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 Ausstellung „Träumerei“ des großen Schauspielers und Malers in der Galerie art + form in Dresden – Nur noch bis 2. Juni.

Eine Frau träumt versonnen. Ihr helles Gesicht ist von feinen schwarzen Linien umrahmt. Sonnengelbe und erdbraune Farbtöne umspielen schwebend leicht ihren Körper im Titelbild zur Ausstellung „Träumerei“ von Armin Mueller-Stahl in der Galerie art + form in Dresden auf der Bautzner Straße.

Gesichter, Gesten und Alltagsszenen fängt der weltweit gefragte Schauspieler und vielseitig begabte Künstler mit wenigen Strichen ausdrucksreich ein in seinen Tuschezeichnungen, Aquarellen und Farbradierungen. „Das Malen, Schreiben, Musizieren und die Schauspielerei gehören für mich einfach zusammen“, sagte Mueller-Stahl einmal. Malen sei für ihn Entspannung und Therapie. „Um sich die Knoten von der Seele zu malen. Beim Malen erlebe ich Momente, wo ich fliegen kann und keinem folgen muss.“

Die Geige und die Malerei begleiten ihn zeit seines Lebens. Doch erst zu seinem 70. Geburtstag ging Armin Mueller-Stahl mit seinen Bildern an die Öffentlichkeit. Von seiner ersten Personalausstellung 2001 im Filmmuseum Potsdam-Babelsberg waren Kritiker und Publikum gleichermaßen verblüfft und begeistert. Seither stellt er öfter aus. Dies ist seine nunmehr dritte Ausstellung bei art + form, die erste war 2006  und die zweite 2010 in den Räumen von Schloss Wackerbarth in Radebeul. Armin Mueller-Stahl, Jahrgang 1930, wird in einer Reihe mit weiteren namhaften, mehrfach begabten Künstlern deutscher Kulturgeschichte wie Hermann Hesse, Ernst Barlach oder Oskar Kokoschka gesehen.

Zur Ausstellungseröffnung drängten sich die Besucher, las der Schauspieler Tom Quaas mit viel Witz und Poesie Texte und Gedichte von Armin Mueller-Stahl aus seiner Autobiographie „Dreimal Deutschland und zurück“, klangreich begleitet von Bertram Quoosdorf am Saxofon. Mueller-Stahl malt auf Papier, Pappe, Leinwand oder auch alten Drehbuchseiten. Sein Maltalent habe er vom Vater und von der Mutter die Freude am Schreiben geerbt. Das Zeichnen schaute er sich schon früh von der Großmutter ab: „die eine Hand am Kochlöffel, mit der anderen zeichnete sie…“ Später baute sich Mueller-Stahl ein Atelier für seine großen Ölbilder mit der Gage aus dem Film „Die Manns“.

In der Schauspielerei gehe es auch viel um minimalistischen Ausdruck. So auch in seinen Bildern. Ein Mann mit Hut spielt auf der Klarinette die „Moonlight-Serenade“ in einer Tuschezeichnung. Neben dem Geigenspieler ist ein Selbstbildnis zu sehen. Außerdem in markant schwungvollen Linien umrissene Porträts von Komponisten, den Dichtern Goethe, Schiller und Hölderlin, dem Schriftsteller Henry Miller und dem Schauspieler und Regisseur Woody Allen. Eine farbig-skurrile Serie mit „Fellini-Faces“ des italienischen Filmregisseurs und eine Skizze zu „Faust“ mit sparsam farbigem, sperrig- abstrahiertem Figurenreigen sind neben einer mit Nachtschatten „Spielenden Katze“ und farbreich expressiver Malerei zu sehen.

Manchmal bleiben Köpfe ohne Gesicht und sagen doch alles, sagt Müller-Stahl. Wie das Bild „o.t.“. Wildfarbig zeigt es elementare menschliche Gefühlsausbrüche ähnlich Munchs „Der Schrei“, in dem Liebe, Leidenschaft, Wut und Schmerz vielschichtig verwoben sind. Ein Highlight der Ausstellung. „Lampenfieber“ zeigt in grellen Farbwolken eine Figur wie unter Strom. Der Künstler vor dem Auftritt. Die Bühne, das gleißende Rampenlicht und Ort zum Freispielen innerer Ängste. „Orpheus und Eurydike“ sind in einer federleichten Lithografie wie über dem Abgrund schwebend zu sehen. „Himmelwärts“ ragen beschwingt Häuserfassaden. Armin Mueller-Stahl hat in drei Deutschlands gelebt und konnte „mit keinem richtig warm werden.“ „Wenn wir uns versöhnen wollen, müssen wir alte Grenzen überschreiten. Es muss auch Platz für Ausländer bei uns geben“, schreibt er in seiner Autobiographie. Über das Älterwerden: „Erfolg und Ruhm helfen nicht beim Abschied nehmen.“
„Ich möchte wenn es irgend geht, fröhlich in die Kiste steigen“, hofft er. „Malen und Musizieren aber werde ich bis der Kistendeckel zuklappt.“
Die Ausstellung von Armin Mueller-Stahl ist noch bis 2. Juni zu sehen.

Virtueller Bilder-Rundgang unter www.artundform.de

Vorschau:

Die nächste Ausstellung mit dem Titel „Verborgene Zeichen“ zeigt Malerei von Stefan Plenkers vom 5. Juni bis 14. Juli bei art + form.

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