnahmen. Davon betroffen sind auch das „mai hof Puppentheater“ in Dresden-Weissig, Hoppes Hoftheater ebenfalls in Weissig und der Dresdner Friedrichstatt palast (ehemals Kabraett-Theater Breschke & Schuch) am Wettiner Platz in Dresden.

Vor allem kleine, private Spielstätten kämpfen deswegen derzeit um`s Überleben. Wann sie wieder öffnen können, ist zurzeit völlig offen.
Das „mai hof puppentheater“ in Dresden-Weißig ist vorläufig bis zum 2. Mai geschlossen. “Glücklicherweise bin ich schon in Rente und kann die laufenden Kosten tragen“, sagt die Puppenspielerin Hella Müller. Seit 50 Jahren ist die
Bühne ihre Welt. „Wir sind guten Mutes und haben ein Publikum, das uns schon lange begleitet.“ Kleine und große Zuschauer, die schon als Kinder da waren und ihre Enkel mitbringen, lassen sich gern von der fantasievollen Figurenschar verzaubern.

„Die Liebe zum Theater wird bei uns geweckt. Wenn es in die Seele geht, erreiche ich die Kinder. Wenn ein Pfeifkessel der General ist, das begreifen sie sofort“, erzählt die Puppenkünstlerin. Die besondere Verbindung aus Puppen- und Spielzeugmuseum und Theater sorge ebenfalls für ein bleibendes Erlebnis bei den Besuchern. Mit all den wundervollen Sachen lebt Hella Müller zusammen mit ihrem Mann in einem alten Bauernhaus seit 31 Jahren. Seit 23 Jahren besteht ihr Puppentheater. Im Moment ist sie viel im Garten am Haus und bereitet Neues vor. Darunter eine Inszenierung, bei der Märchen aus aller Welt im Spiel aus dem Mantel mit kleinen Figuren zu erleben sind. Hella Müller hofft, dass die Spiel-Beschränkungen bald gelockert werden. Zum Tag der ,Offenen Gartenpforte` im Juni würde sie das Puppentheater gern öffnen. Dann will sie auch eine neue Ausstellung ihrer Bilder, diesmal Katzen und Pflanzen, zeigen. „Man könnte eine Sitzreihe weniger hinstellen und mehr Abstand zwischen den Plätzen halten.“ Der Spielort habe ohnehin maximal 50 Plätze.

„Wenn Schülergruppen in diese andere Welt ins Theater kommen, werden vorher aufgedrehte Kinder ganz ruhig, aufnahmefähig und lassen sich auf Gespräche ein“, erzählt Hella Müller. Nach der Vorstellung können sie im Garten umher streifen und Kräuter naschen. Hella Müller nimmt die Situation von der positiven Seite. Da sie nicht mehr außerhalb des „mai hof puppentheaters“ auftritt und weniger spielt als früher, bleibt mehr Zeit, um sich der Ausstattung zu widmen und wieder selbst Puppen zu schnitzen auch aus Kostengründen. „So mache ich das Puppenspiel noch mehr zu meinem eigenen. Vielleicht bin ich auch etwas Kind geblieben“, sagt Hella Müller schmunzelnd.


Hoppes Hoftheater in Weißig: Dirk Neumann (61, der künstlerische Leiter) und Josephine Hoppe (56) proben für das 25. jährige Jubiläum im August, inmitten von Gegenständen aus dieser Zeit. © Foto : Holm Helis

Eigentlich wollte Hoppes Hoftheater, einige Meter weiter in Weißig gelegen, in der Woche nach Ostern wieder starten. Doch das Veranstaltungsverbot wegen Corona hält weiter an. Von den Einnahmeausfällen ist das Ensemble, bestehend aus 15 freien Schauspielern und einigen Musikern betroffen. „Wir versuchen ihnen zu helfen, beim Formulare ausfüllen für Soforthilfen“, sagt Dirk Neumann, künstlerischer Leiter in Hoppes Hoftheater. Dieses zehre zurzeit noch von den Wintervorräten. Außerdem wurden ein Förderantrag ans Kulturamt der Stadt gestellt, um die Zeit bis zur Wiederöffnung zu überbrücken und beim Land Sachsen ein Zuschuss für den Theaterbetrieb beantragt. Sorge bereitet den Theaterleuten überdies eine anonyme Anzeige ans Bauaufsichtsamt wegen Lärmbelästigung, weshalb das diesjährige Sommer-Freilufttheater des Hoftheaters gefährdet ist. „Wir kämpfen noch um die Genehmigung“, so Neumann.

Außerdem werden zwei neue Inszenierungen vorbereitet: „Die Tür nebenan“ von Fabrice Roger Lacan, eine Tragikomödie, die wahres und virtuelles Leben nebeneinander stellt, soll Mitte Mai Premiere haben. Regie führt Philipp Otto. Kathleen Gaube und Dirk Neumann spielen in dem Zwei-Personen-Stück. Im Juni soll der Monolog „Mathematik der Liebe“ von Esther Vilar im Hoftheater auf die Bühne kommen, wofür Ellen Schaller mit ihrem Mann, dem Regisseur Gerald Gluth im Home Office probt.

