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Foto: Robert Jentzsch

Verrückt, launisch, abgedreht, komisch und traurig wie die Liebe ist diese Liebes(kummer)komödie nach dem Roman von Conni Lubek nun erstmals auf der Bühne zu erleben.

Rohe Zwiebeln sind ein wichtiger Schritt zur emotionalen Befreiung!, verrät Lapared ein Rezept gegen Liebeskummer. Selbstverständlich alle selbst ausprobiert. Sie hat sich gerade von ihrem Traummann getrennt, für den sie jedoch zwei Jahre lang nur sein „Kumpel mit Brüsten“ war. Über Trennungsschmerz und wie man ihn heil übersteht, erzählt das Stück „Herztrittmacher“ nach dem Roman „Anleitung zum Entlieben“ von Conni Lubek.

Die Liebes(kummer)komödie hatte am Freitagabend Premiere in der Comödie Dresden, die zugleich ihr 20jähriges Bestehen feierte und die Besucher im Foyer mit süßen Leckereien überraschte. Ein trostlos graues Podest mit Regalfächern und weißem Sofa zum Ausheulen, Zuhören und für den nächsten Liebeskandidaten dient als Spielkulisse. Beim Auspacken der Umzugskisten erzählt Lapared (trotzig-entschlossen und reichlich überdreht: Gisa Zach) ihre Geschichte. Die so verrückt, launisch, abgedreht, komisch und traurig daherkommt wie die Liebe selbst. Lapared ist Mitte dreißig, Psychologin und Werbetexterin, hat nur für eine Zimmerpalme und ihr Patenkind Ruth in Afrika zu sorgen und lässt im Internet alle Welt teilhaben an ihrem „Trennungsprojekt“ auf ihrem Blog und späteren Bestseller „Anleitung zum Entlieben“.

Als „lustigster Liebeskummer des Jahres“ auf der Theaterbühne vollmundig angekündigt, löst der an sich witzige Text in der Bühnenfassung und Regie von Christian Kühn dieses Versprechen leider nicht ein. Oder was ist komisch daran, wenn Lapared sich erst voll stopft mit Käsekuchen und Pizza und dann mit Fitness und Fastenkur samt Darmsanierung wieder herunter hungert, mal mit Weinflasche und Staubsauger wild hantiert und zum Roland-Kaiser-Schlager missmutig  tanzt? Telefon und Laptop stehen immer griffbereit, die Verlassene größtenteils allein monologisierend auf der Bühne, wo sie redet, bangt, hofft und nachtrauert dem nun verächtlich „119“ genannten Verflossenen nach dem Platz auf ihrer Partnerbörsenliste.
Die anderen Darsteller tauchen nur am Rand auf wie ihr dickfellig-fürsorglicher bester Freund Robert (Thomas Gimbel), ihre flippige Schwester Anna (Kathrin Jaehne) und ihr neuer, liebevoll-aufopfernder Lover Dick (sehr parodistisch: Ron Holzschuh). Witzig-rührend sind lediglich die Dialoge mit der Stoffpuppe Curd Rock als Seelentröster und Ratgeber. Nach der Pause waren die Zuschauerreihen deutlich leerer und die anderen wurden am Schluss mit einem Happy End belohnt. Dennoch herzlicher Beifall für einen emotionsreichen Theaterabend mit viel Herz und Anspruch.

Nächste Vorstellungen: 6. und 7.9., 19.30 Uhr; 4. und 11.9., 15 Uhr

 

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