Die Ratten verlassen das sinkende Schiff
und der Sensenmann grinst schalkhaft

Die symbolreich figürlichen Bilder von Angela Hampel in ihrer neuen Ausstellung in der Galerie Mitte in Dresden spiegeln unheilvolle Zustände in der Welt, verlieren trotz aller Schwärze aber nicht den Sinn für Schönes. Die Finissage der Ausstellung im Beisein der Künstlerin ist am 20. Januar, um 19 Uhr.

Schwarz sehen – eine dunkle Vorahnung haben, Unheilvolles befürchten für eine Entwicklung, die nicht mehr aufzuhalten ist. Wut und Schmerz, Liebe und Tod, Düsternis, Verletzlichkeit, aber auch viel Schönheit, Sinnlichkeit, Kraft und Mut weiterzugehen in diesen rauen, konfliktreichen Zeiten, wo selbst der Kasper flieht mit schreckweiten Augen, die Ratten in edlem Zwirn das sinkende Narrenschiff verlassen, zeigt die Malerin Angela Hampel in ihrer derzeitigen Ausstellung „Schwarz sehen“ in der Galerie Mitte auf der Striesener Straße 49/1. Etage, in Dresden.

ZU sehen sind Malerei, Zeichnungen und Druckgrafik vorwiegend aus den letzten zwei Jahren. „Keiner will mehr Verantwortung übernehmen“, sagt Angela Hampel zum Symbol mit dm sinkenden Schiff, das folgt man der Bildperspektive Kurs auf uns selbst nimmt. Da kommt der Sensenmann als „fröhlicher Landmann“ (mit Feuer im Bauch) vor gelb leuchtendem Rapsfeld schalkhaft grinsend daher, trägt eine rote Frauengestalt im Bild „Traurige Ernte“ ein Tablett mit Totenköpfen statt saftiger Äpfel. Zeigt die Malerin sich selbst mit Bezug auf ihren Namen als „Gerupften Engel“ mit versengten Flügeln und in einer Selbstporträt-Serie „Selbst mit Masken der Selkman“, wie sie einst die Feuerlandindianer bei ihren Initionsriten trugen, bevor sie von europäischen Missionaren ausgerottet wurden.

Mal fühlt sie sich wie „In der Schlangengrube“ umgeben von Schrecknissen, Leid und Bedrängnis. Gewaltvolle Szenen in expressiven schwarz-roten Farbtönen wie der Brudermord von Kain und Abel, dargestellt auch in einem frühen Blatt von 1984, tieftraurige Clowns und die drei Heiligen Könige mit Gewehrgurten, ein schwarz eingefärbtes Lamm Gottes und ein Triptychon „Memento mori“, das eng verschlungene, tote Mensch- und Tierüberreste zeigt, wechseln sich ab mit innigen, zarten und kraftvollen Frau-Tier-Bildern. Die Frauen werden begleitet von Gepard, Rabe, Falke, Fisch, Fasanen (asiatisches Liebes- und Glückssymbol), Wolf und Schwan und beschützen sich gegenseitig. Ihre nächste Ausstellung würde sie „Rot sehen“ nennen, sagt Angela Hampel. Hoffentlich ist bis dahin nicht alles zu spät!

Ihre Bildwelt beunruhigt und berührt, fordert heraus, unbequeme Fragen stellend, Halt suchend und wärmend. Einfach wunderbar, unverzagt und ausdrucksreich trotz aller Schwärze sind diese neuen Arbeiten von Angela Hampel.  „Sie weiß, dass ihre Lebenszeit begrenzt ist. Ihre energiegeladenen Bilder sind ein inneres Aufbegehren gegen äußere Zwänge“, sagt die Galeristin Karin Weber über die Arbeiten. Die Dämonie des Menschlichen, einerseits die Sehnsucht nach einem harmonisch  ausbalancierten Weltgetriebe und die grassierende Unvernunft andererseits, die in der Zerstörung ureigenster Lebensgrundlagen gipfelt, seziere die Malerin mit Besessenheit in einem Kaleidoskop von „Sinn-Zeichen“ .

„Sie bekennt Farbe als Künstlerin und sieht und zeichnet und öffnet uns die Augen für Zwischentöne, rückt uns wieder zusammen und bricht das Schweigen, da sie nicht wegsehen kann und das macht Mut“, erklärt Karin Weber.

Innerhalb der Ausstellung gibt es auch eine Lesung mit Texten zur Zeit mit der Schauspielerin Hannelore Koch am 16.12., 19 Uhr in der Galerie Mitte auf der Striesener Straße 49.

Die Ausstellung ist noch bis 20. Januar 2018 zu sehen.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Di – Fr 15 – 19 Uhr, Sa 10 – 14 Uhr sowie nach Vereinbarung


„Traurige Ernte“, 2016

 

 

der Sensenmann als „fröhlicher Landmann“, davor Malerin Angela Hampel
„Gerupfter Engel“


„Kain und Abel“


„Der Kasper flieht“

Edition „Mein kleiner Kater“, Lithografie, Auflage 20 Exemplare
„Quartett im Mondschein“


Galeriemitarbeiter Thomas Bawolski mit Tochter Britta und Enkel Philian
„Die Ratten verlassen das sinkende Schiff“

„Im Paradies“ – in selbiges möchte Angela Hampel einladen zur Finissage ihrer Ausstellung am 25.1., um 20 Uhr in Ladencafé aha auf der Kreuzstraße 7 in Dresden.
Steffen Gaitzsch von der Dresdner Philharmonie wird musizieren.

In ein „Paradies“, in dem Licht und Schatten, Lust, Verführung und Schrecken nah beeinander liegen, entführt Angela Hampel mit ihrer vorwiegend in intensivem Schwarz und Rot gehaltenen Malerei und Arbeiten auf Papier. Da begegnen einem starke, stolze und kalte Mensch-Tier-Wesen und Paare, Frauen mit Tieren wie Schlange, Fisch, Lamm oder Rabe und eine hingebungsvoll mit Auberginen beschäftigte Frau.

Text + Fotos (lv)


Halb verborgen, im hinteren Teil des Ladencafés aha bekommt man noch einen Platz „Im Paradies“ – hier hängt das Titelbild der Ausstellung mit Bildern von Angela  Hampel.

  

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