Sehenswerte Werke mit aktuellen Bezügen sind in der 10. internationalen Ausstellung zeitgenössischer Künste OSTRALE noch bis 25. September zu erleben.

Die 10. Ostrale zeigt auch dieses Jahr eine besondere Auswahl künstlerischer Positionen zu aktuellen Geschehnissen. Damit bietet sie ganz eigene Ansätze zur Auseinandersetzung mit dem Weltgeschehen. Aktuell besonders interessant sind insofern auch jene Kunstwerke, die sich mit dem Glauben auseinandersetzen. Besonders intensiv wirkt die Kunst durch ihre durchdachte Platzierung im besonderen Ambiente der ehemaligen Futterställe des einstigen Erlwein’schen Schlachthofes. So werden zwei Videoinstallationen im räumlichen Zusammenhang gezeigt, die unter anderem das Aufeinandertreffen und das Miteinander zweier Weltreligionen auf teils durchaus absurde Weise thematisieren.

Nevet Yitzhak, Israel, geb. 1975, ist mit der Installation „WarCraft“ vertreten, die in drei synchronisierten, ineinander übergehenden Videoprojektionen traditionell gewebte afghanische Kriegsteppiche zeigt. Direkt nebenan sind die einander gegenüberstehenden Videoinstallationen „ABRAHAM ABRAHAM“ und „SARAH SARAH“ von Nira Pereg, ebenfalls Israel, geb. 1969, zu sehen. Darin wird der regelmäßig unter strenger Sicherheitskontrolle stattfindende Umbau einer antiken Begräbnisstätte zur abwechselnden Nutzung als Moschee und als Synagoge dokumentiert.

146_1_Nevet Yitzhak 1143

 

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Beide Installationen sind im räumlichen Zusammenhang in den alten Gemäuern ehemaliger Futterställe zu erleben, eine eindrucksvolle Positionierung, die allein den Besuch der Ausstellung wert ist.

Näheres zu den Werken:

 Nevet Yitzhak, *1975 / Israel: „WarCraft“ ,

Film / Video, Installation, 2014

Die in Nevet Yitzhaks Videoinstallation gezeigten afghanischen Kriegsteppiche sind ein faszinierendes und einzigartiges Phänomen: In traditioneller Teppich-Webtechnik werden historische und aktuelle internationale Konflikte dargestellt. Typische Motive sind die sowjetische Invasion in Afghanistan in den späten 1970er Jahren und die Jahrzehnte der Besatzung, Bürgerkriege und amerikanische Militärintervention. Kriegsteppiche, Antikriegsteppiche und Siegteppiche, spektakulär und erschreckend zugleich, wurden zu Sammlerstücken im Westen, zu Gegenständen der Forschung und zahlreichen Ausstellungen. Was als authentischer Ausdruck der sich verändernden Realität entstand, die Abbildung die Schrecken des Krieges und der Besatzung, von Migration und Entwurzelung, was zugleich Ausdruck des Widerstands ist und Mittel zum Überleben, dient heute oftmals als Souvenir.

Nira Pereg, *1969 / Israel: „ABRAHAM ABRAHAM“ und „SARAH SARAH“

Film / Video, Installation, 2012

„ABRAHAM ABRAHAM“ dokumentiert das einzigartige Ereignis des zeitweisen Besitzerwechsels einer antiken Begräbnisstätte, die ein heiliger Ort für Juden und Muslime zugleich ist. Die Höhle der Patriarchen, Gebetsstätte für beide Religionen, wurde nach dem Baruch Goldstein Massaker 1994 in zwei Teile geteilt, um Juden und Muslimen getrennten Zugang und gleichzeitige Nutzung zu ermöglichen. Aktuell werden parallel 80% der Fläche der Höhle als Moschee und 20% als Synagoge genutzt. An zwanzig Tagen im Jahr jedoch, zu hohen religiösen Anlässen und unter strenger Israelischer Militärkontrolle, wechselt die Höhle für einen Zeitraum von 24 Stunden den Besitzer, sodass jede Seite die Stätte allein nutzen kann. „ABRAHAM ABRAHAM“ folgt einem solchen „Tausch“ anlässlich eines muslimischen Feiertages im Juli 2012: Innerhalb weniger Stunden wird der jüdische Teil der Anlage von allen jüdischen Artefakten befreit, von der Armee einer Sicherheitskontrolle unterzogen und steht dann einige wenige Momente leer, bis die Muslime den Raum für die nächsten 24 Stunden als Moschee ausstatten. „SARAH SARAH“ dokumentiert einen solchen Tausch in die andere Richtung, anlässlich eines jüdischen Tages zu Ehren der Parshah im November 2012. Die beiden Videos sind einander gegenüber in 10 Metern Entfernung angeordnet und zwingen so den Betrachter, seinen Blick ständig von einer Seite zur anderen zu wenden.

„Die „OSTRALE‘O16“ vereint unter dem Motto ‚error: X‘ künstlerische Positionen aus aller Welt, die in individuellen, subtilen bis offensiv-entlarvenden Ausdrucksweisen historische und aktuelle Verwerfungen des Weltgeschehens reflektieren, ohne dabei auf augenzwinkernde und Hoffnung gebende Haltung zu verzichten.“, beschreibt die künstlerische Leiterin der Ostrale, Andrea Hilger.

Die Ostrale zeigt noch bis 25. September Werke von Künstlern aus 42 Nationen in Dresden. http://www.ostrale.de

Text + Fotos: Pressestelle/Ostrale

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