Weihnachten in der Krise

Wie Schenken zum Fest wird in unsicheren Zeiten, erzählt mit reichlich schrägen Klängen und schwarzhumorig der satirische Jahresrückblick im Dresdner Kabarett Breschke & Schuch.

Inmitten von Lichterglanz und Tannenbaum stehen drei lebensgroße Geschenkkartons auf der Bühne. Sie schubsen sich gegenseitig und streiten, welches hält, was die Verpackung verspricht. Wie Schenken zum Fest wird in Krisenzeiten, davon erzählt mit viel Witz und Wut im Bauch das Programm „Striezelmarktwirtschaft 2016“. Der satirische Jahresrückblick hatte am Dienstag abend Premiere im Kabarett Breschke & Schuch.

Aus den Geschenkkartons kommen die drei Kabarettisten Manfred Breschke, Thomas Schuch und Daniel Vedres zum Vorschein. Sie nehmen der Weihnacht den heiligen Schein und den allgegenwärtigen Konsumterror, heile Fantasy-Spielzeugwelten und leere Versprechen der Politik humorvoll und unterhaltsam aufs Korn. Die weihnachtlichen Klänge werden immer wieder von der rauen Realität durchbrochen. In schneller Folge aus älteren und tagesaktuellen, vom Blatt gelesenen Texten, Liedern und Figuren prallen die Gegensätze von arm und reich, banale Problemchen wie Fettabsaugung auf dem Kreuzfahrtschiff, absurde geschlechterspezifische, männlich-weibliche Sprachverdrehungen bis hin zum schwarzhumorigen Notvorrat-Szenario für die nächste Krise aufeinander.

Das Lachen gefriert bei Songs wie „Kein bisschen Frieden“ und einer bissigen „Mach weiter!“-Merkel-Parodie in orientalischem Sound über ihr Stillhalten gegenüber dem türkischen Diktator Erdogan. Unterm Tannenbaum in der Glühweinbude lassen Breschke und Schuch kräftig Stammtischparolen ab und beschwipst tief blicken in die geplagte Kleinbürgerseele. Sie reden über Pegida, den Islam und die Scharia, mit der manche Männer hierzulande nicht in ihr Rollenbild passende Frauen und Politiker auch gern bestrafen würden. Da wird die Bescherung am Einheitsfeiertag in Dresden mit den Pöbeleien von Pegida-Demonstranten gegen Angel Merkel und andere Spitzenpolitiker betrachtet. Appelliert sie in einem auf einen Geschenkkarton projizierten Video an christliche Werte, immerhin stehe doch ein „C“ im Namen ihrer Partei. Und äußert sich besorgt, wie viele Weihnachtslieder ihre Landsleute denn noch kennen, sonst gehe uns ein Stück Heimat verloren.

Da wird „der Stinkefinger als gesamtdeutsches Lebensgefühl“ und inzwischen „Begrüßungsritual“ ausfindig gemacht von Breschke. Und schlägt er gewitzt vor – mit Blick auf das mit erhobenem Finger dastehende Mannsbild des Künstlers Penck auf dem Dach des Art`otels –   den „Dresdner Finger“ als neues Weltkulturerbe zu beantragen. Köstlich die Szene mit Breschke und Schuch als altes schrulliges Paar, das erst mit der im Hochwasser davon geschwommenen Laube und nun mit der Flüchtlings- und seiner Ehekrise kämpft und alte und neue Klischees und Feindbilder über die „bösen Russen“, die angeblich schon im Anmarsch seien, trocken komisch auf die Schippe nimmt.

Mit reichlich witzig-schrägen Klängen auf Posaune, Schlagzeug, Nasenflöten, Krückstock und Plastrohren begleitet der Musikkabarettist Vedres aufrüttelnd diese wenig anheimelnde Striezelmarktwirtschaft. Zu guter Letzt erscheinen Breschke und Schuch als urige Erzgebirgler mit Fellmützen und überlegen was wäre, wenn alle sich Liebe schenken. Nicht nur zu Weihnachten. Viel Beifall vom Publikum.

Foto: PR/Kabarett Breschke & Schuch

Die nächsten Vorstellungen: 24., 25., 26., 29. und 30.11., 19.30 Uhr

http://www.kabarett-breschke-schuch.de
Tel.: (0351) 490 4009

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