Unterstützen kann man Hoppes Hoftheater mit dem Kauf von Theatergutscheinen oder indem man auf Rückerstattung bereits gekaufter Karten verzichtet. Es gingen auch schon einige Spenden von langjährigen Theaterbesuchern ein, so Neumann. “Es sind noch viele Dinge rückwirkend zu erledigen, neue Spielpläne aufzustellen, neue Stücke lesen, lesen, lesen und Verträge mit den Verlagen abzuschließen für die Zeit nach Corona“, zeigt sich Dirk Neumann optimistisch.

Der Vorhang bleibt vorerst auch zu im Dresdner Friedrichstatt Palast. Bis 4. Mai sind alle Veranstaltungen untersagt. „Wir leben ja von der verkauften Karte, also leben eigentlich nicht mehr“, sagt Thomas Schuch, Kabarettist und Geschäftsführer. Mit ihm sind sechs Mitarbeiter inklusive ein Lehrling von der Schließung der Spielstätte betroffen. „Wir haben Mittel bei der Stadt und der Sächsischen Aufbaubank beantragt und sind im Gespräch mit dem Vermieter, einer Immobiliengesellschaft, um einen Nachlass bei der Miete zu erreichen.“ Die angebotenen Darlehen sieht er mit Skepsis. „Wir haben schon die unangenehme Erfahrung gemacht, als wir während der Flut 2002 einen Kredit bei der SAB aufnahmen und Zinsen weit über den üblichen zurückzahlen mussten“, so Schuch. „In Krisenzeiten ist nicht die Zeit, um das Kleingedruckte in solchen Verträgen genau zu studieren, was einem anschließend auf die Füße fällt.“

Motto: „Lacht über das, was euch Angst macht.“

Auch hier helfen Theatergutscheine und Spenden. Um weiter präsent zu sein, werden ständig kleine Filme verschiedener Kabarettisten produziert, die auf der Homepage des Dresdner Friedrichstatt Palast und auf Youtube stehen. Darunter auch ein satirisches Video von Thomas Schuch zum Notvorrat hierzulande bevorzugt als Klopapier. Nicht nur im Umgang mit dem Corona-Virus beobachtet der Kabarettist mit Sorge, dass „viele Leute in den sozialen Medien nur ihre eine Wahrheit glauben und nicht davon abzubringen sind. Das spitzt sich immer mehr zu, die Gelassenheit und die Fähigkeit über sich selbst zu lachen gehen dabei verloren.“ Thomas Schuch hält sich lieber an einen Spruch des bekannten Comiczeichners Mordillo: „Humor ist die Zärtlichkeit der Angst.“ Sie wird dadurch bewältigt, indem man sich mit ihr auseinandersetzt und versucht davon zu befreien. So lautet Schuchs Motto erst recht in Krisenzeiten: “Lacht über das, was euch Angst macht.“ Nicht stattfinden kann vorerst auch der Endausscheid zum 7. Dresdner Satirepreis, bei dem am 25. April sechs Kabarettisten um die Gunst des Publikums streiten sollten. Auch das neue Programm: „Mieses Klima – Wetter prima“ mit Jörg Lehmann und Thomas Schuch, das am 20. April Premiere
gehabt hätte, kann vorerst nicht auf die Bühne im Dresdner Friedrichstatt Palast.

Text (lv)

Einbruch im Dresdner Friedrichstatt Palast

Zu allem Überfluss mussten die Künstler am Montag (20.4.) feststellen, dass ihr Theater nun noch Ziel eines Einbruches geworden ist. Der Schaden für das Haus muss noch ermittelt werden. „Für uns ist es ein weiterer Schlag, der die Existenz unserer kleinen Bühne gefährdet“, sagt Thomas Schuch, Kabarettist und Geschäftsführer des Dresdner Friedrichstatt Palastes. „Es ist aber vor allem so, dass die vermeintliche Nichtnutzung von Einrichtungen, Diebe und Einbrecher offensichtlich ermutigt auf Beutezug zu gehen, obwohl auch diesen schwer eingeschränkten Leuten eigentlich klar sein müsste, dass zur Zeit keine Einnahmen im Objekt vorhanden sein können.“

„Entwendet wurden in erster Linie kleine Geldbeträge, die noch im Hause waren, heute haben wir festgestellt, dass die Diebe uns ebenfalls unseren Briefmarkenvorrat (Post Modern) nebst Klebeanleitung (welche Briefmarke auf welchen Brief gehört) gestohlen haben. Was neben dem reinen Geldwert, natürlich wieder Mehrarbeit zwecks Neubeschaffung erfordert und die Absendung wichtiger Briefe verzögert“, so Schuch.

