Eindringlicher Aufstand der Kinder

Es beginnt wie ein großes Abenteuer auf einer urwüchsigen, einsamen Pazifikinsel. Doch schon bald entwickelt sich daraus ein grausamer Überlebenskampf einer Gruppe englischer Schuljungen, die dort als einzige Überlebende eines Flugzeugabsturzes stranden. Tief in die Abgründe der menschlichen Natur blickt das Stück „Herr der Fliegen“, das nach dem Roman von William Golding als Produktion der Bürgerbühne am Sonntagabend Premiere hatte am Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.
Der mit schwarzer Folie bedeckte Bühnenraum ist von dumpfen Geräuschen und Urwaldlauten erfüllt. Als Spielfläche dient ein Felspodest mit Grasbüscheln in der Mitte. Ringsum flackern spärlich Scheinwerfer auf Regalen postiert, auf die die Spieler mal übermütig und mal Schutz suchend klettern. Zuerst toben sie ausgelassen umher und freuen sich, endlich mal ohne Erwachsene zu sein. Doch schon bald gibt es Streit, foppen die Größeren die Kleinen und Schwächeren, werden sie ausgegrenzt und wie Tiere gejagt und eskaliert das Urwaldabenteuer schließlich in einem blutigen Gemetzel im roten Scheinwerferlicht. Ein aufgespießter Schweinkopf ragt als Fanal über dem gespenstigen Geschehen. In spannungsreichem Spiel, abwechselnd kindlich unbeschwert, blindwütig und kalt anders Denkende bekämpfend, erzählen und spielen die fünfzehn Darsteller zwischen 10 und 20 Jahren die ebenso beklemmenden wie berührenden Szenen in der Regie von Kristo Sagor. Erstaunlich mit welcher Leichtigkeit und Kraft die jungen Darsteller den schwierigen Stoff auf die Bühne bringen in Goldings schmerzhaft-aufschlussreicher Parabel über das Böse im Menschen als ein Teil der menschlichen Natur. Freundschaft und manchmal erbittertes Kräftemessen dürfte den jungen Spielern im Alltag auch nicht fremd sein. Besonders herausragend in dieser Aufführung sind der entmachtete Anführer mit dem Muschelhorn Ralf (Clemens Kersten, sein weicherer Namensvetter (Conrad Böhme), sein Widersacher Jack, der Jäger (gespielt in einer Doppelrolle von Blanka Winkler und Justin Woschni mit zusätzlicher Dramatik) sowie die beiden klugen, ungehörten Sonderlinge Piggy (Frederick John) und Simon (Matti Freitag). Viel Beifall für diesen eindringlichen Aufstand der Kinder. Lilli VostryStaatsschauspiel Dresden, Herr der Fliegen, Bildnummer: S6830, Foto: Matthias HornStaatsschauspiel Dresden, Herr der Fliegen, Bildnummer: S6830, Foto: Matthias HornStaatsschauspiel Dresden, Herr der Fliegen, Bildnummer: S6830, Foto: Matthias HornStaatsschauspiel Dresden, Herr der Fliegen, Bildnummer: S6830, Foto: Matthias HornStaatsschauspiel Dresden, Herr der Fliegen, Bildnummer: S6830, Foto: Matthias Horn

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