Fotos: David Baltzer

Von Schein und Sein der Integration von Flüchtlingen erzählt die schwarzhumorige Komödie des Syrers Ibrahim Amir – nicht umsonst in Dresden uraufgeführt.

Sie sprechen gut deutsch, sind gut gekleidet und tragen alle blondes Haar. Doch unter der Fassade brodelt es heftig in der Komödie
“Homohalal“ des Syrers Ibrahim Amir.

Der faule Zauber von vermeintlicher Integration einstmals Geflüchteter fliegt schnell auf in dieser bitterbösen, schwarzhumorigen Inszenierung von Laura Linnenbaum, die im Kleinen Haus des Staatsschauspiels in Dresden ihre Uraufführung erlebte. Der in Wien lebende Autor Ibrahim Amir arbeitete zwei Jahre lang in Workshops mit Flüchtlingen und Aktivisten zusammen, aus dieser Arbeit entstand das Stück „Homohalal“. Da gibt es keine Tabus, wird kein Klischee ausgelassen über Flüchtlinge und Deutsche, Willkommenskultur, echte und unterlassene Hilfe. Da wird kräftig parodiert und Klartext geredet über Wünsche, Werte und raue Wirklichkeit. Das Stück suggeriert eine andere Realität, als sei alles bestens. Es spielt im Jahr 2037.

Videobilder mit glücklichen Hochzeitspaaren flimmern eingangs über den Bühnenvorhang. Dann tritt ein junger Syrer auf, Rouni Mustafa, der jetzt in Dresden lebt und seine Geschichte erzählt. Immer wieder, routiniert, amüsiert und wütend. Er ist es leid, immer wieder über das zu sprechen, was er vergessen will. Doch keiner fragt, was für ein Mensch er ist. „Ich spiele euch was ihr wollt. Was soll ich euch spielen?“, fragt Rouni ins Publikum.

Er taucht in verschiedenen Rollen auf: als Hamlet, Unruhegeist und Jamals Freund Michi, der der blinden Gewalt des Vaters gegen Schwule zum Opfer fällt. Es ist nur ein Konflikt in einer Kette offener Fragen und alter Wunden, die jäh hervorbrechen beim Wiedersehen einer Gruppe von Freunden und Geflüchteten von einst. Sie treffen sich wieder auf der Trauerfeier für den einstigen Weggefährten Abdul, der vor 20 Jahren in die Stadt kam und angeblich Selbstmord beging.

Da erinnert man sich an alte Zeiten, Kämpfe und Liebesromanzen, streitet erbittert, betet gen Mekka und explodiert die Urne von Abdul auf der Bühne. Da wird geraucht, getrunken und kommen reihum unbequeme Wahrheiten ans Licht. Da beklagt seine Exfrau Albertina (Anna-Katharina Muck) die kulturellen Differenzen ihrer Ehe, trifft die lebenslustige und spirituell bewanderte Barbara (Elzemarieke de Vos) auf ihren Exliebhaber, den sittenstrengen Said aus dem Irak (Matthias Luckey),  der seinen schwulen Sohn Jamal (Thomas Kitsche) beinah umbringt, während der andere, Jussef (Valentin Kleinschmidt) islamistische Parolen ruft. Ausgerechnet Saids schicke, gebildete  Frau Ghazala (Annedore Bauer) greift am Ende zur Waffe in übertriebenem Sicherheitswahn, bis sie zugemauert ist. Herzlicher Beifall und viel Stoff zum Nachdenken über echte Integration.

Nächste Termine: 4. und 13.4., 19.30 Uhr; 1. und 9.5., 19.30 Uhr

Werbeanzeigen