Jedenfalls möchten die Theaterleute die Veröffentlichung ihres Falles auch als Mahnung an alle verstehen, Vorsicht walten zu lassen und die Augen offen zu halten.

https://youtu.be/yHJOokD7A9Y

Kontakt zu den Spielstätten:

Dresdner FRIEDRICHSTATT PALAST gGmbH
Wettiner Platz 10 (Eingang Jahnstraße) 01067 Dresden
Telefon: (0351) 490 4009
Telefax: (0351) 490 4008

www.dresdner-friedrichstatt-palast.de

HOFTHEATER DRESDEN
Prinzipal Rolf Hoppe | in memoriam
Hauptstraße 35
01328 Dresden | OT Weißig

Telefon: 0351-250 6 150
Weihnachtsfeier-Telefon 0172 78 22 354
Email: service@hoftheater-dresden.de
Homepage: www.hoftheater-dresden.de
mai  hof  puppentheater
Hella Müller / Hartmut Maihöfer
Hauptstr. 46
01328 Dresden-Weißig
Tel.: 0351-26 900 72
Fax: 0351-21 799 71
www.puppentheater-dresden.de
E-Mail maihofpuppentheater@t-online.de


Fasziniert vom Figurenspiel & Katzen: Hella Müller in ihrem mai hof puppentheater. Foto: Frank Höhler


Wer zuletzt lacht… Kabarettist Thomas Schuch vom Dresdner Friedrichstatt Palast hält zurzeit die Stellung im Home Office. Foto: privat

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Licht & Schatten: meinwortgarten in der Corona-Krise

Hervorgehoben

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Genießen, In eigener Sache, Kultur, Lebensart, Projekte

≈ 2 Kommentare

Liebe LeserInnen meines wortgartens,

zuerst das Erfreuliche: dieser Kultur-Blog nähert sich der 70 000-Marke an Aufrufen. Es geht stetig aufwärts. Mein Traum-Ziel ist die 100 000 bald zu erreichen und hoffentlich auch mal Einnahmen, auch aus den täglichen Anzeigen, die bereits seit einer Weile rings um meine vielen Beiträge stehen…

Es sind besondere, zwiespältige Zeiten gerade. Ich lebe, genieße im Moment, doch die Sonne vertreibt die existenziellen Sorgen nicht… Habe kaum Einnahmen momentan aufgrund der einschneidenden Corona-Maßnahmen.

Daher meine Bitte an Euch, vor allem die langjährigen Stammleser: Wenn Ihr meine Arbeit als freie Journalistin schätzt und unterstützen möchtet, könnt Ihr das jetzt mit einer Spende für das Weitergedeihen meines Kultur-Blogs: http://www.meinwortgarten.com tun.

Dieser wird seit nunmehr fünf Jahren von mir liebevoll gehegt und wächst… Das alles unentgeltlich. Viel Zeit steckt im wortgarten, bin oft unterwegs und Ihr bekommt immer neue, vielfältige Kulturgewächse zu lesen und sehen in Form von Bildern…
(Die Tagesmedien haben längst Bezahlsperren für ihre online-Angebote eingerichtet.)

Doch allein von Luft und Liebe kann auch ich nicht leben.

Herzlichen Dank an alle Leser und Unterstützer.

Bleibt schön neugierig, teilt und empfehlt meinwortgarten.com weiter.

Eine gute Zeit und Bleibt gesund!

Lilli Vostry
Inhaberin meinwortgarten.com

Herzlichen Dank für ihre Spende:

Kathrin Krüger-Mlaouhia, Redakteurin in Großenhain

Hartmut Maihöfer vom mai hof puppentheater in Dresden-Weißig

Günter Gläser, Emaillebilder-Künstler in Radebeul

Michele Cyranka, Malerin, Grafikerin und Keramiikerin in Tharandt

Spendenkonto:

Lilli Vostry
Bankverbindung: IBAN DE 88 8707 0024 0525 231700 bei Deutsche Bank
Kennwort: wortgarten-Spende

Fotos (lv)

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Ostrale-Zentrum für zeitgenössische Kunst muss internationalen Künstleraustausch in Kenia abbrechen

30 Montag Mär 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst

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Kultur in Zeiten von Covid 19
Kaum angereist, schon Rückflug

OSTRALE – Zentrum für zeitgenössische Kunst muss internationalen Künstleraustausch in Kenia zunächst abbrechen. Pandemie gefährdet auch anstehende Gastspiele in Uganda und in der europäischen Kulturhauptstadt 2020 Rijeka (Kroatien).

Dresden, Nairobi, Kampala, Rijeka. Die Dresdner OSTRALE Biennale musste eines ihrer diesjährigen Auslandsprojekte aufgrund des Coronavirus‘ teilweise abbrechen. Der zweite Teil des gemeinsam mit dem Fonds Turn der Kulturstiftung des Bundes geplanten Projektes „WomanIsm“ wurde kurz vor dem Start in Nairobi, Kenia unterbrochen. Die ersten beiden, erst am Vortag angereisten Künstlerinnen Frenzy Höhne (Leipzig) und (Neubrandenburg) mussten umgehend wieder abreisen. Das Kenianische Gesundheitsministerium hatte am Morgen des 16. März alle öffentlichen Veranstaltungen bis einschließlich 31. März abgesagt. Der erste Teil des Kunstaustausches zwischen deutschen und afrikanischen Künstlerinnen hatte bereits im Rahmen der Dresdner OSTRALE Biennale 2019 stattgefunden. Im Rahmen des zweiten Teils in Nairobi waren unter anderem gemeinsame Workshops geplant. Auch die von der OSTRALE Biennale-Kuratorin Syowia Kyambi kuratierte Ausstellung „GET YOUR FOOT OFF MY NECK“ in der Circle Art Gallery, Nairobi ist betroffen, die Kunstwerke werden zwar gehängt, jedoch zunächst jedoch nur virtuell im Internet präsentiert.

