Fotos: Anuk Fotografie

Eine humorvoll anrührende Reise durch die
Welt von Alzheimerkranken

Wenn der Kopf nicht mehr weiß, was das Herz will. Davon erzählt das Stück „Honig im Kopf“ nach dem erfolgreichen Kinofilm in der Comödie Dresden.

Das Essen steht im Bücherregal, da in der Spülmaschine kein Platz war. Aus den Lieblingsschuhen der Schwiegertochter will der alte Mann einen Kuchen backen und fackelt fast die Wohnung ab. In der Familie von Amandus Rosenbach ist nichts mehr wie es war seit seiner Alzheimererkrankung. Davon erzählt das Stück “Honig im Kopf“ nach dem gleichnamigen erfolgreichen Kinofilm von Hilly Martinek und Til Schweiger in einer Bühnenbearbeitung von René Heinersdorff. Die Premiere war am Freitagabend in der Comödie Desden.

Auf der fast leeren Bühne sitzt ein Mann allein auf einem Stuhl. Das Scheinwerferlicht wandert zwischen ihm und den einzelnen Familienmitgliedern wie aufscheinende Erinnerungen aus dem Dunkeln. Alzheimer ist wie Honig im Kopf, zähflüssig und klebrig. Das Gehirn kann man sich wie ein Bücherregal vorstellen, aus dem mal hier und mal da ein paar Bücher umkippen bis alles vergessen ist. So erklärt Tildas Vater, was mit ihrem Opa los ist.

Amandus Rosenbach (voll naiv-liebenswertem Charme und würdevoll: Hannes Fischer) vergisst und verwechselt immer mehr Namen, Dinge und Orte. Doch an den Heiratsantrag an seine geliebte Frau Margarethe in Venedig und ihren Apfelkuchen erinnert er sich noch genau. Nach dem Tod seiner Frau nimmt ihn zunächst unbekümmert Sohn Niko (Heiner Junghans) in seiner Familie auf, deren straff getimter Alltag samt pikanter Geheimnisse des Paars der alte verwirrte Herr mächtig durcheinander wirbelt. Bald nervt seine Frau Sarah (Meike Anna Stock) der schusselige Amandus nur noch. Hinter einer Flügeltür stehen seine Sachen, Möbel und Erinnerungsstücke übereinander gestapelt wie das Durcheinander in seinem Kopf. Bilder und Erlebnisse aus der Kindheit steigen wieder auf, unwichtige und wertvolle Dinge und Momente des Lebens sortieren sich neu.

Als der Vater von Tilda (kess und mitfühlend: Farina Violetta Giesmann) in seiner Verzweiflung den Opa in ein Heim geben will, entführt sie Amandus auf eine abenteuerliche Reise nach Venedig und hält sie mit der Kamera fest. Umgeben von kleinen Leuchthäusern, Booten und Säulen kommen sich auf der Suche nach ihnen auch Tildas Eltern wieder liebevoll nahe.

In einer Mischung aus Schauspiel und Videobildern erzählen und spielen die vier Darsteller. Höchst komisch, voller anrührender, aufwühlender, trauriger und schöner Momente, hin und her reißend zwischen Lachen, Weinen, Staunen und Ratlosigkeit kam diese Geschichte über Erinnerungsverlust und unvergessliche Gefühle auf die Bühne unter Regie von Ingmar Otto. Herzlicher Beifall vom Publikum. Mit einer Spendenaktion unterstützen die Schauspieler die Alzheimer-Gesellschaft in Dresden zudem beim Einrichten eines Fonds für Bildungsfreizeiten für betroffene Familien.

Nächste Vorstellungen: am 30. und 31. Mai, um 19.30 Uhr

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