Die erste Lügenmilonga am 11. August 2015 im großen Saal vom Lügenmuseum in Serkowitz. Foto: André Wirsig

Ein Ort zum Träumen, Staunen und Wundern

Das Lügenmuseum in Radebeul, Kötzschenbrodaer Str. 39, feiert seinen 29. Geburtstag am 1. April, dem Tag der Lügen, kurz Internationalem Weltlügentag mit einem Weltlügenball. Beginn 19 Uhr. Mit Finissage der Ausstellung „Wunder.Punkt“, offener Bühne & offenem Buffet.

Vor dreißig Jahren gründete der Künstler Reinhard Zabka einen eigenen Künstlerverband, den VDQ der DDR, den Verband der Querulanten. Das funktionierte, tausende von Mitgliedern nahm er auf Versammlungen und Demonstrationen auf. Da wurde er übermütig und gründete in seinem Sommeratelier in einer Bauernkate im sumpfigen Rhinluch das Lügenmuseum. Im Vakuum der Wiedervereinigung, am internationalen Weltlügentag 1990, begann die Geschichte eines der außergewöhnlichsten Museen Deutschlands. Der Strom der neugierigen Besucher ist seither niemals abgerissen.

Ein Bürger wollte den Streit, um diese Kunstposition zu beenden, indem er anbot zwei Müllcontainer zu sponsern. Er hatte keine Vorstellung von der Dimension dieses Kulturunternehmens. Es waren schließlich fünf Schwerlastzüge, welche nach zwei Umzügen und einem Totalschaden 2012 in Radebeul landeten. Immer wieder erfreut es die Museumsbesucher, dass das Lügenmuseum so wunderbar in den alten Gasthof passt und dass Radebeul den leer stehenden Gasthof zur Verfügung gestellt hatte, eine Win-win-Situation. Die historischen Gemäuer des Gasthofs Serkowitz leben und werden so vor dem Verfall bewahrt. Wunderkammern, Indiversen, Maschinen zur Belustigung und anarchische Apparate im ironischen Leerlauf, eine Milchstraße von Ideen stellen seither im Gasthof Serkowitz normative Logik zweckorientierter Verwertung in Frage. Selbstverständliche Gewissheiten geraten ins Wanken.

Das Lügenmuseum als Freiflugschein der Phantasie kann auch als Orakel oder Ausflugsziel für die ganze Familie genutzt werden. Wider Bevormundung und Dauerbelehrung inspiriert es die Neugier der Besucher und bringt sie zum Staunen, es ist das verlorene Lebensgefühl unserer Zeit.

Eine Tankstelle der Lebensinspiration wirft die Bedeutung über Bord. Das meiste will an gar nichts mehr erinnern, hat fast schon die Erinnerung an sich selbst aufgegeben, kreist als nutzloses Spielwerk lächelnd um sich selbst. Man kann spüren, wie die irrwitzigen Zusammenstöße im eigenen Kopf Funken schlagen. Es ist ein überzeugendes Plädoyer für das Staunen als existenzielle Erlebensform: Wer staunt, widersetzt sich der Vergeudung des Lebens! 

Finissage der Ausstellung „Wunder.Punkt. Offene Bühne & offenes Buffet, jeder bringt was mit. Alle Welt ist eingeladen.

Text: Richard v. Gigantikow

https://luegenmuseum.de

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