Auch die in Kooperation mit dem Goethe-Zentrum in Kampala (Uganda) vorbereitete dortige Vernetzung zeitgenössischer Künstlerinnen wird voraussichtlich verschoben werden müssen. OSTRALE Biennale Direktorin Andrea Hilger: „Wir sind natürlich schockiert und hoffen, dass wir den zweiten Teil dieses wertvollen internationalen Kulturaustausches noch in diesem Jahr gemeinsam mit unseren Partnern nachholen können.“

„Besonders trifft uns auch, dass die im Auftrag der Europäischen Kulturhauptstadt 2020 Rijeka von uns kuratierte Aussstellung „Watergate“ in der kroatischen Hafenstadt voraussichtlich ebenfalls nicht wie geplant wird stattfinden können.“, so Andrea Hilger.

Die nächste OSTRALE Biennale in Dresden findet voraussichtlich vom 1. Juli bis 3. Oktober 2021 statt. Der „Open Call“ wurde soeben auf der Website http://www.ostrale.de publiziert. Künstler aus aller Welt sind eingeladen, sich für die Auswahl durch die Kuratoren zu bewerben.

WomanISM:

Kuratorinnen des Projektes WomanISM: Syowia Kyambi (KE), Antka Hofmann (DE)
Teilnehmende Künstlerinnen: Sonia E Barrett (GB / DE / JM), Frenzy Höhne (DE), Ramona Seyfarth (DE), Carolin Koss (FI / DE), Immy Mali (UG), Hannah Nitsch (DE), Usha Seejarim (ZA)

WomanISM wird gefördert durch den Fonds TURN der Kulturstiftung des Bundes und das ifa Institut für Auslandsbeziehungen.

Die OSTRALE Biennale ist mit zuletzt insgesamt über 300 Kunstwerken von ca. 180 Künstlern aus über 34 Nationen eine der größten temporären Ausstellungen für zeitgenössische Künste in Deutschland. Sie ist keine Verkaufsausstellung per se, was ihr die Freiheit gibt, gesellschaftlich relevante Themen abseits des Marktgeschehens zu diskutieren. Die Leitgedanken der OSTRALE, wie unter anderem friedliches Miteinander, Akzeptanz des Fremden / Unbekannten, respektvoller Umgang, religiöse Vielfalt und Internationalität spiegeln sich in den Ausstellungen inhaltlich wieder. Das Team der OSTRALE hat bereits mehrfach große Teile des Programms zeitgenössischer Künste in Europäischen Kulturhauptstädten gestaltet, so 2010 in Pécs, 2016 in Breslau und 2018 in Valletta/Malta. Auch im Auftrag der Europäischen Kulturhauptstadt 2020 Rijeka/Kroatien hat die OSTRALE Teile des Programmes mitgestaltet.

Text: Tobias Blaurock
Fotos: Ostrale

Ostrale – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Andrea Hilger, 1. Vorsitzende, Rethelstraße 45, 01139 Dresden, Tel. +49 351 653 37 63, post@ostrale.de, http://www.ostrale.de

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Neue Lyrik: Blütenschnee & Blütezeit & Baustelle & Lächeln & Osterzeit & Aufatmen/Anderswo

29 Sonntag Mär 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Poesie

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Blütenschnee

Bäume blühen verführerisch
wissen nichts von den Ausgehverboten
Sonne zieht Versonnene ins Freie
nach innen und außen zu gehen
infiziert von der Schönheit des Moments
flanieren inhallieren inspizieren
sie innig oder leicht verstohlen
des Frühlings Wonne
das Blütenweiß wie von der Rolle
und das reizende Rosé
besonnen stehen die Freigänger unter herab
hängenden Zweigen voller Blütenschnee

die ersten Blätter rieseln ins Gras
ein Rabe sitzt berauscht von Kirschblüten im Geäst
die erste Biene schaukelt im Nektar
Kinder klettern in die Baumkronen
ein anderes läuft mit einem Riesenteddy an den Fluss
zwei küssen sich
das fällt schon auf
die meisten stehen allein oder auf Abstand

sie hält ein unsichtbares Band
auseinander und zusammen
antarktische Kälte und Schnee
verkünden die Nachrichten im Radio
und die Uhren werden auf Sommerzeit gestellt

Lilli Vostry
28.03.2020

Blütezeit

Das Grau des Tages zerfällt
in unzählige Lichtsplitter im Fluss
die auf mich überspringen
umher schwirren mit den Schwänen und Möwen
im Futterreigen
das steinige Ufer umrunden

folge dem Ruf der Vögel
im Blütenstrom
unter Bäumen fangen
mich ihre Zweigarme auf
zeichnet die Sonne mir
ihre Zeichen ins Gesicht
verblasst das Blau eines Streifenwagens
der vorbei rollt
an den unberührten Wiesen

