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Absage der Leipziger Buchmesse wegen Ausbreitung des Corona-Virus
04 Mittwoch Mär 2020
04 Mittwoch Mär 2020
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02 Montag Mär 2020
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19 Mittwoch Feb 2020
Man kann sich Jan Wagner als zeitgenössischen Klassiker vorstellen. Seitdem dem Berliner Dichter und Übersetzer im Jahr 2015 für seinen Gedichtband „Regentonnenvariationen“ der Preis der Leipziger Buchmesse zugesprochen wurde, wuchert sein mittlerweile berühmtes Gedicht „giersch“, „mit dem begehren schon im namen“, in den Köpfen von Lesern, Kritikern und Lyrikerkollegen. Selten hat ein kleines Sonett mit angedeuteten Reimen und hinters Licht führender Heimeligkeit derart die Geister geschieden. Schön, wenn Poesie so etwas kann!
Lyrische Anverwandlungen von Rettich und Weißkohl, „kalifornische sonette“, ein „kleiner krähenhymnus“ oder ein „lob des kamels“ bevölkern auch die „Live Butterfly Show“, Wagners neuesten Gedichtband, mit dem der gebürtige Hamburger morgen im Dresdner Stadtmuseum zu erleben ist. Es finden sich darin die ausgeklügelten Beschwörungen der Dingwelt, die man bereits zu kennen meint: Neunaugen als „glitschige urzeitwesen aus ocker / und schlamm“ oder Weißdorn als ein „lokal /begrenzter schneefall, der nicht / aufhört, nicht aufhört“.
Genauso segelt Wagner durch die abendländische Tradition von Jonas im Walfisch bis Horaz, widmet dem Maler John Constable und Dornröschen aus dem Märchen Sestinen und steht dann wieder unvermittelt „am ganges“.
Aber welcher Dichter, bitteschön, hat schon einmal über einen „einstellungstag im meerjungfrauenmuseum“ geschrieben? Der von der irischen Westküste stammende Matthew Sweeney, dessen Gedichte Wagner übersetzt hat, bemerkte einmal, dass man in maritimen Dingen und in puncto Akkuratesse bei Jan Wagner an der richtigen Adresse sei. Sein Hang zu sprachlicher Präzision, zu historischen Blitzlichtern, zum Fortschreiben von Traditionen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das dem kürzlich verstorbenen Sweeney gewidmete „glasauge“ uns anstarrt, „wie um zu sagen: bleibt und seht“. Und was sehen wir? Einen dem Trunke ergebenen „onkel“ etwa, der „an seinen hosenträgern“ hereinschwebt „wie ein prächtiger fesselballon“. Wir sehen „die kapitäne“, die „in unserer straße an land“ gingen und „ankerten in der witwenbucht“.
Unbedingt hervorzuheben ist auch Wagners feiner, ins Absurde spielende Humor, der allerdings ohne Reim kaum zu haben ist: „vergib mir“, heißt es im Titelgedicht, in dem vielleicht sogar von Schmetterlingen die Rede ist, „daß ich aufging in der schar / von eilenden, geblendeten, touristen, / undankbare blüte, die ich war“. Patrick Wilden, DNN 19.2.2020
Eine Kooperation der Literarischen Arena e.V. mit der Evangelischen Akademie Meißen und den Museen der Stadt Dresden.
Eine Veranstaltungs-Empfehlung von Jörg Scholz-Nollau
-- Buchhandlung LeseZeichen Priessnitzstrasse 56 01099 Dresden Inh.: Jörg Scholz-Nollau Tel. 0351-8033914 Fax 0351-8033915 www.buchlesen.de info@buchlesen.de
12 Mittwoch Feb 2020
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26 Sonntag Jan 2020

Lukas Bärfuss stellt in seinem neuen Buch eine Kartographie der Passionen vor.
Foto: Stefano de Marchi
Die Liebe und das Begehren in all ihren Spielarten sind die Fluchtpunkte in diesen Erzählungen von Lukas Bärfuss. Wie begegnen wir uns? Welche Sehnsüchte treiben uns um? Nach welchen Vorlagen entwerfen wir die Geschichten unserer Leidenschaften? Bärfuss zeichnet eine Kartographie der Passionen. Seine Geschichten handeln von Grenzerfahrungen, die wir mitten im Alltag machen können. Sie zeigen die Momente der Verwandlung. (Wallstein Verlag)
Lukas Bärfuss, geb. 1971 in Thun/Schweiz. Dramatiker und Romancier, Essayist. Seine Stücke werden weltweit gespielt, seine Romane sind in etwa zwanzig Sprachen übersetzt. Lukas Bärfuss ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und lebt in Zürich. 2019 wurde Lukas Bärfuss mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.
