Turbulentes Theater im Theater

Noch größer als die Angst vor dem Skandal ist die Lust am Vergnügen im Schwank „Der Raub der Sabinerinnen“ im Schauspielhaus.

Der stadtbekannte, gut situierte Professor Gollwitz lässt sich vom Theaterdirektor Striese überreden, eine selbstverfasste Römertragödie aus Studententagen auf die Bühne zu bringen. Das Theater im Theater sorgt in der Regie von Susanne Lietzow für reichlich humorvolle Verwirrung vor und hinter den Kulissen im Stück von Franz und Paul von Schönthan in der Bearbeitung von Curt Goetz. Höchst vergnüglich und verwicklungsreich spielt die um 1883, also zur Blütezeit des Theaters, entstandene Komödie mit dem besonderen Reiz des Verbotenen und Verruchten. Eine fahrende Wandertheatergruppe wirbelt die wohlanständige Fassade der Familie des sich entsetzlich langweilenden Professors (Torsten Ranft) gehörig durcheinander. Seine gestrenge Frau (Hannelore Koch) darf nichts von seiner Liaison mit dem Theater erfahren. Mit Oldtimer und Campinganhänger voller Requisiten fährt die Theatertruppe auf die Bühne und hält vor dem Wohnzimmer mit Gummibaum und goldenem Käfig, in dem ein Mann im Anzug (Bertolt List) sitzt, der als „Papagei“ Cicero gewitzt das Gebaren der Familie nachahmt. Im Hintergrund schwebt ein Schwarm Goldfische am blauen Bühnenhimmel abwechselnd mit Videobildern glänzender Darsteller aus der römischen Tragödie, wie sie dem bereits ergrauten, immer noch heißblütig engagierten Theaterdirektor Striese vorschweben.

Eine Paraderolle für Ahmad Mesgarha, der mal salopp schlitzohrig auftritt und herrlich komisch als Römerkönig im weißen Gewand, Tennissocken und Römerlatschen umherstürmt und grandios scheitert. Nacheinander steckt Striese fast alle mit dem Theatervirus ein. Allen voran die gar auf der Bühne einspringende Haushälterin Rosa (herrlich schräg: Matthias Luckey), der biedere Schwiegersohn mit Doppelleben (Benjamin Pauquet) und die jüngere Professorentochter Paula  (Ines Marie Westernströer), die für den Jungschauspieler Emil (linkisch-schüchtern: Christian Clauß) schwärmt. Im Countdown vor der Premiere weiß bald keiner mehr, was Lüge, Spiel und Wirklichkeit ist. Auch wenn dann im Eifer des Gefechts um die Sabinerinnen die Kulissen im Rauch aufgehen und die Theatertruppe im Bühnenschaum buchstäblich baden geht mit ihrem Stück. Die Komödianten sind nicht totzukriegen, auch nicht in Katastrophenzeiten, und fahren weiter zum nächsten Bühnenabenteuer. Begeisterter Beifall vom Publikum.

Nächste Termine: 29.2., 10.3., 22. und 28.3., 19.30 Uhr

Foto: David Baltzer

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