LV
2./3.4.2020

Baustelle

Eine schwarze Kabelrolle steht aufgerollt
am Straßenrand
wie ein Steuerrad der Leere
im Treibsand verrinnender Tage

Trittbretter klirren verräterisch
vor dem Haus
wenn jemand in die Nacht
oder den Morgen flieht
weg vor dem grollenden Stillstand
sich selbst ausgesetzt
außer Kraft gesetzt
geschäftig getarnte Bewegung

dazwischen atemberaubende Stille
kein Vogellaut
ab und zu verlegenes Husten
bevor mit den Baggern (es braucht keine Uhr mehr)
in der Früh die Bauarbeiter anrücken
wie die letzten Heroen der Arbeit
während andere Löcher in die Luft starren
ringsum das Leben brach liegt

rattern sie mit ihren Maschinen
dass der Boden zittert
die Bäume tragen Manschetten
Grün wuchert hinter den Absperrungen
Leitern führen in die Tiefe
säuberlich verteilter
gelber und blauer Schubkästen
in denen sich neue Fernwärmeleitungen
schlängeln wie dunkle Bandagen
unterirdisch im Leib der Straße

um die Corona wohl einen Bogen macht
wo sie abgeschottet weiter schuften
die Straße muss fertig werden
damit der Verkehr wieder rollt

LV
3.4.2020
Fotos (lv)

Lächeln

Wir haben uns
nur einen Moment
angesehen
doch es war das schönste
Lächeln der Welt
ansteckend

vor dem Einkaufsmarkt
eine lange Schlange
Wartender
wird Desinfizieren bald
so normal
wie das Amen in der Kirche

werde ich das Lächeln auch>
mit Maske sehen

LV
6.4.2020

Osterzeit

Das Läuten der Kirchenglocken
aus der Ferne mischt sich mit Kinderlachen
auf der öden Fläche vor dem Haus
nur ein Streifen Licht
stehen sie raufen und lachen
herzerschütternd
wie lange nicht
überfällt mich dieses Lachen
reißt ein Stück Schale auf
aus dem ein gelbes Etwas will

Wir spielten gern Verstecken
in Kindertagen im Hof mit seinen
vielen Winkeln
versteckten die Ostereier
an den unmöglichsten Stellen
warm lau kalt heiß
ließen wir die anderen wissen
lachten boxten heulten zuhause
in die Kissen
später spielten wir Verstecken
mit uns und anderen

Die Blüteneier aus Plast von früher
und lustig bemalte mit ausschwärmenden
Hasenpaaren schweben an
frühlingsfrischen Zweigen
die Hasenfamilie aus Holz steht
kugelrund verziert und unversehrt
auf dem Stubenbuffet

LV
10.4.2020

Aufatmen/Anderswo

Ausgeliefert sich selbst
auf einmal zu viel gewordene Zeit
nicht irgendwo
im Anderswo
Einfach sein

Auffangen im Blütenweiß
zufällige Blicke
im Moment
aufatmen

Anderswo

Kann sein
alles hört auf
von einem Moment
zum anderen
ein Paar steht an einem Grenzzaun
ein letzter Kuss
das unsichtbare Virus trennt sie
Blicke halten
auf einmal zu viel gewordene Zeit

LV
5.4.2020
(geschrieben für den DSFo-Wettbewerb, Lesezeichenpoesie zum Thema „BeGegnerIn“, 4. Platz in der Publikumsgunst von acht Beiträgen.)

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Schönes bleibt: Kleine Komödien

29 Sonntag Mär 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Poesie

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Kleine Komödien

Wenn es Engel gibt,
dann lesen sie wohl nicht
unsere Romane
von den enttäuschten Hoffnungen.

Ich befürchte – leider –
auch unsere Gedichte nicht
mit den Vorbehalten gegen die Welt.

Das Geschrei und die Zuckungen unserer Theaterstücke
müssen sie – vermute ich –
irritieren.

In den Pausen ihrer himmlichsten,
das heißt nicht menschlichen Beschäftigungen,
schauen sie sich eher
unsere kleinen Komödien an
aus der Stummfilmzeit.

Mehr als die Jammernden,
die ihre Gewänder zerreißen
und die mit den Zähnen knirschen,
schätzen sie – wie ich vemute –
den armen Teufel,
der einen Ertrinkenden an der Perücke packt
oder vor Hunger

die eigenen Schnürsenkel verspeist.
Vom Gürtel an aufwärts Vorhemd und Ambitionen,
tiefer im Hosenbein aber
die entsetzte Maus.

O ja,
das muss sie köstlich amüsieren.
Der Wettlauf im Kreis
verwandelt sich in eine Flucht vor dem Flüchtenden.
Das Licht im Tunnel
erweist sich als Tigerauge.
Hundert Katastrophen
sind hundert spaßige Purzelbäume
über hundert Abgründe.

