Foto: Herkuleskeule

Humor ist wenn man trotzdem lacht!

Vier Kabarettisten spielen gegen das „Lachkoma“ an im neuen Programm der Herkuleskeule im Kabarettkeller im Kulturpalast.

Schallendes Gelächter mischt sich in die wirbelnden Klaviertöne, noch ehe die vier Kabarettisten auf der Bühne erscheinen. Rainer Bursche stellt gleich klar: „Nicht die Zuschauer sollen ins Lachkoma fallen, sondern das Lachen selbst liegt im Koma!“ Welche Witze kann man überhaupt noch erzählen, ohne gleich als Demokratiefeind, Rassist oder Nazi dazustehen? Und in der heutigen Welt gibt es auch kaum etwas zu lachen oder?

Sie tun es aber naturgemäß doch in der ganzen humoristischen Bandbreite von spöttisch, derbkomisch bis scharfzüngig-bissig im Programm „Lachkoma“. Die Premiere war am vergangenen Mittwochabend im Kabarettkeller der Herkuleskeule im Kulturpalast. Mit diesem Best-of-Programm aus alten und neuen Texten, zusammengestellt von Wolfgang Schaller unter Regie von Matthias Nagatis, verabschiedet sich der beliebte Sachsenschwejk Rainer Bursche mit viel Selbstironie und leiser Wehmut nach 25 Herkulesjahren von der Kabarettbühne.
Dies war seine letzte Premiere. Mit ihm zusammen stehen zum ersten Mal die neuen Keule-Ensemblemitglieder Katrin Jaehne, bekannt als Schauspielerin vom Boulevardtheater Dresden und Alexander Pluquett vom Berliner Kabarett Stachelschweine samt Trompete auf den Brettern, flott begleitet von Pianist Thomas Wand.

Zunächst etwas verhalten, reden, parodieren, singen und spielen sie sich abwechselnd solo und gemeinsam bald in Hochform und sitzen dabei zwischen allen Stühlen. Die Jungen und der “Kabarett-Opi“ stacheln sich gegenseitig an, sie befragen ihn zu früher und packen temporeich und kurzweilig eine beachtliche Themenfülle an – vom weltweiten Krieg Reich gegen Arm, deutschen Waffenlieferungen in Krisengebiete und scheinheiligen Spenden, der Angst vor Überfremdung („Die übervögeln uns!“), der Ruf nach einem starken Führer wie einst Dschingis Khan bis zur freiwilligen Diktatur durch die Allgegenwart von Smartphone, Internet und Google, absurde Fake News und alarmierende Demokratie- und Wahlmüdigkeit. Rainer Busche erheitert als ordnungsfanatischer Hausmeister Mattuschek, der einen Zwei-Meter-Mann aus dem Publikum anmotzt, der Durchschnittsdeutsche sei nur 1,72 Meter groß. Schön ironisch auch sein swingender „Hinterbänklerblues“ über einen Abgeordneten, der nur zum Armheben gebraucht wird.

Für Lachen und Gänsehaut sorgen die vier Kabarettisten mit dem „Fundamentalisten Rap“ gegen Hass und Intoleranz. Katrin Jaehne erhält für ihre bissige Parodie einer mit Alkohol, Drogen etc. ihrer Schüler und deren anspruchsvollen Eltern völlig überforderten Lehrerin Szenenbeifall. Alexander Pluquett beklagt umher turnend verzweifelt-komisch sein Los als gestresster Millionär, der vom einfachen Leben mit Kleingarten träumt. Trotz aller Widrigkeiten lassen die Kabarettisten sich den Humor nicht nehmen und geben dem Publikum mit frohem Pfeifen nach einem Lied von Monty Pyton mit auf den Weg: “Alles kannst du verlieren, nur nicht den Mut. Sagt den mächtigen Leuten, nehmt euren Hut!“ Herzlicher Beifall und Bravos vom Publikum.

http://www.herkuleskeule.de

 

Advertisements