Geheimnisvolle geliebte Wesen

In eine Bilderwelt voller Magie und Geschichten entführt die Künstlerin Christiane Latendorf ab 14. Juli in der Stadtgalerie Radebeul.

Sie ist eine Bilderzauberin. Christiane Latendorf hört und erzählt gern Märchen und Geschichten und deren Zauber wohnt auch vielen ihrer Arbeiten inne. Da tummeln sich allerlei Tag – und Nachtgeister, und Mischwesen, halb märchenhaft und menschlich auf den Leinwänden und Papier. Umgeben von Bilderwänden voller Getier, Vögel, Tauben, Raben, Katzen, Schlangen und magisch maskenhaften Gesichtern, die an alte indianische und afrikanische Kulturen erinnern, steht die Künstlerin und sieht sich lächelnd um im Galerieraum.

Sie trägt meist ein Käppi auf dem schulterlangen, blonden Haar und hat immer ein Skizzenbuch dabei. Darin zeichnet und schreibt sie ihre Gedanken auf und findet ihre Träume immer auch im Alltag. Mit ihren ebenso klaren wie symbolreichen Ölbildern, Zeichnungen, Scherenschnitten, Collagen und Objekten entführt Christiane Latendorf den Betrachter in eine farbreiche Welt zwischen Traum und Realität. Bei allen schönen und traurigen Lebensmomenten zaubern sie immer auch ein Lächeln ins Gesicht. Unter dem Titel „Geliebtes Wesen“ eröffnet ihre erste Einzelausstellung in der Stadtgalerie Radebeul am 14. Juli, um 19.30 Uhr in Altkötzschenbroda 21.

Hier hat Christiane Latendorf schon bei verschiedenen künstlerischen Gemeinschaftsprojekten zu Themen wie „Heimat, die ich meine“ und „Paradiesvögel“ mitgewirkt und sie ist oft beim jährlichen Künstlerfest in der Stadtgalerie und beim Radebeuler Grafikmarkt dabei. „Mir gefällt die Atmosphäre und der Umgang zwischen den älteren und jüngeren Künstlern, weil es dort noch mehr Zusammenhalt und Austausch gibt, was der andere macht“, sagt Christiane Latendorf.

Die Ausstellung versammelt Arbeiten von 2001 bis 2017 und einige eigene Gedichte. Vieldeutig wie ihre Bilder ist auch der Ausstellungstitel. Ein geliebtes Wesen ist etwas, dem man sich besonders verbunden fühlt, an das man denkt und sich erinnert, auch wenn es nicht mehr da ist, so die Künstlerin. Es können Menschen sein, die man lange kennt und einen begleiten, aber auch Tiere, Pflanzen und Steine und das Verbundensein mit ihnen und der Welt.

Die Bilder erzählen fabulierfreudig, poetisch, skurril und geheimnisvoll von unverhofften Begegnungen, von ihren Reisen, von verlorenem und wiedergefundenem Glück. Ein Ölbild, „Zerbrochene Welt“ widmet sie dem bekannten Radebeuler Künstler Ingo Kuczera, den Christiane Latendorf seit ihrem Studium kannte und dessen Tod 2004 ein Schock für sie war. Sie porträtierte die Künstlerkollegen Peter Hermann und Klaus Liebscher. Lustig und anrührend sind auch ihre Bilder geliebter Tierwesen, welche die Malerin zuweilen einsam, hilflos und verletzt unterwegs findet, zuhause aufnimmt und pflegt. Manche bleiben bei ihr wie die Katzen Katka und Kito, die nach dem letzten Hochwasser in Dresden 2012 zu ihr kamen, die Krähe Merry, die ihr aus der Hand frisst und der Papagei Coco.

Da begegnet man ungleichen Tierpaaren wie Hirsch und Vogel, Fuchs und Huhn in trauter Harmonie in leuchtendem Rot und Nachtblau. Segelt ein Wolkenschaf aus dem Himmel und spaziert ein gelber Dackel mit einer kleinen Schnecke auf einer Wiese. Da fühlt sich die prallrunde Frau in einem Aktbildnis federleicht und wohl in ihrer Haut wie der kleine Vogel vor ihren Augen. Figürliches und Stadtlandschaften verbinden sich formenreich in ihren Arbeiten. Das Meer mit seinem Wellenspiel zeige ihr auch abstrakte Muster, sagt Christiane Latendorf. Auch wenn ihr oft nur wenig Zeit bleibt an der Ostsee, wenn sie ihre Eltern in Anklam besucht. „Doch man kann das Meer und was man liebt auch in sich tragen.“ In ihren Scherenschnittkursen beginnen die Kursteilnehmer auch mit offenen, freien Formen.

Christiane Latendorf wurde 1968 nahe der Küste geboren und absolvierte neben ihrem Studium zur Pharmazieingenieurin ein Abendstudium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Außerdem studierte sie von 1992 bis 1997 an der Dresdner Kunsthochschule, verließ sie mit ausgezeichnetem Diplom und lebt seitdem als freischaffende Malerin und Grafikerin in Dresden. Im September reist sie für drei Wochen nach Georgien, um in Tiflis und Umgebung mit befreundeten einheimischen Künstlern zu malen und die Gegend zu erkunden. Außerdem soll das schon länger geplante Buch „Geliebtes Wesen“ mit Bildern von Christiane Latendorf und Gedichten von Dieter Hoffmann nun bald erscheinen. Wenn alles klappt, gibt es daraus auch eine Lesung zur Finissage der Ausstellung am 27. August.

Geöffnet:  Di., Mi, Do und So von 14 – 18 Uhr

Text + Fotos (lv)

Das Bild „Zerbrochene Welt“ ist dem Künstler Ingo Kuczera gewidmet

Porträts von Peter Herrmann und Klaus Liebscher

Christiane Latendorf und Stadtgaleristin Karin Baum beim Ausstellungsaufbau

Alles gut im Griff: Mitarbeiterin Ingrid May

Fotos (2): Karin Baum/Stadtgalerie Radebeul

Überraschung zur Vernissage: Christiane Latendorf schenkte Lilli Vostry von meinwortgarten.com ein Katzen-Bild

Buchpräsentation: vor der Finissage der Ausstellung (noch bis 27.8.) gibt es am 25. August, um 19.30 Uhr in der Stadtgalerie Radebeul in Altkötzschenbroda eine Lesung aus dem neuen Buch „Geliebtes Wesen“ mit Bildern von Christiane Latendorf und Gedichten von Dieter Hoffmann.

Advertisements