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Die Komödie Volpone oder Der Fuchs von Ben Jonson/Stefan Zweig eröffnete die neue Spielzeit in der St. Pauli Theaterruine.

Totgesagte leben länger. So ergeht es auch „Volpone oder der Fuchs“. Die Komödie von Ben Jonson, ein Zeitgenosse und Rivale Shakespeares, hatte frei bearbeitet von Stefan Zweig am Freitagabend Premiere und eröffnete zugleich die neue Spielsaison in der St. Pauli  Theaterruine am Königsbrücker Platz im Hechtviertel.

Er hasst Mitleid, doch er liebt den Applaus. Noch mehr versteht es der reiche venezianische Geizkragen Volpone (grandios: Olaf Nilsson) andere hereinzulegen, um noch mehr zu ergattern und zu glänzen. Listreich spielt er den Todkranken, sobald die habgierigen Nachbarn und Erbschleicher bei ihm auftauchen, zitternd und röchelnd auf edlen Polstern auf dem Rollenbett liegend und die geschenkten Goldstücke rasseln wie Herzschläge an seinem Ohr. Volpone hält die um seine Gunst Buhlenden zum Narren, verspottet und verachtet sie – ehrliche Schufte wären ihm lieber! – zugleich für ihre Geldgier und Heuchelei und bringt sie erbarmungslos gegeneinander auf. Seine drei gewitzt-gerissenen Diener (Carola Pohlan, Jens Döring und Jan Dietl), genannt die Schmeißfliegen, mit spitz pastoralen Hüten helfen ihm überall schmarotzend bei seinen immer neuen, hinterhältig-boshaften Streichen.

Auf die Bühne kam ein raffiniertes Possenspiel voller Witz, Lug und Trug und unschöner Wahrheiten über Geld und wohin es den Menschen treibt, turbulent und nah am Publikum inszeniert unter Regie von Jörg Berger und in farbenfrohen Kostümen im Stil der Commedia dell`arte (Ausstattung: Veronika Knigge und Linn Seifert). Manchmal etwas übertrieben gespielt und mit einigen drögen juristischen Textpassagen, umschmeicheln und streiten die Nachbarn erbittert komisch, um im Testament Volpones als alleiniger Erbe zu stehen. Darunter Frau Geier, die eitel-geldlüsterne Notarin (Angela Huth). Der rasend eifersüchtige Kaufmann (Karl Weber) führt seine junge schöne und arglose Frau (Susanne Hilpert) gar selbst Volpone zu, der danach vor Lebenslust strotzt, und bezichtigt sein Täubchen hinterher der Untreue.

Ein alter Wucherer (Matthias Starke) enterbt seinen  weniger cleveren Sohn (Lutz Koch) zugunsten Volpones. Absurdkomischer Höhepunkt der doppelzüngigen Maskerade ist die Gerichtsszene, bei der jeder Opfer und Täter ist. Am Ende drehen Volpones Diener den Spieß um und ist er selbst der Narr und Betrogene. Fazit: Nicht Liebe, sondern Geld macht blind! Viel Beifall.

Nächste Vorstellungen: 18.6., 20 Uhr und 19.6., 17 Uhr.

Kartenvorverkauf und Information:

Theaterbüro, Hechtstraße 32, 01097 Dresden

Tel.: (0351) 272 14 44

http://www.pauliruine.de

Inszenierungs-Fotos: Astrid Rabe

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