Den eindrücklichen Erzählungsband „Malinois“, das beginnende Literaturjahr und die Verwandlung zu „Das Erich Kästner Haus für Literatur e.V.“ feiern Veranstalter und Besucher im Anschluss an Lesung & Gespräch mit einem kleinen Umtrunk (um Anmeldung wird aus Kapazitätsgründen gebeten.)
Text:
Das Erich Kästner Haus für Literatur e.V.
Villa Augustin
Antonstraße 1
01097 Dresden
Tel 0351 / 8045087
24 Dienstag Dez 2019








„Ein Fest für alle Menschheit, das lebt und wärmt…“, schrieb die Malerin Paula Modersohn-Becker einst an den befreundeten Dichter Rainer Maria Rilke, der sie an ihre Zeit in der Künstlerkolonie Worpswede erinnerte und von dem sie sich als Künstlerin verstanden fühlte. Sie habe das Gefühl, dass man mit Weihnachten wachsen muss, auf dass jedes Jahr eine weiße Rose die Welt mit Licht und Liebe erfülle. 1907 stirbt sie wenige Monate nach der Geburt ihres ersten Kindes. „Mein Leben ist ein kurzes, intensives Fest“, notiert sie in einem ihrer letzten Briefe. „Ist es deswegen denn weniger schön, da es kürzer ist?“
Wunderbare Worte und Gedanken, die der „Weihnachtspost berühmter Frauen und Männer“ aus dem gleichnamigen Buch entstammen, waren zu hören in einer Lesung mit dem „Literarischen Quartett“ am Nikolaustag in der Galerie Kunst & Eros auf der Hauptstraße 15 in Dresden, wo jedes Jahr zum „Erotischen Advent“ Kunst und literarisch-musikalische Programme zum Verweilen und Innehalten im vorweihnachtlichen Trubel einladen. Auf eine ebenso besinnlich, berührende wie kurzweilige Reise in die Weihnachtsstuben und Herzen bekannter Persönlichkeiten aus vergangenen Zeiten nahmen lebhaft vorlesend am Tisch bei Kerzenschein Kristin Rudloff, Solvig Frey, Hans-Jürgen Scholz und Rüdiger Schlögel ihr Publikum mit. Liebevoll mit Glöckchen einläutend, vorher Plätzchen und Pfefferkuchen aus Kästchen verteilend, lauschte man neugierig, schmunzelnd bis ergriffen der Weihnachtspost.
Solvig Frey stellte die Briefe zusammen. Sie erzählen sehr persönlich, offen, schwärmerisch, romantisch, nachdenklich und tröstlich von schönen, sehnsuchtsvollen, traurigen, wehmütigen, bangen, aber auch heiter-komischen Momenten in bewegter Zeit, in der die Briefeschreiber durch verschiedene Umstände, Krieg, Exil, Beruf, Familie oder andere Partner am Weihnachtsabend voneinander getrennt waren.
Da berichtet der französische Philosoph Jean-Paul Sartre in einem Liebesbrief an die Schriftstellerin Simone de Beauvoir, wie er als Marinesoldat in blauer Uniform vor der Mannschaft hingebungsvoll die Arie des Don Camillo aus Bizets Oper „Carmen“ schmettert und sich als Skifahrer versucht. Da freut sich F. Scott Fitzgeralds Liebste Selda auf das Wiedersehen mit ihm, nicht ohne Eifersüchteleien und bemerkt, dass es „nichts Schöneres als rote, leuchtende Weihnachtskugeln gibt.“ Der große amerikanische Schriftsteller und die Tänzerin galten als das Glamourpaar der 1920er Jahre in der Welt der Schönen und Reichen, der er einen Spiegel vorhält in seinem berühmten Roman „Der große Gatsby“. Die Liebe zur Musik verband zeitlebens die virtuose, europaweit umher reisende Pianistin Clara Wieck und den Komponisten und mittellosen Künstler Robert Schumann, den sie gegen den Widerstand ihres Vaters heiratete. „Küsse sind unser Gebet“, schrieb er in einem Weihnachtsbrief an sie. Der Schauspieler Richard Burton stellt sich lustvoll in Zeilen an die Hollywood-Diva Elizabeth Taylor vor, wie die Tinte hervorsprudelt aus dem Füllfederhalter, seinem Geschenk an sie. Für den Schriftsteller Erich Maria Remarque ist Weihnachten das „ironischste aller Feste“ und „immer mit verdorbenem Magen verbunden“, schreibt er an Marlene Dietrich nach Amerika, die er liebevoll seinen „kleinen Nestvogel“ nennt, die nicht treu sein konnte und der er auch nach der Trennung 1940 weiter schreibt.
