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Malerei und Grafik zeigt zum 130. Geburtstag des Künstlers eine Gedenkausstellung in der Stadtgalerie Radebeul

In warmen und erdigen Farbtönen schweift der Blick über die Lößnitzhänge, schlängeln die Uferstraße und die Elbe bei Kötzschenbroda unter türkisblauem Himmel. Stehen Leute an einer Anlegestelle mit Fähre und Segelschiffen. Wandert das Licht über saftiges Grün, Gartenlauben, Terrassen, Villengebäude und Bauernhäuser. Eine alte Dorfansicht von Kötzschenbroda mit hellen Ziegeldachhäusern, davor Baumreihen, Ziehbrunnen, Litfasssäule, Leiterwagen und umhertollende Kindern auf dem Anger ist auch als Plakat in der Ausstellung erhältlich. In diesen Bilderlandschaften wechseln luftig-heitere, klare und neblig-verhaltene Farbstimmungen in den Kohlezeichnungen auf getöntem Papier und farbigen Pastellen.

Beim Betrachten vergisst man, dass sie aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts stammen. Unter dem Titel „Ringen um Licht und Gestaltung“ sind derzeit Malerei, Zeichnungen, Graphiken, Entwürfe und Dokumente anlässlich des 130. Geburtstages des Künstlers Karl Sinkwitz in einer Gedenkausstellung in der Stadtgalerie Radebeul in Altkötzschenbroda 21 zu sehen. Sie versammelt so prägnante wie feinsinnige und detailreiche Ansichten von Landschaften, Orten und Menschen in den teils bröckligen Originalrahmen. Neben Blättern der Lößnitzlandschaft und dem Meißener Elbtal finden sich Blicke auf die Bautzner und Nürnberger Altstadt, ländliche Szenen mit Blumenwiesen, Baumgruppen, Kirschenpflücker in Gauernitz, eine muntere Schafherde und Meer, Möwen und Steilküste an der Ostsee. Zu sehen sind heiter-beschwingte und dunkle, schmerzliche Momente eines vielseitigen Malerlebens in bewegter Zeit. Es ist die erste Einzelausstellung, die dem Künstler bisher zuteil wurde.

Ist von den Lößnitz-Malern die Rede, fallen einem sofort Namen wie Paul Wilhelm, Karl Kröner und Theodor Rosenhauer ein. In den Kreis dieser um 1900 geborenen Künstlergeneration gehört auch der heute fast vergessene Karl Sinkwitz. Er wurde am 9. April 1886 in Niederlößnitz geboren und interessierte sich schon in jungen Jahren für Architektur, Kunst, unternahm Malreisen und Rucksackwanderungen rund um Dresden, Pillnitz bis nach Böhmen. Er absolvierte die Kunstgewerbeschule in Dresden und war von 1909 bis `1914 freischaffend als Gebrauchsgraphiker tätig. Im Sommer desselben Jahres muss der Maler zum Kriegsdienst und erleidet 1915 eine Beinverletzung.

Blätter aus seinem Skizzenbuch, im französischen Ort Cirey entstanden, zeigen ihn zusammen mit anderen Soldaten in grauen, rot umrandeten Uniformen eng zusammen gepfercht im Mannschaftsraum, in angespannter Ruhe, rauchend oder auf der Pritsche ein Buch oder Zeitung lesend. Über „Parux im Stellungskrieg“, 1914 erzählt eine Zeichnung mit zwei hinter einem Holstapel verschanzten Soldaten mit Gewehren, ringsum brennende Häuser, tote Soldaten und in der Mitte eine hell erhaben aufragende Kirche. In der friedlichen Weite der Landschaft erinnert daran auf leuchtend gelber Flur ein Feldgrab mit Holzkreuz.

Außerdem begegnet man mehreren Selbstbildnissen in Öl auf Leinwand von Karl Sinkwitz, die ihn als jungen und reifen Mann mit aufmerksam-offenem Blick und in einer Aktstudie in der Natur selbstbewusst im Adamskostüm vor der Staffelei stehend zeigen. Neben Porträts seiner Frau Charlotte ist eine berührende Bleistiftzeichnung des früh verlorenen ersten Kindes zu sehen sowie Porträts der danach geborenen zwei Söhne, der jüngere ist seit 1945 vermisst. Der 1925 geborene Sohn Bernhard starb 2011 in Radebeul. Karl Sinkwitz starb nur 47jährig nach längerem Krankenhausaufenthalt im November 1933 in Großschweidnitz. Seine letzte Ruhestätte fand er in Radebeul.

Mit dieser Ausstellung dankt die Stadt Radebeul postum Bernhard Sinkwitz sowie der Erbengemeinschaft für die großzügige Schenkung von Werken aus dem Nachlass des Malers und Graphikers Karl Sinkwitz an die Städtische Kunstsammlung Radebeul. Dort sind überdies Spenden für die stark restaurierungsbedürftigen Bilder willkommen. Bilder von Karl Sinkwitz befinden sich außerdem in den Museen in Görlitz, Zittau und Bautzen.

Am letzten Ausstellungstag am Sonntag, dem 8. Mai um 16 Uhr sind Kunstfreunde herzlich zu einer Sonderführung mit der Galerieleiterin Karin Baum durch die Bilderwelt von Karl Sinkwitz in der Stadtgalerie Radebeul eingeladen.

Die nächste Ausstellung zeigt ab 20. Mai unter dem Titel „Fährtensuche“ neue Bilder und Objekte von Andreas Hanske.

 

 

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