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Wunderkammer zum Staunen und Schmunzeln

Die Ausstellung „100 Jahre DaDa“ im Lügenmuseum versammelt schön absurde Dinge von über 20 Künstlern aus acht Ländern.

Donnergrollen zieht geräuschvoll am Kunsthimmel herauf. Ein Papierflugzeug fliegt zwischen weiß aufleuchtenden Wattewolken hindurch. Gleich neben dem „Gewitter aus Rio“, das den Künstler Justus Ehras offenbar sehr beeindruckt und zu seiner Installation angeregt hat, steht der urige Holzstand des brasilianischen Künstlers Getulio Damado. Mit Strohdach, Glocke zum Läuten und einer Fülle lustiger Figuren, die er aus Abfalldingen wie Flaschendeckeln neu zusammensetzt. Er hat sein Atelier in Santa Teresa in einer Straßenbahn. Seine urbane Kunst zeigte Damado bereits im Labyrinth-Gelände beim diesjährigen Herbst- und Weinfest in Radebeul.

Nun stehen seine originellen Abfallmännchen neben anderen eigenwilligen Kunstwerken von mehr als 20 Künstlern aus Chile, Deutschland, Japan, Niederlande, Philippinen, Spanien und Slowakei. Einige luden im Sommer innerhalb des mehrteiligen Kunstprojekts „WuKaMenta“ auf dem Dresdner Neumarkt vis a vis zur Frauenkirche bereits zum Staunen und Schmunzeln ein und sind nun in der Ausstellung „100 Jahre DaDa“ im Lügenmuseum Radebeul zu sehen. Eröffnet wurde die von der Stadt Radebeul und dem Verein „Kunst der Lüge“ e.V. geförderte Schau über die Wunderkammern zeitgenössischer Kunst am Freitag abend im alten Gasthof Serkowitz auf der Kötzschenbrodaer Straße 39. Dazu gab es Klänge von Jan Heinke und Robert Hennig, zu denen der Radebeuler Künstler Klaus Liebscher live malte wie schon beim Aktions­-Painting auf dem Neumarkt, wo er grauen Teppichbelag aus der Bewegung heraus mit spontanen Farbdosenschwüngen in ein farbenfrohes „Bodengemälde“ verwandelte, über dem nun luftig-leichte Stoffketten wie Segel schweben in der Installation
“Normal mit Flügeln“ von Dorothee Kletzsch.

Der Berliner Künstler Ulli Sachse las aus dem ersten „Dadaistischen Manifest“ aus deutschen Landen von 1916. Einhundert Jahre nach der Eröffnung des Cabaret Voltaire in Zürich der ersten Dadaisten erinnert die „DaDa“-Ausstellung im Lügenmuseum an den „Urknall des künstlerischen Zweifelns“, so Inhaber und Ausstellungsinitiator Reinhard Zabka. Der „letzte Dadaist aus dem Wilden Osten“, wie ihn die Wochenzeitung ZEIT einmal nannte. Er selbst verbindet mit dieser Kunstrichtung „unkonventionelle Ideen, die Demontage von Sinn und eine Geisteshaltung mit Biss.“ Dazu gehören auch seine kuriosen „Maschinen zur Belustigung“, ein aufklappbarer Schrank mit Dingen und Stimmen aus der DDR-Zeit oder das „Reisehuhn Emma“, bestehend aus einem Schaukelpferd auf Rädern mit offenem Wohnkarren.

Die „Dada“-Ausstellung versammelt Bilder, kinetische Objekte und Installationen von skurril, poetisch, verrückt-komisch bis schwarzhumorig aus Geschichte und Gegenwart. Darunter witzige „Orakel“-Karten der Künstlerin Annamateur, die Persiflage „Pegida-Milch“ mit schwarz-rot-goldenen Kühen von Lutz Fleischer, eine Reibeisen-Kette von Anette Blunk und eine „Wehrpasseinwurfbox“ von Olaf Spillner. Ein altes, schnarrendes Telefon mit rotem Leuchtsignal, Wanzenschatten und der Aufschrift: „Sichere Verbindung“ stellt Justus Ehras Gesichtern von Wissenschaftlern mit Leuchtbrillen, voller elektronischer Chiffren gegenüber. Weiter vorn thront ein Storchennest auf einem rot-weißen Verkehrskegel von Komatsu Tsunetaka. Die Ausstellung „100 Jahre DaDa“ ist noch bis 31. Dezember im Lügenmuseum Radebeul zu sehen.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Sa und So, Ferien und Feiertage von 13 bis 18 Uhr.

http://www.luegenmuseum.de

Wo die Lüge zur Kunst wird…

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http://www.luegenmuseum.de

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