Wenn es Engel gibt,
dann sollte sie – hoffe ich –
diese auf dem Grauen schaukelnde Lustigkeit
überzeugen,
die nicht einmal Zuhilf, Zuhilf ruft,
weil alles in der Stille geschieht.

Ich wage anzunehmen,
daß sie mit den Flügeln klatschen
und aus ihren Augen Tränen fließen,
zumindest die des Gelächters.

Wislawa Szymborska
(aus dem Gedichtband „Liebesgedichte“, insel taschenbuch der Literatur-Nobelpreisträgerin von 1996)

Foto (lv)

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Lasst Eure Fantasie blühen! Neue Ausstellung anlässlich 30 Jahre Lügenmuseum Radebeul

29 Sonntag Mär 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Projekte

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Der Eingang zum Lügenmuseum in Radebeul im alten Serkowitzer Gasthof.


Eintauchen in die Wunderwelt der Fantasie

Wenn man im Lügenmuseum lügt, spricht man dann die Wahrheit?

Dreißig Jahre Lügenmuseum
Dreihundert Jahre phantastischer Erzähler Baron von Münchhausen

Das möchte gefeiert werden. Das Lügenmuseum lädt ab dem 1. April 2020 (internationaler Weltlügentag) zur Teilnahme an einer fantastischen Ausstellung zum Thema “Erzähl mir vom Lügen” ein.

Erzähl mir vom Lügen: Alle Welt ist eingeladen, mit einer eigenen Kurzgeschichte, mit einem Foto oder einer Zeichnung zur Ausstellung beizutragen. Alles zusammen maximal eine A4-Seite (Schriftgröße mindestens 11 und Seitenränder mindestens 1.5 cm). Fantasie ist ein wunderbar zu spielendes Instrument. Ist es erst einmal zum Klingen gebracht, wachsen der Vorstellungskraft Flügel. In diesem Sinne: zückt eure Feder, holt die Schreibmaschine raus oder schnappt euch euer Smartphone!

Bitte sendet Eure Beiträge als PDF an info@luegenmuseum.de oder ganz oldschool via Post an Lügenmuseum, Kötzschenbrodaer Str. 39, 01445 Radebeul

Die eingesandten Beiträge werden auf der Webseite des Lügenmuseums und anderen sozialen Netzwerken präsentiert. Als lose Blätter werden sie an Wäscheleinen in angemessenen Abständen rund um den Gasthof Serkowitz aufgehängt.

Das Lügenmuseum entführt in die fabelhafte Welt der Fantasie. Wenn man den verschlungenen Ideen folgt, entsteht oft das Gefühl, man werde aus diesem faszinierenden Labyrinth vielleicht nie mehr herausfinden. So kommt man irgendwann an einen geheimnisvollen Punkt, an dem man nicht mehr den einen einzig richtigen Sinn-Ausweg sucht, sondern das immer tiefere Sich-Verlieren in dieses Gedankengebäude zu genießen beginnt. Damit lernt man nicht nur etwas über zeitgenössische Kunst und Sensibilität, sondern auch über sich selbst. Diese Art einer träumenden Rezeptionshaltung ist der nachhaltigste Gewinn, der einem durch die Auseinandersetzung mit diesem geheimnisvollen Ort zuwachsen kann.

Text:
Reinhard Zabka
Lügenmuseum
Kötzschenbrodaer Str. 39
01445 Radebeul / Dresden
+49 176 99 02 56 52

www.luegenmuseum.de


Der Gründer des Lügenmuseums Reinhard Zabka und eine seiner skurrilen Installationen. Fotos: Lilli Vostry

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Neue Lyrik: Frühlingsanfang… auf dem Aststumpf sitzt wieder eine Taube

27 Freitag Mär 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Poesie

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Frühlingsanfang

Ich steh am Fenster
mitten durchs knospende Grünmeer
dringt helles Getöse
einschneidend ins helle Blau
unbeirrt wogt die alte Weide
in ihrem sonnenglänzenden Frühlingskleid
mit weiter Krone himmelwärts
und raunt mir zu:
ich habe den Sturm überstanden
das wirst auch du

im halb abgebrochenen Zweiggeflecht
saßen tagelang noch Vögel
als ihre Hülle herabstürzte umfing die
unfassbare Hülle mich hielt mich einen
Moment vergass ich den Lärm der Welt
Regentropfen hingen an den Zweigen
losgelöst vom Stamm weggeworfen
einige rettete ich zu mir
drei Astgerippe liegen im frischen Gras
in der Dämmerung umarme ich
die moosig schimmernde verwitterte Rinde
mein Herz ist verflochten mit dem der Weide

auf dem Aststumpf in der Mitte
sitzt wieder eine Taube
wie auf einer Felsklippe
gurrt sie unbekümmert in die Welt
der Wind legt sich
die Weide wiegt sich
das Getöse verstummt
die Natur atmet auf

doch ich vermisse die Lieder
der Vögel am Morgen

Lilli Vostry
23.3.2020

Foto (lv)

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Wie Künstler die Corona-Krise sehen & Soforthilfeprogramm im Stadtrat beschlossen

26 Donnerstag Mär 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Projekte

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Heiß begehrt in diesen Tagen: Toilettenpapier, das massenhaft gehortet schon zum Markenzeichen der Corona-Krise geworden ist. Während das gesamte öffentliche Leben brach liegt, wovon Kulturschaffende derzeit besonders betroffen sind. Not macht erfinderisch: Künstler Oskar Staudinger zeigt eines seiner Klopapier-Bilder in limitierter Auflage.