Thomas Mann wurde von seinen Kindern „der Zauberer“ genannt. „Es ist doch seltsam, welche Verklärung einfache Dinge erfahren, sie hören auf Ware zu sein, werden Gabe durch die Art des Empfangs und Schenkens“, schreibt der Schriftsteller an seine Tochter Erika und schwelgt in opulenten Erinnerungen an die Weihnachtsfeste der Kindheit in seinem Roman „Die Buddenbrooks“. Während für den Dichter Hans-Christian Andersen „Weihnachten der schönste Märchenabend des Jahres“ ist, an dem alles wunderbar verwandelt scheint, man allein vom Zusammensein mit anderen träumt oder umgekehrt und die Herzen und Sehnsucht überfließen. Ach wär ich doch in der Stube mit all der Pracht und Herrlichkeit, wünscht sich der einsam, draußen im Wald stehende Tannenbaum in einer von Andersens schönsten Weihnachtsgeschichten.
Das „Literarische Quartett“ las die Briefe abwechselnd, dazu die biografischen Hintergründe zu Leben und Werk der Briefeschreiber, am Piano begleitet von Christian Mögel, der mit beschwingten Melodien bekannter Weihnachtslieder wie „Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen“ variantenreich die Stimmung, Trubel und Vorfreude einfing, augenzwinkernd zwischen leisen, besinnlichen, glockenklaren und turbulenten Klängen. Viel Beifall gab es für diese Herz und Geist gleichermaßen erfreuende Weihnachtslesung.
Die Gruppenausstellung „Erotischer Advent“ mit Arbeiten von Gudrun Trendafilov, Juan Miguel Restrepol Vales, Leo Lessig, Konstanze Feindt-Eißner, Steffen Fischer, Olaf Stoy und weiteren Gästen sowie neue lust- und liebevoll bemalte Schmuckstücke aus Porzellan der Künstlerin und Galeristin Janett Noack sind noch 18. Januar 2020 zu sehen.
Text + Fotos (lv)
Mehr Text zur Ausstellung folgt.
Geöffnet: Mo bis Sa 11 bis 15 Uhr


Sinnenfroher Kunstgenuss: In aller Vielfalt zu sehen bei Janett Noack in der Galerie Kunst & Eros in Dresden.





23 Montag Dez 2019

Mama Reh findet nach einem großen Feuer im Wald unter dem Heckenrosenstrauch ein kleines graues Puscheliges. Einen jungen Fuchs, der seine Familie verloren hat. Sie nimmt ihn mit nach Hause zu ihren Kindern. Der kleine Fuchs, genannt „Blau-Auge“, gibt sich große Mühe, ein gutes Reh zu sein. Doch schon der Versuch, wie die Rehe flugs über einen Weidezaun zu springen, geht schief. Seine Beine sind zu kurz. Mama Reh tröstet: „Es gibt immer verschiedene Wege, um ans Ziel zu kommen. Man muss nur herausfinden, welcher Weg für einen selbst der richtige ist. Wenn es schwierig wird, hilft nur, sich selber Mut zu machen.“ Der Fuchs kann ja auch unter dem Zaun durchkriechen und das klappt wunderbar.
Doch als zuerst die kleine Maus verschwindet und kurz darauf das Rehkitz Vielpunkt, glauben die Waldtiere, dass “Blau-Auge“ dahintersteckt. Ein Fuchs bleibt eben immer ein Fuchs, dem man nicht trauen kann!, meint der aufgeplusterte Uhu. Doch dann kommen er und die anderen Waldtiere aus dem Staunen nicht heraus, was „Blau-Auge“ alles kann.
