Gemeinsamer Einsatz für eine lebendige, künstlerisch-kreative Szene in Radebeul: Björn Reinemer kurbelt die Projekte im Radebeuler Kultur e.V. an, in dem auch seine Mutter, die Bildhauerin Gabriele Reinemer aktiv ist.

Vom Jazz-Festival bis zur musischen Förderung
für Kinder und Jugendliche

Der Radebeuler Kultur e.V. setzt neue Akzente und will ein Altes Fabrikareal zusammen mit Kreativfirmen neu beleben.

Für eine vielfältige Kulturszene in der Stadt setzt sich der Radebeuler Kultur e.V. ein. Als erstes Projekt unterstützte der Verein im Juni 2019 das XJazz Edition Radebeul Festival. Schirmherr war die Radebeuler Free Jazz Legende Günter Baby Sommer und die bekannte Dresdner Sängerin und Kabarettistin Anna Mateur. Über 800 Besucher erlebten an drei Tagen an mehreren Spielorten, darunter die Landesbühnen Sachsen, Weingut Aust und Haus Steinbach Konzerte mit hochkarätigen lokalen und internationalen Künstlern.

In diesem Jahr findet das genreübergreifende Jazzfestival vom 5. bis 7. Juni wieder in Radebeul statt. Eröffnet wird es mit Jazzrock und Beat der Band „Get The Blessing“ aus Großbritannien am 5.7., um 20.30 Uhr in der Lutherkirche. Mehrere Gruppen spielen wieder im Weingut Aust am 6.6. ab 16 Uhr.

„Uns verbindet alle die Liebe zur Musik, zur Region und der Wunsch, die kulturelle Lebensqualität zu erhalten und zu fördern“, sagt Björn Reinemer.
Der 32-jährige kümmert sich um die Geschäftsführung des Radebeuler Kulturvereins. Er ist Musiker und Inhaber der Konzertagentur Dynamite und arbeitet als Booker im Verlag Voland und Quist in Dresden. Der Kulturverein ist inzwischen auf 27 Mitglieder angewachsen und insgesamt 32 Leute engagieren sich für dessen Projekte. Sie sind zwischen 19 und 83 Jahre alt, arbeiten in der IT-Branche, als Architekten, Baumpfleger, Bühnenbildnerin und Künstler wie die aus Frankreich stammende Sophie Cau oder der Radebeuler Uri Weber.

Der Radebeuler Kulturverein unterstützt und initiiert einzelne Projekte wie Konzerte, Workshops, Lesungen oder Theaterproduktionen. Eine Mischung aus Lesung und Konzert mit Esther Bejarano, eine 95-jährige jüdische Autorin und Holocaust-Überlebende und einem Rapper, ist für den 2. Oktober geplant, der Veranstaltungsort stehe noch nicht fest. „Sie war Musikerin und musste während der Ankunft der Züge im Vernichtungslager spielen als Pianistin. Das Akkordeonspiel hat sie sich selbst beigebracht und die Musik rettete ihr das Leben“, erzählt Björn Reinemer.

Der Kulturverein sammelt mit seinem Projekt „MusikArche“ Spenden
für Instrumente und eine musikalische Ausbildung für Kinder und Jugendliche, die besondere Hilfe benötigen. Gerade gestartet ist ein Jahreskurs, die Kosten von 700 Euro trägt der Radebeuler Kultur e.V., für ein Kind aus einer Betreuungseinrichtung der Kinderarche Sachsen e.V., das nun die Musikschule des Landkreises Meißen in Radebeul besuchen kann.

Ein weiteres Vorhaben ist die Stärkung der künstlerisch-kreativen Szene. Sein Domizil hat der Radebeuler Kulturverein in einem ehemaligen Fabrikgebäude auf der Meißner Straße 21 an der Stadtgrenze zu Radebeul. In dem weiß gestrichenen Gebäude haben sich bereits einige Kreativwirtschaftsfirmen angesiedelt. Björn Reinemer betreibt hier seine Konzertagentur Dynamite. Auf derselben Etage sind die „Centre-Films“-Firma und ein kleines Tonstudio ansässig. Es gibt einen größeren Veranstaltungsraum mit ca. 100 Plätzen. Von Filmvorführungen, hauptsächlich Programmkino, auch kombiniert mit Musik über Ausstellungen bis zu kulturellem Experimentierraum sei hier vieles denkbar.

„Wir wollen etwas in die Lücken gehen mit unseren Angeboten“, so Reinemer. Zunächst sollen quartalsweise Veranstaltungen wie Kinoabende stattfinden, wobei der Radebeuler Kultur e.V. gern mit dem Kulturverein der Stadtbibliothek Radebeul-Ost kooperieren würde. Die weiten Gebäudeflure bieten viel Hängefläche für Bilder.
Die Bildhauerin Gabriele Reinemer ist wie ihr Sohn ebenfalls aktiv im Radebeuler Kulturverein. „Ich finde es wunderbar, dass eine Etage in diesem Gebäude neu belebt wird und der Vermieter offen für eine kreative Nutzung ist“,  sagt sie. Daher sei es wichtig, dass der Verein weiterhin unterstützt wird, um ein breitgefächertes Angebot für junge wie ältere Künstler und Besucher zu entwickeln.

Text + Fotos (lv)

Kontakt: http://www.radebeuler-kultur.de


Neue Oase für Kreativfirmen. In dem früheren Fabrikgebäude auf der Meißner Straße 21 an der Stadtgrenze zu Radebeul hat jetzt auch der Radebeuler Kultur e.V. sein Domizil.