Kunst auf Klopapier

Seit dem Ausbruch des Corona-Virus verändert sich gerade vieles in der Welt. Eine Zeit, die mit Rasanz unser bisher gewohntes Leben durcheinander wirbelt, aber auch einlädt, über die Werte des Lebens neu nachzudenken.

In einer Bilderserie taucht der Coronavirus auf Klopapier auf. Oskar Staudinger hat ihn wie eine Heiligenikone mit schwarzer Tuschefeder auf hellem Grund gezeichnet. Eine Parodie auf die Leute, die gerade wie verrückt Klopapier bunkern und keiner weiß warum. Seine Klopapier-Bilder kann man in limitierter Auflage im Passpartout auch kaufen. „Besondere Maßnahmen erfordern besondere Kunst“, sagt der 30-jährige Künstler. Er erwarb 2018 sein Diplom an der Dresdner Kunsthochschule.  Humor ist die beste Medizin, lautet sein Motto. Durch den Ausbruch des Corona-Virus wurde Staudinger zu Bildern inspiriert, die sich mit dem Thema Pandemie befassen. Den „freiwilligen Hausarrest“ verbringt er in seinem 40 Quadratmeter großen Wohnatelier auf der Lilienthalstraße in Dresden. Den Raum nutzt er ohnehin 24 Stunden, so dass er den Unterschied zu vorher kaum merkt. Er ist hauptsächlich Grafiker und Auftragsporträtist. „Im Moment habe ich einige Aufträge fertigzustellen, darunter eine Buchillustrationsgeschichte und ein Gemälde vom Blauen Wunder“, sagt Staudinger. Er könne noch einen Monat seine Miete zahlen.

Wenn das mit der Quarantäne schärfer wird, wird es eng. Dann kann er seine Bilder nicht rechtzeitig verkaufen, wenn alles zuhause stehen bleibt. „Ich bin auf jeden Cent angewiesen und ernähre mich die nächste Zeit nur noch von Haferflocken“, sagt Oskar Staudinger augenzwinkernd. Ähnlich wie ihm ergeht es zurzeit vielen Künstlern, deren Existenzgrundlagen jetzt wegbrechen wegen der einschneidenden Maßnahmen, die eine Weiterverbreitung des Corona-Virus eindämmen sollen. Theater, Clubs und Galerien bleiben geschlossen. Abgesagt wurde auch eine Ausstellung von Angela Hampel mit dem passenden Titel „Sei dennoch unverzagt“, die am 22. März bei art + form eröffnen sollte. Stattdessen wird ein virtueller Rundgang durch die Ausstellung zu erleben sein (www.artundform.de).

“Sehr wichtig für Künstler ist, dass man zu Vernissagen geht, Kontakte knüpft, hält und sich austauscht. Das fällt jetzt alles weg“, sagt die Malerin Helena Zubler. Sie war im Gespräch mit Galerien, doch nun sei alles offen. Außerdem hatte sie bereits eine Jobzusage in einem Museum, das nun geschlossen ist. Viele Künstler haben zwei bis drei Nebenjobs, doch auch Kurse und Stipendien sind abgesagt. Helena Zubler wollte im April einen Zeichenkurs im Kulturforum „riesa efau“ beginnen. Wenn die Ausgangssperre kommt, liegt auch ihr Atelier außer Reichweite. „Als Künstler kann man zuhause reduziert arbeiten, anders als kleine Geschäfte. Da hängt bei allen Freiberuflern viel dran.“ Als nächstes will sie ihre Webseite um eine virtuelle Galerie erweitern mit der Möglichkeit, die Künstlerin zu unterstützen.  Und während die Bilder im Atelier trocknen, geht Helena Zubler in den Garten und findet dort neue Energie. „Man kann wieder anfangen Briefe zu schreiben, öfter anrufen und für andere da sein, einkaufen für ältere Menschen und die Lebensmittel vor die Wohnungstür stellen.“

Musiker geben inzwischen Wohnzimmer-Konzerte, die im Internet, auf Youtube übertragen werden. „Es wird weiterhin Kunst produziert, aber die Wege und die Vermittlung zwischen Künstler und Umwelt werden derzeit massiv umgekrempelt“, erlebt Helena Zubler. Das stellt alle Kreativschaffende vor enorme Herausforderungen. Betroffen sind auch darstellende Künstler. Darunter der Travestiekünstler „Miss Chantal, der mit Charme, Herz und Gefühl in seinen Shows in Dresden und Leipzig das Publikum bezirzte und oft im Boulevardtheater zu Gast war. Außerdem fallen Großveranstaltungen und zwei Kreuzfahrtschiffsreisen mit der Aida aus, wo er im März und April auftreten sollte. „Dadurch habe ich zu hundert Prozent Verdienstausfälle. Zwei Monate schaffe ich durchzuhalten. Doch dann kommt die Angst, wie es weitergeht“, sagt “Miss Chantal“. „Die fetten Jahre sind vorbei. Von dem Plus muss ich Kostüme kaufen, Krankenversicherung und Lebensunterhalt finanzieren. Da bleiben keine Rücklagen“, sagt er.