Eine wunderbare Geschichte zum Selber- und Vorlesen, nicht nur an langen Winterabenden, über den Umgang mit Unterschieden und Anderssein, Gefahren, Geheimnisse, aber auch von Hilfe und Freundschaft, wenn man in Not ist, erzählt einfallsreich, spannend und berührend das neue Buch „Vom Fuchs, der ein Reh sein wollte“ von Kirsten Boie. Eine der renommiertesten deutschen Kinder- und Jugendbuchautorinnen. Das Buch erschien dieses Jahr im Oetinger Verlag Hamburg (192 S., 16 Euro). Empfohlen für Kinder ab sechs Jahre. Die Abenteuer des kleinen Fuchs werden farbenfroh und liebevoll illustriert von Barbara Scholz im Buch lebendig.
Kindgerecht, fantasievoll, lustig, aber auch traurig und nachdenklich schildert Kirsten Boie die Erlebnisse aus der Sicht der Tiere. Voller Neugier, mit allen Freuden, aber auch Ängsten und greift dabei beim Erzählen schön beiläufig auch auf das Wissen der Kinder zurück. Da geht es um das Leben mit der Natur bei Tag, Nacht und sich wandelnden Jahreszeiten. Um Spuren, Geräusche, Stimmen und auftauchende brüllende Ungeheuer, Rundfüßler, die schneller als jedes Tier auf dem schwarzen Band entlang sausen und vor denen man auf der Hut sein muss, ebenso wie vor den Zweifüßlern, die Fallen aufstellen und Tiere mir einem Donnerflügel töten. Die um ihren Bau herum wunderbare, köstliche Pflanzen und Kräuter anbauen, die sie aber ungern teilen, anders als das getrocknete Gras und die Eicheln in den Futterkrippen, die sie in der eisigen Zeit für die Waldtiere aufstellen. Eines Tages nimmt der junge Fuchs schweren Herzens Abschied von der Rehfamilie und zieht allein los, um seine Fuchsfamilie wiederzufinden. Unterwegs sammelt er viele eigene Erfahrungen und erlebt: Jeder darf sein, wer er ist! Nach diesem fesselnd-feinfühligen, lebensfrohen Buch, an dem man auch als Erwachsener sein Vergnügen hat, sieht man mit anderem, wacherem Blick auf die Mensch- und Tierwelt.
Text (lv)
Foto: Oetinger Verlag
26 Dienstag Nov 2019
Posted in Aktuelles, Bildende Kunst, Literatur, Musik

Steffen Fischer, „Leda als Odaliske vor New York“, Zeichnung auf Papier, 2018
In dieser traditionellen Gruppenausstellung werden Grafik, Malerei und Plastik zeitgenössischer Künstler vorgestellt:
Gudrun Trendafilov, Juan Miguel Restrepol Vales, Leo Lessig, Konstanze Feindt Eißner, Steffen Fischer, Olaf Stoy und weitere Gäste.
Zudem werden neue lust- und liebevoll bemalte Schmuckstücke und Gefäße aus dem edlen Material Porzellan von der Künstlerin und Galeristin Janett Noack gezeigt.
„Lieder von Liebe und Sehnsucht“: 29.11., 19.30 Uhr
Begrüßung zur Eröffnung der Weihnachtsausstellung mit Janett Noack, Galeristin
Der Dresdner Musiker Stephan Pankow singt Lieder, die ihm am Herzen liegen. Er wird sich dabei selbst auf der Gitarre wie auf dem Klavier begleiten und eigene Stücke sowie Lieder fremder Komponisten spielen.
„Dein Herz, Dein Körper, Deine Seele“: 6.12., 19.30 Uhr
Weihnachtspost berühmter Frauen und Männer. Gelesen von dem Literarischen Quartett Kristin Rudloff, Solvig Frey, Hans-Jürgen Scholz und Rüdiger Schlögel mit musikalischer Begleitung von Christian Mögel am Piano.
Text: Janett Noack
Kunst & Eros Galerie und Atelier für erotische Porzellanmalerei und zeitgenössische Kunst, Hauptstraße 15, 01097 Dresden, Tel. 0351 – 802 4785
Geöffnet:
Mo bis Sa von 11 bis 15 Uhr; 2. Adventswochenende am 7. & 8.12. von 11 bis 18 Uhr
08 Freitag Nov 2019
Posted in Aktuelles, Fotografie, Lebensart, Literatur, Projekte

Szene aus „Wer seid Ihr“, Schauspiel von Oliver Bukowski. Es ist am 9.11., um 19.30 Uhr in der Studiobühne der Landesbühnen Sachsen in Radebeul zu sehen.
