Bücher und Bildung als Waffe im Kampf gegen Hass und Gewalt. Davon erzählt das Stück „Ich werde nicht hassen“ mit David Kosel als palästinensischer Arzt Izzeldin Abuelaish. Foto: Sebastian Hoppe

Die Kraft des Erzählens und Mitgefühls

Der Bilder- und Schlagzeilenflut von den Krisenherden der Welt setzt die Inszenierung „Ich werde nicht hassen“ die spannende wie ergreifende Geschichte von Izzeldin Abuelaish entgegen, der sich trotz großem Leid seinen Lebensmut und Hoffnung auf eine bessere, friedliche Welt nicht nehmen lässt. Wenn die Menschen aufhören, zu hassen und stattdessen einander zuhören. Die Premiere war am Sonntagabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Sein Leben gleicht einer Achterbahnfahrt. Glück und Gewalt, Elend, Leid und unerschütterliche Hoffnung begleiten ihn seit Kindertagen. Er arbeitete als erster palästinensischer Arzt und Gynäkologe in einer Klinik in Israel und verlor drei seiner Töchter und eine Nichte kurz vor Ende des Gaza-Krieges bei einem israelischen Panzerbeschuss auf sein Wohnhaus. Doch sein Lebenswille ist ungebrochen. Davon erzählt das Stück “Ich werde nicht hassen“ nach der Autobiographie von Izzeldin Abuelaish in einer Bühnenbearbeitung von Silvia Armbruster und Ernst Konarek. Die Premiere war am Sonntagabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Mit einem freundlichen Salem Aleikum begrüßt der junge Schauspieler David Kosel die Zuschauer und fragt wie es ihnen geht. Zuerst liest er eine Episode aus dem Buch „I Shall not hate“ (Du sollst nicht hassen), die ihn nicht loslässt. Darin begegnet der Autor einem Mädchen, das Seesterne am Strand wieder zurück ins Meer wirft. Aber es gibt doch so viele, fragt er sie verwundert. Doch für diesen einen Seestern macht es einen Unterschied, antwortet sie. Erzählend und spielend taucht David Kosel in die Lebensgeschichte von Abuelaish ein, der 1955 im Flüchtlingslager Jabalia im Gaza-Streifen geboren wurde und aufwuchs. Als Arzt und Geburtshelfer sieht er sich auch als Vermittler im Konflikt zwischen Israel und Palästina und gerät ungewollt immer wieder zwischen die Fronten.

Mit abwechselnd sanfter, geduldiger Stimme, leisem Humor und scharfem Befehlston kommen seine Erinnerungen an den Alltag im verfeindeten Grenzgebiet, die ständigen Kontrollen, Verhöre und Terrorverdächtigungen auf die Bühne. Die Inszenierung in der Regie von Fanny Staffa verzichtet dabei auf allseits bekannte Gewaltaufnahmen. Sie vertraut vielmehr auf die unmittelbare Kraft des Erzählens, das Bilder im Kopf entstehen lässt und lebhaft, spannend und ergreifend geschildert um so tiefer geht. Dazu braucht es wenige Requisiten. Eine Holzkiste, auf der Kosel sitzt, erzählt und trommelt zu arabischer Musik und einen bunten Orientteppich als Zuhause. Eine Lichterschlange mit bunten Lämpchen an der dunklen Bühnenwand, vor der er übermütig tanzt, als sein Traum Arzt zu werden wahr geworden ist.

Er tritt näher ans Publikum heran, während er von einem Mädchen mit schweren Verbrennungen erzählt, das er im Krankenhaus in Israel behandeln wollte und zu seinem Entsetzen mit einem Sprengstoffgürtel gerade noch rechtzeitig festgenommen wurde. Sie sollte von der palästinensischen Organisation Hamas benutzt, möglichst viele Menschen mit in den Tod reißen. Dabei hätte sie im Grenzkonflikt eine „Botschafterin des Friedens“ sein können. Nahegeht auch seine Schilderung, ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit und Willkür an der israelischen Grenze, als er seine schwerkranke Frau Nadia im Krankenhaus ein letztes Mal sehen will. Wenig später wird sein Wohnhaus beschossen. Leise und stockend erzählt er im Halbdunkel von den letzten Lebensminuten seiner drei wundervollen Töchter und dem Grauen ihres Todes. Doch fünf seiner Kinder leben noch. „Ich werde mich weiter bewegen, ich werde nicht hassen“, stehen seine Worte als Botschaft und Neuanfang im Raum. Viel Beifall für eine bewegende Aufführung, die auch als Theater im Klassenzimmer angeboten wird.

Text (lv)

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