„Auf eine Art ist es gut, dass mal etwas zum Stillstand, man zur Ruhe und zu sich selbst kommt. Ich genieße es, zuhause und viel draußen im Wald mit meinen Hunden zu sein.“ Er habe Zeit, neue Lieder und Konzepte zu schreiben. „Mit ein paar Kollegen wollen wir ein Livestreaming im Netz machen, wo wir eine Stunden singen, plaudern und interaktiv mit den Zuschauern sind“, so „Miss Chantal“.

Inzwischen startete eine Initiative von Bündnis 90/Die Grünen und „Wir gestalten Dresden – der Verband der Kreativwirtschaft in Dresden“, die eine Maßnahmeliste für Soforthilfen zur Unterstützung von Kultur- und Kreativschaffenden im Wirtschaftsförderausschuss der Stadt am Mittwoch vorlegten.  “Doch dort war keiner nicht mal fünf Minuten bereit, sich mit dem Thema zu befassen und über die Vorschläge aus der Kulturszene zu diskutieren“, sagt der Grünen-Stadtrat Torsten Schulze. Der Kulturrat hatte bereits letzte Woche ein Notfallpaket von Bund und Ländern für Kulturschaffende gefordert. Die Frage, was die die Stadt tun kann für die Dresdner Kulturszene in der Corona-Krise, soll auf der nächsten Stadtratssitzung am kommenden Donnerstag wieder auf die Tagesordnung.

Erfreulich: Heute wurde das Soforthilfeprogramm der Stadt Dresden für Selbstständige, Freiberufler und Kleinstunternehmen, die durch die Corona-Krise starke Umsatzeinbußen erlitten haben oder in Zukunft erleiden werden, mit 42-Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen im Stadtrat beschlossen. Die Soforthilfe wird als Zuschuss in Form einer Pauschale von 1 000 Euro gewährt, dh. sie muss nicht zurückgezahlt werden, sondern soll kurzfristig zur Liquidität der Betroffenen beitragen. Zum Einsatz kommen städtische Mittel, die aus dem Jahresabschluss 2019 stammen, so Grünen-Stadtrat Torsten Schulze. „Das Budget beträgt insgesamt fünf Millionen Euro.“ Wermutstropfen: Der Vorschlag der Grünen, dass auch Kulturschaffende, die im Nebenerwerb freiberuflich tätig sind, zu berücksichtigen sind, bekam leider keine Mehrheit im Stadtrat.

Text (lv)
Fotos: Oskar Staudinger

Weitere Infos zum Antragsverfahren und -unterlagen stehen unter http://www.dresden.de/wirtschaftsservice
Fragen dazu werden unter Tel.: 0351 – 488 87 26 (Mo bis Fr von 8 – 18 Uhr) oder per mail unter wirtschaftsfoerderung@dresden.de beantwortet.


Die Zeit der Corona-Krise wird produktiv genutzt: die Malerin Helena Zubler in ihrem Atelier. http://www.helenazubler.com


Nie war Klopapier so kostbar: Während Corona ursprünglich eine Schutzheilige gegen Seuchen war, muss ihr Name nun für das rätselhafte, hoch ansteckende Virus weltweit herhalten. Wie es um den Stellenwert der Kunst angesichts der heiligen Klorolle aussieht, demonstriert hier Oskar Staudinger (www.oskarstaudinger.com). Er widmet Corona eine eigene Bilderserie. Vielleicht hilft es und trägt ein wenig zur Heilung bei.

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Lyrik zur Zeit: Corona

14 Samstag Mär 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Fotografie, Poesie

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Corona

Der Himmel grau verhangen
ein Spalt breit Helligkeit am Horizont
dem der Strom der Gedanken entgegen treibt
Halt sucht
da die Welt kopf steht
seit das rätselhafte Virus auftauchte
sie in Beschlag nahm

Kriege und Krisen plötzlich Nebensache
wer reist sich mit anderen trifft oder die
Hand schüttelt erscheint verdächtig

Menschen reißen voreinander aus
grüßen mit den Ellenbogen
ganze Länder abgeriegelt
Infizierte dürfen nicht aus dem Haus
werden sie bald ein Erkennungszeichen
tragen von anderen gemieden

Wer hat die Büchse der Pandora geöffnet
aus der alle Übel und Seuchen entwichen
womit Zeus sich einst erzürnt rächte da
Prometheus den Menschen
das Feuer und Wissen brachte

Nehmt die Masken ab
sie engen ein
atmet echtes Leben und weniger virtuell live

Text + Foto (lv)
13.3.2020

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Lilli Vostry

Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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