Foto: Hans Ludwig Böhme
Am 9. November verwandelt sich das Stammhaus der Landesbühnen Sachsen in ein offenes Haus der Begegnung. 30 Jahre nach dem Fall der Mauer wollen wir Ihre Erinnerungen an diese Zeit wecken, denn „jede Stimme im politischen Diskurs und beim historischen Gedenken ist wichtig“ (Dr. Roland Löffler). Kommen Sie mit uns und einander ins Gespräch!
Die Ausstellung „Zeitenwende 1989“, sowie eine Talkrunde am Abend, moderiert von Doreen Reinhard (Freie Journalistin, u.a. ZEIT online), bieten die Möglichkeit, regionale Erlebnisse mit den Ereignissen in Europa zu verknüpfen. Gäste auf dem Podium sind die Zeitzeugen Béla János Bács, Thomas Förster, Wolf-Dieter Gööck und Kemal Pervanić.
Am „Zentralen Runden Tisch“ wollen die Landesbühnen den Besuchern ein offenes Gesprächsforum bieten. Indem an die progressiven Ideen der Verfassung erinnert wird, die 1989/90 am Zentralen Runden Tisch der DDR entstand, kann nach alternativen Formen politischer Praxis gesucht und über eine Erneuerung des Gesellschaftsvertrags nachgedacht werden.
Beim „Speed-Dating mit Zeitzeugen“ freuen die Theaterleute sich auf Geschichten als Zeitzeuge oder Fragen aus der Sicht von heute. Die interaktive Installation des Künstler*innenkollektivs POLIZEIKLASSE stellt den „Schicksalstag der Deutschen“ in weitere historische Zusammenhänge, an deren Bilderwelt die Besucher aktiv teilnehmen können. „Zwischen Pitti und Stern Meißen“ bietet eine Vorschau auf das Rechercheprojekt des jungen.studio zur Kindheit in der DDR.
Eine unterhaltsame Lesung und Live-Musik mit „Wendehits“ runden den Tag ab, und die Landesbühnen laden dazu ein, die „Vergangenheit als kreative Fundgrube“ (Bénédicte Savoy) zu begreifen und Phantasie, Spaß und gesellschaftlichen Fortschritt zusammen zu denken!
14:30 Foyer – Eröffnung der Ausstellung ZEITENWENDE 1989 durch die Landeszentrale für politische Bildung
Ab 15:00 durchgehend im Werkstattraum- SCHICKSALSTAG DER DEUTSCHEN – eine interaktive Installation der POLIZEIKLASSE DRESDEN
Ab 15:00 durchgehend im Ballettsaal – DER ZENTRALE RUNDE TISCH – offene Gesprächsrunden
15:30 und 17:30 Glashaus – ZWISCHEN PITTI UND STERN MEISSEN – KINDHEIT IN DER DDR, eine Vorschau
16:30 Foyer- SPEED-DATING – Gespräche mit Zeitzeugen
18:30 Goldne Weintraube – WIR SEHEN UNS IM WESTEN – Roman von Dorit Linke, Lesung mit Tammy Gierke und Johannes Krobbach
19:30 Studiobühne WER SEID IHR – Schauspiel von Oliver Bukowski (UA)
19:30 Glashaus – Podiumsdiskussion ZEITENWENDE 1989, Moderation Doreen Reinhard (Freie Journalistin, u.a. ZEIT online)
Gäste auf dem Podium sind die Zeitzeugen Béla János Bács, Thomas Förster, Wolf-Dieter Gööck und Kemal Pervanić.
21:30 Glashaus – WENDEHITS– Live-Musik mit Holger Uwe Thews (Gitarre/Gesang) und Thomas Richter (Gitarre/Gesang)
Der Eintritt ist frei (außer zu der Vorstellung WER SEID IHR
Die Theaterkasse wird ab 14:00 geöffnet sein.
Text: Petra Grubitzsch/LB
Landesbühnen Sachsen GmbH, Meißner Str. 152, 01445 Radebeul, Tel. 0351/8954-0 http://www.landesbuehnen-sachsen.de
19 Donnerstag Sept 2019
Auch im Literaturhaus Dresden in der Villa Augustin, Antonstr. 1/Albertplatz kreist der Veranstaltungsherbst um 30 Jahre Mauerfall. Dazu gibt es zwei Buchvorstellungen und Lesungen. Die Autorin Peggy Mädler stellt dort am 19. September, um 19 Uhr ihren vielbeachteten neuen Roman „Wohn wir gehen“ vor, für den sie 2019 den Fontane-Literaturpreis erhielt. Am 24. September, um 19 Uhr stellt dann der Schriftsteller Jens Wonneberger seinen neuen Roamn „Mission Pflaumenbaum“ vor.
