Beste internationale Circus-Kunst & Einsatz für Tierwohl: Mario Müller-Milano (Bildmitte) wurde der Ernst-Renz-Preis, die höchste Auszeichnung der Circus-Welt für sein Lebenswerk verliehen.

Clown Tottí Alexis (re. im Bild) gratulierte Zirkusdirektor Mario Müller-Milano (mit Mikro) humorvoll zu seiner Auszeichnung und versprach, 2021 samt Clownsfamilie wieder in den Dresdner Weihnachts-Circus zu kommen. Er trat bereits vier Mal hier auf und ist unangefochtener Publikumsliebling.  
Mitreißender Beginn: Ilona Knie begeisterte mit der „Ungarischen Post“ auf Pferderücken stehend in der Manege.

Großartiges Zusammenspiel von Mensch und Tier

Die höchste Auszeichnung der Circus-Welt, der Ernst Renz-Preis wurde am 2. Januar 2020 vor der Vorstellung feierlich an Mario Müller-Milano, Direktor des Dresdner Weihnachts-Circus für sein Lebenswerk verliehen.

Das diesjährige Programm des Dresdner Weihnachts-Circus ist traumhaft schön. Voller Highligths, herausragender Artistik- und Tierdarbietungen, die man so noch nie gesehen hat. Chapeau! Für seine Verdienste um den Circus erhielt Direktor Mario Müller-Milano nun den Ernst-Renz-Preis, die höchste Auszeichnung der europäischen Circus-Cultur innerhalb der abendlichen Show. Das Publikum im gut besuchten Grand Chapiteau auf dem Volksfestplatz an der Pieschener Allee dankte ihm mit langanhaltendem Applaus für sein langjähriges Engagement um die Circus-Kultur. Der Circus Milano feierte 2019 sein 70-jähriges Jubiläum.

Mario Müller-Milano habe wie kein anderer in Deutschland den traditionellen Circus mitgeprägt und in die Moderne geführt, sagte Helmut Grosscurth, Präsident der European Circus Association (ECA) und der Gesellschaft der Circusfreunde Deutschlands bei der Preisverleihung in der Manege. Er hob dessen Einsatz für den Erhalt von Tierdarbietungen im Circus hervor. Außerdem entwickelte Müller-Milano in den letzten zehn Jahren seit seiner Übernahme den Dresdner Weihnachts-Circus zu einem der größten in Europa. Müller-Milano darf sich dazu in eine Reihe von namhaften Preisträger der vergangenen Jahrzehnte einreihen wie z.B. Willy Hagenbeck (Circusdirektor und Raubtierlehrer), Fredy Knie (Circusdirektor und Tierlehrer), Bernhard Paul (Circus Roncalli), Rudolf Probst (Circusdirektor und Tierlehrer) oder Urs Pilz (Artistischer Leiter des Circus Festivals in Monte Carlo).

Es sei ihm eine große Freude und Ehre zugleich, diese Auszeichnung für seine Arbeit und Bestreben entgegenzunehmen, sagte Müller-Milano, der mit Stock in die Manege kam nach einem Unfall mit einem Gabelstapler. Der Preis werde zwar für sein Lebenswerk vergeben, stelle aber eine Teamleistung dar, ohne die der Dresdner Weihnachts-Circus nicht das wäre, was er heute für die Besucher ist.

Beispielhaft auch sein Einsatz für das Tierwohl im Circus. Sowohl Sachsens Tierschutzbeauftragter als auch Vertreter der Tierrechtsorganisation Peta überzeugten sich vor Ort, dass alle Auflagen zur Tierhaltung erfüllt werden. Ein großer Sieg für den Dresdner Weihnachts-Circus.

„Wir zeigen nicht nur Spitzendarbietungen. Die Tiere bekommen auch vom Feinsten frischen Fisch und Fleisch. Bei uns hat fast jeder Löwe einen eigenen Wohnwagen“, so Müller-Milano schmunzelnd. Außerdem haben die Tiere ein großes Freigehege. Die Zirkusbesucher können in der Pause in der Tierschau auch erleben, wie die Zirkustiere untergebracht sind und gefüttert werden. „Zum Circus gehören Tiere“, sagte Müller-Milano und bekam dafür viel Beifall vom Publikum. Zirkusfreunde aus ganz Deutschland kommen inzwischen in den Dresdner Weihnachts-Circus. Nach den letzten Vorstellungen am Sonntag beginnen schon die Vorbereitungen für die kommende Spielzeit. Schaut sich das Circus-Team die neuesten Darbietungen auf dem Zirkusfestival in Monte Carlo an, weitere Stationen sind Brasilien, Argentinien und Kanada. „Wir wollen jedes Jahr wieder das Beste an internationaler Circuskunst unserem Publikum bieten“, so Cirusdirektor Müller-Milano.

Der 24. Dresdner Weihnachts-Circus beeindruckte und faszinierte kleine wie große Zuschauer im himmelblauen Circuszelt mit einer Fülle einzigartiger Tiererlebnisse,  wunderbarer, vielseitiger Luftakrobatik, Jonglage und Clownerie, schwungvoll und musikalisch bunt gemischt, begleitet von einer Bigband mit Sängerin. Temperamentvoll, anmutig und elegant bezauberte die Pferdedarbietung mit Arabern und Friesen, die grazil Pirouetten drehten, Gegenläufe und Fächer zeigten, dezent dirigiert von Louis Knie junior, der bereits in siebter Generation die Tradition des klassischen Circus in Österreich aufrecht erhält. Immer wieder bewegend, wenn die Pferde sich in voller Größe aufrichten. Außerdem zeigte Knie jun. wie musikalisch Kühe sein können, die sich im Walzertakt bewegten und nah am Manegenrand sanftmütig entlangliefen.

