“Wir haben einen Schatz mit der Kunstsammlung Radebeul“

Die Ausstellung „Neueste Schenkungen“ zeigt Werke aus Nachlässen von vier Künstlern in der Stadtgalerie Radebeul.

Ein Bildnis zeigt eine Frau in geblümtem Kleid mit feschem Hut. Das Ölbild von Marion Wilhelm, der Frau des Malers entstand um 1930. Neben ihr hängt ein Selbstporträt von Paul Wilhelm mit Hut und Pinsel, um 1950. Er gehört zu den bekanntesten Künstlern der Lößnitzmalerei neben Karl Kröner und Theodor Rosenhauer.
Es sind zwei herausragende Werke in der Ausstellung „Neueste Schenkungen“ für die Städtische Kunstsammlung Radebeul, die derzeit in der Stadtgalerie in Altkötzschenbroda 21 zu sehen sind. Diese vereint außerdem Malerei, Grafiken, Objekte und Dokumente wie  Fotos und Skizzenbücher von Dieter Beirich, Horst Hille und Dieter Melde. Der Maler und Grafiker Dieter Beirich weiß sein reichhaltiges Werk noch zu Lebzeiten gut aufbewahrt in der Städtischen Kunstsammlung Radebeul und erlebte die Ausstellungseröffnung mit, auch wenn das Gehen schon schwer fällt. Die anderen Arbeiten stammen aus den künstlerischen Nachlässen und widerspiegeln lebhaft und kontrastreich das vielseitige Schaffen dieser Künstler. Die Natur und Erlebnisse des Moments hält Dieter Beirich in seinen atmosphärisch dichten, auf und ab schwingenden, abstrakten Farblandschaften fest.

Licht und Farben des Südens durchziehen die meist kleinformatigen Bilder und Materialcollagen von Dieter Melde, der gern auf Kreta weilte, in denen er figürlich-zeichenhafte und florale Formen faszinierend verwebt auf hellem und dunklem Hintergrund. Von Horst Hille sind neben seinen bekannten, verschmitzt-sinnenfrohen Miniatur-Grafiken wie „Paradiesgärtlein“ drei Arbeiten aus der Wendezeit von 1989 bis 1992 zu sehen. Mit feinem Humor nimmt er das Groteske des ausklingenden DDR-Alltags zwischen wehenden Fahnen und Konsumseligkeit aufs Korn. Für die Schenkung der Kunstwerke an die Städtische Kunstsammlung dankte Bürgermeister Winfried Lehmann den Hinterbliebenen sowie dem Förderkreis der Stadtgalerie Radebeul. Dieser ermöglichte mit einem Zuschuss von 1 500 Euro den Erwerb des Porträts, das Marion Wilhelm darstellt, aus seinem Fond, der damit allerdings auch aufgebraucht ist. Der Förderkreis der Stadtgalerie mit derzeit 12 Mitgliedern hofft daher auf weitere Unterstützer.

Den künstlerischen Nachlass von Horst Hille betreut seine Lebensgefährtin Ute Gebauer und um das hinterlassene Werk von Dieter Melde kümmert sich nun seine Tochter Mara Woldt. „Mir ist es wichtig, dass seine Arbeiten in öffentlichem Besitz und allen zugänglich sind“, sagte sie. Das sei auch im Sinne ihres Vaters. Mara Woldt ist noch mit dem Sichten und Erfassen der Bilderfülle, darunter auch viele Zeichnungen und Aquarelle, beschäftigt. In der Stadtgalerie Radebeul wird erstmals ein kleiner Schaffensausschnitt aus dem Werk von Dieter Melde vorgestellt. Er lebte eine Zeitlang in Radebeul-Zitzschewig sehr naturverbunden und war nach seinem Studium der Theatermalerei und Plastik an der Kunsthochschule seit 1990 dann freischaffend als Künstler in Dresden tätig.

„In seinem und anderen Nachlässen gibt es noch viel zu entdecken. Mit der Städtischen Kunstsammlung besitzt Radebeul einen Schatz, den es zu pflegen und vermehren gilt“, sagte Stadtgaleristin Karin Baum zur Ausstellungseröffnung. Dort werden bereits Werke von über 150 Künstlern aus der Lößnitzstadt sorgsam aufbewahrt. Außerdem steht dieses Jahr gleich ein dreifaches Jubiläum bevor: „Wir feiern 35 Jahre Stadtgalerie Radebeul, davon 20 Jahre am neuen Standort in Altkötzschenbroda und und das 25jährige Bestehen der Kunstsammlung Radebeul mit einer großen Ausstellung im September“, so Karin Baum.

Die Ausstellung mit den neuesten Schenkungen ist noch bis 12. März zu sehen, an diesem Tag findet auch eine Sonderführung um 16 Uhr statt.

Öffnungszeiten: Di., Mi., Do., So. von 14 – 18 Uhr.

Text + Fotos (lv)

Titelbild: Bildnis Marion Wilhelm, der Frau des Malers, um 1930 und Selbstbildnis mit Hut von Paul Wilhelm, um 1950.

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