Peggy Mädler, „Wohin wir gehen“
Do., 19.9., 19 Uhr
Nach dem großen Erfolg ihres ersten, 2011 erschienenen Romans „Legende vom Glück des Menschen“, der sich über die Anmaßung eines politisch verordneten Glücks empört, legt Peggy Mädler ihren zweiten Roman vor.
Almut und Rosa, zwei Mädchen im Böhmen der 1940er Jahre, sind beste Freundinnen. Als Almuts Vater überraschend stirbt und ihre Mutter Selbstmord begeht, nimmt Rosas Mutter, eine deutsche Kommunistin und Antifaschistin, die nach dem Krieg wie alle Deutschen die Tschechoslowakei verlassen muss, beide Mädchen mit nach Brandenburg. Sie teilen Erfahrungen von Verlust und Entwurzelung, aber auch von wachsender Verbundenheit mit dem neugegründeten Staat. Doch mit Dreißig entscheidet sich Rosa abermals für einen Neuanfang: Sie flieht nach Westberlin.
Ein halbes Jahrhundert später hat Almuts Tochter Elli ebenfalls eine beste Freundin, die Dramaturgin Kristine. Und sie ist es schließlich, die sich im Alter um Almut kümmert, als Elli in Basel eine Stelle am Theater hat.
Erfahrungen und Erinnerungen lagern sich wie Sedimente ab. Lebenswege verschlingen sich, es geht immer auch ums Weggehen, Ankommen oder Bleiben, und um den Moment, in dem man sieht, was wirklich zählt.
Die 1976 in Dresden geborene Peggy Mädler schreibt sich in ihrem Roman durch mehrere politische Systeme und Staaten, eng verwoben mit den großen sozialen Verwerfungen der vergangenen hundert Jahre. Sie lebt und arbeitet in Berlin als Autorin und Dramaturgin, ist Mitbegründerin der Künstlerformation Labor für kontrafaktisches Denken.
Moderation: Michael G. Fritz
Jens Wonneberger, „Mission Pflaumenbaum“
Di., 24.9., 19 Uhr
Jens Wonneberger stellt seinen neuen Roman vor: Eine Geschichte über einen Vater, der seine Tochter neu kennenlernt, in einem Dorf im Osten des Landes dreißig Jahre nach der Wende. Wonneberger, einer der produktivsten und erfolgreichsten Dresdner Schriftsteller, liest aus „Mission Pflaumenbaum“. Im Zentrum steht der Bibliothekar Kramer, der seine Tochter besucht, die gemeinsam mit ihrem Mann ein altes Haus mitsamt Obstgarten gekauft hat, der wunderschön ist, wäre da nicht der abgestorbene Pflaumenbaum.
Im Gespräch mit dem alten Rottmann wird er tief in die Dorfgeschichte hineingezogen und mit Argumenten konfrontiert, die er von den Pegida-Demonstrationen zu kennen glaubt. Zudem merkt er, wie wenig er im Grunde von seiner Tochter weiß.
„Mission Pflaumenbaum“ ist Wonnebergers politischster Roman. Es wäre freilich nicht Wonneberger, wenn die Worte nicht kostbar gewebt und von großer Poesie wären. Eine Dorfgeschichte der subtilsten Art!
Wonneberger, geboren 1960 in der Lausitz, lebt in Dresden. Diverse Stipendien und Preise, u.a. 2010 Sächsischer Literaturpreis, 2017 Werkstipendium des Deutschen Literaturfonds. Zuletzt erschienen die Romane „Goetheallee“, „Himmelreich“ und „Sprich oder stirb“.
Der Abend wird moderiert von dem Dresdner Dichter, Herausgeber und Publizisten Norbert Weiß.
Text: Michael G. Fritz
Das Literaturhaus Dresden stellt jeweils 6 Freikarten zur Verfügung, die Sie (first come first serve) telefonisch oder per E-Mail bestellen können.
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Förderverein für das Erich Kästner Museum /
Dresdner Literaturbüro e.V.
Literaturhaus Villa Augustin
Antonstraße 1
01097 Dresden
Tel 0351 / 8045087
http://www.facebook.com/Literaturhaus.Dresden
http://www.literaturhaus-dresden.de