Als tierische Publikumslieblinge erwiesen sich erneut die Seelöwen. Dieses Mal kehrte die The Duss Family mit Tino, Joe und Charly und dem Jack Russel Terrier Maylo zurück in die Manege des Dresdner Weihnachts-Circus. Äußerst agil, verspielt, verschmust, witzig und sichtlich vergnügt im Rampenlicht stehend, mit den Köpfen im Takt der Musik wippend und mit den Flossen winkend, eroberten die drei kalifornischen Seelöwen die Zuschauerherzen im Nu. Sie fangen Reifen, lassen sie kreisen, balancieren Bälle auf der Nasenspitze und lassen sich in der Pause in der Tierschau gern vor ihrem Schwimmbassin mit Zirkusbesuchern für ein lustiges Erinnerungsfoto fotografieren. Roland und Petra Duss und ihre Seelöwen sind bekannt aus der ZDF-Serie „Hallo Robbie“ und bekamen für ihr eindrucksvolles Zusammenspiel mit den Seelöwen bereits zwei silberne Clowns beim Circus Festival in Monte Carlo.

Wundervoll, beeindruckend und berührend der Auftritt von Alexander Lacey mit seiner gemischten Raubtiernummer, die als weltweit beste gilt. Der Engländer ist nach sechsjährigem Engagement als Star des Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus, dem größten Circus der Welt in den USA mit seiner unvergleichlichen Raubtiergruppe nach Europa zurückgekehrt. In Dresden ist Lacey mit einem Rudel von 13 Löwen und Tigern aus eigener Zucht in unglaublich innig vertrautem Miteinander zu erleben, so dass man vergisst, dass es Raubtiere sind. Er lässt sie aufstehen, springen, setzt und legt sich zu ihnen und umarmt sie. Für seinen Mut und einfühlsamen Umgang mit den Raubtieren erhält Lacey reichlich Applaus und stehende Ovationen.

Mit viel Witz und Situationskomik begeistert Clown Totti Alexis, zusammen mit seiner Frau Charlott und den Söhnen Charly (8) und Maxim (4) das Publikum. Sie leben abwechselnd in Deutschland, Frankreich und Spanien. Alexis ist Clown in fünfter Generation, agiert seit 33 Jahren in der Manege und weiß immer wieder aufs Neue das Publikum zu überraschen. Er mag lieber mitten im Publikum Trompete spielen als in der Manege. Er verbindet die Eleganz des Weißclowns, die Tollpatschigkeit des dummen August, den Witz der alten Stummfilmkomiker und den Charme der großen Entertainer vergangener Zeiten. Er führt mit seiner Frau das Theaterstück „Wilhelm Tell“ auf, verbirgt scherzend seine Angst vor der Armbrust, die auf ihn und den roten Luftballon auf seinem Kopf gerichtet ist und zerplatzt („Oh, der war zu prall gefüllt mit Vitaminen!“) . Vollführt mit den Zuschauern den „Tanz des glücklichen Tigers“, die Hände erhoben und zur Musik hin und her wippend. Bei seinem romantischen Trompetensolo wird Totti von den kleinen Clowns immer wieder unterbrochen, die mal mit trompeten, mal einen Luftballon auf den Stuhl legen, ihn veralbern und nie machen, was sie sollen. Das sorgt für reichlich Spaß und Staunen über die zwei schon so gewitzt-schlauen Jungen mit Hut, Anzug und Clownsnase. Einfach köstlich! Eine Überraschung hat Totti Alexis noch für seine Frau Charlott: Er überreicht ihr einen großen Blumenstrauß, an dem Abend sind sie genau seit elf Jahren verheiratet und fragt sie auf den Knien in der Manege, ob sie das Ehegelübde mit ihm erneuern will? „Ja“, antwortet sie lächelnd. Und Totti verspricht dem Publikum, 2021 wieder zum Dresdner Weihnachts-Circus zu kommen samt Clownsfamilie und umarmt den Zirkusdirektor Müller-Milano herzlich.

Den temperament- und kraftvoll umherwirbelnden Schlusspunkt in der Mangenshow setzt mit ihrer tollkühnen Schleuderbrett-Akrobatik die 13-köpfige Truppe Sokolov aus Russland, die auch optisch eine Augenweide sind mit ihren opulenten barocken  Kostümen, gepuderten Perücken und zierlichen Menuettschritten zu Klängen Mozarts. Sie katapultieren sich gegenseitig auf einen Thron in luftiger Höhe und landen nach dreifachem Salto sogar auf Stelzen sicher auf dem Boden.

Letzte Gelegenheit, die außergewöhnlichen Artistik- und Tierdarbietungen des 24. Dresdner Weihnachts-Circus zu sehen, ist am Sonntag, dem 5. Januar um 11 + 15 Uhr.

Viel Vergnügen!

Text + Fotos (lv)

Ticktets: 0180/330 2 330 und unter http://www.DWC.de


Wie schwebende Ballerinas unter der Circuskuppel: das Air-Trio aus St. Petersburg.


Spielt gern mitten im Publikum: Clown Totti Alexis.

Schleuderbrett-Akrobatik in barocken Kostümen: die Truppe Sokolov aus Russland.


Schlange stehen in der Tierschau für ein besonderes Erinnerungsfoto mit den lustigen wie neugierigen Seelöwen.

Flirt mit den Seelöwen Tino & Joe allerliebst mit frischem Heringsduft. mein wortgarten-Inhaberin Lilli Vostry genoss die Begegnung mit den charmanten Seelöwen der The Duss Family.

Für viel Zauber, Humor, Staunen und Träumen sorgt der 24. Dresdner Weihnachts-Circus.