drei Komiker als (un)heilige Könige nehmen die Verrücktheiten der Welt von heute auf`s Korn. Foto: Kabarett Breschke & Schuch

Humorvolle Reise mit der Zeitmaschine
für mehr Licht

Die drei Weisen aus dem Morgenland tappen im Dunkeln. Einer mit gehörnter Germanenkappe, Alphorn mit Leuchtstern, der andere mit Strohhut, Flöte und Lampion und der dritte mit dunklem Zottelhaar und Trommel rufen nach „Licht“! Kaum auf der Bühne angekommen, streiten sie, welcher Stern die wahre Erleuchtung bringt und wo er sie eigentlich hinführt. Um dies herauszufinden, besteigen die drei Kabarettisten Thomas Schuch, Carsten Linke und Daniel Vedres eine Zeitmaschine und treffen bekannte Gestalten aus Geschichte und Gegenwart in einer Welt, wo Glaube, Liebe und Hoffnung angesichts der vielen Konflikte und Unsicherheiten zunehmend schwerer fällt. So fehlt es auch nicht an deftig komischen, schrillen und schrägen Szenen und Klängen im neuen Programm Striezelmarktwirtschaft 2017 (Regie: Ulrich Schwarz). Die Premiere war am Dienstag abend im Kabarett Breschke & Schuch.

Im beginnenden Weihnachtsmarkttrubel blieben etliche Stühle leer. Unterdessen reisen die Komiker als (un)heilige drei Könige Melchior (Thomas Schuch), Balthasar (Daniel Vedres) und Caspar (Carsten Linke) per Zeitmaschine, mit Videoeinspielung eines um die Erde kreisenden roten Weckers zurück zum Ursprung der Weihnacht. In schnellem Rollen- und Kostümwechsel spielen sie Maria und Josef beim Arzt, der dem Kind Wundervolles und Kreuzschmerzen vorhersagt. Als Geschenke überbringen sie an der Krippe im Stall Schießpulver, Gold und Myrrhe.

Da unterhalten sich Martin Luther und Donald Trump über die Macht von Geld und Glauben, da beklagen drei Wachmänner, dass draußen nichts mehr los sei, erschreckt ein vermeintlicher Terrorist mit umgeschnallter bunter Plastrohrorgel die Passanten und spekulieren zwei ältere Damen pikiert-sensationslüstern mit Blick auf einen Steinewerfer und seine kleine Frau über den Vorfall. Ein süßes, aber schwanzgesteuertes Eichhörnchen beargwöhnen sie skeptisch. Als bekennender Raucher lässt Carsten Linke gehörig Dampf ab gegen „verzichtsüchtige Genussrassisten“ und „Nichtrauchernahkämpfer“. Mit rythmischen Hustengeräuschen und klangreichem Instrumentarium stimmungsvoll begleitet von Musikkabarettist Vedres, was dem zu wortlastigen Programm auch erst Schwung und Würze gibt.

Höhepunkt des  Programms ist eine bissige Parodie auf Politikverdrossenheit, wo ein alter Mann (grandios sturköpfig: Thomas Schuch) den Glühweinstand mit dem Wahllokal verwechselt und sein Sohn ihm anhand der Gläser in verschiedenen Parteifarben die immer anderen politischen Aufgüsse erklärt.

Herzlicher Beifall für eine humorvoll nachdenkliche Bescherung.

Text (lv)

http://www.kabarett-breschke-schuch.de

 

 

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