Foto: St. Pauli Ruine

Humorvolle Posse auf Maulhelden

Die neue Spielzeit in der St. Pauli Ruine steht unter dem Titel „Sommer der Leidenschaft“. Mit viel Spiel- und Improvisierfreude und hoffentlich vielen Besuchern versucht der Theaterruinen-Verein die drastische Kürzung von 20 000 Euro durch die Stadt in diesem Jahr zu überstehen.

Nichts kann ihn aufhalten. Der wohlhabende, aber wenig feinsinnige Monsieur Jourdain möchte gern ein Edelmann werden in der Komödie „Der Bürger als Edelmann“ von Molière. Mit der herrlich verdreht-komischen und zeitlosen Geschichte und Parodie auf Selbstgefälligkeit und Kleingeist unter Regie von Jörg Berger eröffnete die neue Spielsaison in der St. Pauli Ruine am Königsbrücker Platz.

Da wird in der Inszenierung erbittert gestritten, welche der Künste – Musik, Tanz, Fechten oder Philosophie – die schönste und nützlichste ist. Da verrenkt sich Jourdain (schön großspurig: Michael Hochmuth) den Kiefer beim Sprechen und sieht sich von lauter Trotteln umgeben. Zerreißt er ein Blatt mit einer Serenade und stimmt in Schlafhemd und Zipfelmütze Satisfaction von den Stones an. Herausgeputzt mit Blümchenweste wie ein Pfingstochse und einem Lampenschirm als Hut (Ausstattung/Kostüme: Anja Pfefferkorn, Ansuchka Kilian-Buck) empfängt er die vornehme Marquise, trumpft vor Frau und Dienstmagd auf als Maulheld und macht sich zum Narren vor allen.

Als witzig-absurder Höhepunkt seines Aufstiegs wird er in einer feierlichen Hochzeitszeremonie mit fähnchenschwenkenden Zuschauern, viel Rauch und hypnotischen orientalischen Klängen von bärtigen Männern zum ehrwürdigen „Mamamouchi“ mit Turban gekrönt, der versehentlich seine Tochter Lucile mit dem zuvor abgewiesenen Cléonte als fremdem Adligen verheiratet. Theater mit Witz und Anspruch, voller Leicht- und Tiefsinn mit spielbegeisterten Laiendarstellern
(in der Molière-Komödie agieren komisch-deftig nah am Publikum außerdem: Angela Huth, Carola Pohlan, Luisa Ludwig, Jens Döring, Leander Mieth, Rainer Könen, Ingmar Härtel, Matthias Starke und unverwüstlich witzig-weise Karl Weber) kommt in dem urigen Gemäuer unterm Glasdach fast allabendlich von Mai bis Oktober auf die Bühne.

Dabei ist die derzeitige Situation für den Verein der TheaterRuine St. Pauli e.V. nicht gerade zum Lachen.
Der Dresdner Stadtrat hat die Kulturförderung für die Spielstätte in diesem 
Jahr massiv gekürzt, 20 000 Euro weniger als bisher für die Theaterruine und den St. Pauli Salon mit soziokulturellem Angebot. „Wir wurden von der Kürzung überrascht, hatten gerade ein neues Konzept erarbeitet. Die Einsparungen haben schon Auswirkungen in dieser Spielzeit“, sagt Jörg Berger, Regisseur und künstlerischer Leiter der TheaterRuine. Eigentlich wollte er das märchenhaft-verrückte Soundheim-Musical „Into the Woods“ (Ab in den Wald) inszenieren, was jedoch wegen der zu zahlenden Tantiemen vorerst nicht gehe.

Auch bei den Gastspielen gebe es Abstriche. Neben Repertoire-Stücken und einer weiteren Premiere, „Lysistrata“, einer Geschlechter-Krieg-Komödie von Aristophanes (20.7.) stehen diesmal besonders Chorkonzerte und Liederabende, darunter einer zum 20. Todestag von Gerhard Gundermann mit dem „Folkskunstkollektiv“ Huderich (21.6.) im Programm.

„Wir sind für die Stadt immer noch die preiswerteste Variante als Verein. Die Theaterruine und der St. Pauli Salon sind sehr gut besucht. Jedoch die 20 000 Euro Miete, die auch an die Stadt geht, nicht finanzierbar für uns“, so Berger. Letztes Jahr kamen rund 20 000 Zuschauer zu den rund 150 Veranstaltungen der Theaterruine. „Wir haben bereits eine Petition mit 5 500 Unterschriften von Besuchern, die sich für mehr Unterstützung durch die Stadt einsetzen, im Rathaus eingereicht“, sagt Berger. Er hofft, dass die Förderung im nächsten Jahr wie bisher weitergeht.

Nächste Vorstellungen: „Der Bürger als Edelmann“ von Molière am 13. und 14.6., 19.30 Uhr

Text (lv)

http://www.pauliruine.de

Advertisements