dscf8117dscf8121

dscf8131

dscf8123-grdscf8125-gr

 

Lustvoll-ironische Blicke auf Postbarock und Dresdner Romantik wirft Holger John in einer Ausstellung seiner Zeichnungen in der Rähnitzgasse (noch bis 16.  Oktober).

„Der Zeitgeist“ dreht sich als messerscharfe Windblume um sich selbst – und beflügelt die spitze Zeichenfeder von Holger John. Heiter-spöttisch und lustvoll-ironisch bis sarkastisch nimmt er Elbflorenz wie es leibt und lebt auf die Schippe, betrachtet mit bewusst pseudo-verklärtem Blick von außen – als gebürtiger Preuße und Mann von der Küste, genauer von der Insel Usedom – das postbarocke Dresden in seiner derzeitigen Ausstellung „Holger John – Zeichnung“ in seiner Galerie in der Rähnitzgasse 17 im Dresdner Barockviertel (noch bis 16. Oktober zu sehen).

Es ist eine kleine, feine Retrospektive mit einhundert ausgewählten Zeichnungen mit Feder, Pinsel und Tusche aus einem Oeuvre von 10 000 Zeichnungen, die zeigen: Zu erzählen hat  John in seinen witzig-hintergründigen Frage- und Suchbildern viel. Mehr leise, subtil und (er)findungsreich als grell, schnell und laut, womit  sie dem Zeitgeist eher entgegenstehen. Was den Geist- und Kunst-Genuss beim Bilderbummel zu Musik von Eric Satie nur erhöht.

Als selbsternannter Stadtzeichner ohne Apanage ist Holger John angetreten, die Stadt zu retten vor all zu viel gestriger Selbstbespiegelung, Koketterie und neuem Kleingeist. Er verfrachtet August den Starken kurzerhand ans Meer, wo ein frischer Wind weht. Dort räkelt sich auch schon die Schlummernde Venus mit Ente, Leda verlustiert sich mit einem Schneemann, ist auch einem Schoßhündchen und einem Fisch nicht abgeneigt… Das Dresdner Schokoladenmädchen taucht fünf Mal auf, verlockend mit Kakao und oben ohne und serviert Dresden unter der Glasglocke, mit puderzuckriger Altstadtkulisse und zuletzt ganz versunken unter dem Schriftzug „Dresden 2016“. Was muss da noch alles passieren, damit die Stadt wieder auftaucht… Neben Postbarock und Dresdner Romantik ist Maritimes zu sehen. Gleich acht Blätter vom Fischer un sin Frau, Meerestiere, Mädchen am Meer und Nixen, eine mit einer Schatzkiste voller Herzen… Außerdem Eva  am Kreuz und in Umkehrung das „Urteil der Pariserin“: das Strandmädchen erwählt den armen Matrosen mit leer herausstehenden Hosentaschen und einem weiten, träumenden Herzen.

Und auch John öffnet seines weit. „Die Zeichnung ist die unmittelbarste Kunstform. Sie geht über die Hand, Herz, Geist und Seele. Da kannst du nichts verstecken. Jeder Strich ist erkennbar“, sagt Holger John über seine Bilder. Das Zeichnen sieht er wie Poesie und Tagebuch führen. Immer gehe es um das Menschenbild, real bis verrückt. Als Galerist (da trägt er Hut) spielt John seine „längste Performance. Eine Art Welttheater auf zwei Etagen, Bildung in Sachen Kunst, Vermittlung und Vermietung der Galerieräume für Workshops etwa an die Kulturstiftung des Bundes…“ Um die Kunst in der Toplage zu finanzieren.

Die nächste Ausstellung: „Joachim John. Die neue Zeichnung“ widmet er seinem Vater. Mit seinen 84 Jahren zeichne er wie ein Junger, immer noch ein Querdenker. Die Auswahl und Zusammenarbeit mit ihm sei das „Schwierigste und Schönste der Welt“, so Holger John.

Die Ausstellungseröffnung ist am 20. Oktober, um 18 Uhr in der Galerie Holger John. Es spricht: Matthias Flügge

Geöffnet: Mi – So von 14 bis 19 Uhr
http://www.Galerie-HolgerJohn.com

dscf8120

Text + Fotos (lv)

Advertisements