Schattenfänger

Der Tag neigt sich
halb im Schatten
seh ich dich mein Glück
noch im Verborgenen
kleiner Schornsteinfeger
Schattenfänger

du hast ein Auge
auf mich geworfen
mein Herz wandert
ruhelos umher
nichts ist wie vorher mehr

siehst du mich mit einem
oder beiden Augen an
entspringt das Glück
dem Schatten oder Licht

fall ich in die Leere
unterm Kleeblatt
unter dem es vibriert
oder nicht

LV
24.02.2020

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Haltlos

Der Sturmwind schlug
der alten Weide
mitten ins Herz
riss einen mächtigen Ast voller Zweige
heraus wie ein Armstumpf ragt der Rest
in die Luft
feinfaserig gehalten

erschüttert steh ich vor
den wehrlos verdrehten Zweigen
die Taube hat ihren Platz verloren
rotweisse Absperrbänder liegen
unter dem Baum lose auf der Erde
umkreisen die Gefahrenstelle

LV
13.02.2020

Am Fluss

Die Nacht hat ein Auge
auf mich seit du fort bist
der Tag lässt mich kalt
der Ruf der Wildgänse
in der Dämmerung
begleitet mich zum Fluss

wo Flügel schlagen
Männchen Weibchen jagen
Vogelschreie und Lachen
Bierflaschen kreisen
Rauchschwaden aufsteigen
es nach verbranntem Fleisch riecht

LV
2017

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Hinter der blauen Tür

Du streichst über mich
wie die Sonne über die letzten Schneereste
weiße Wolken segeln am Himmel
Blau umfing uns
hinter dieser Tür

auf warmem Grund
lagst du vor mir
ein großer Fisch
der kurz ausruht
ich strich Tropfen
von deiner Stirn
du hieltst meinen Arm

bevor wir in Küssen ertranken

LV
14.01.2017

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Im Ungefähren

Wir brauchen nur zugreifen
von deiner zu meiner Insel springen
warum tun wir es nicht

Halten uns auf im Ungefähren
unstillbaren Verlangen
kommen nirgends an

Willst du die Blüten inmitten der Brennesseln
winde sie aus dem Blätterdickicht
ihrer verborgenen Wünsche

LV
11.09.2017

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Kleiner Falter

Sah einen dunklen Fleck
dann das Flatterding an der Wand
reglos hing es über der Landkarte
meiner Träume
der Laptop schlief schon
eine Nacht oder länger

lautlos wie unsere Liebe
verflogen mit der Zeit
oder fliegen wir mit ihr
über uns hinaus
bist du bereit auch
unter meine Flügel zu sehen

wenn sie sich nicht mehr öffnen
dachte ich als der Falter am nächsten Tag
immer noch an der Wand saß
scheute mich ihn zu berühren
herabfallen
zerfallen in Nichts zu sehen

gefangen in Schwarz
hob ich sacht seine Flügel an
der Falter flog sofort auf
flimmerte mich an und verschwand

Mein Schattenfalter fliegt draußen
sein Platz ist sonnengelb
doch vermisse ich ihn

LV
15.04.2017

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Lichtquell

Deine Hand findet
meine
wir legen uns
ins Wasser das feuerrot sprudelnde
sammeln Lichtfunken

im schaukelnden Boot deiner Hände
überlassen uns der Quelle
endlich angekommen
stillen unseren Durst

LV
13.01.2017

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Verlangen nach Me(h)er

Traumwandler der Meere
schillernd in allen Farben
ziehen ihre Bahnen
hinter Glas
ein Augenschmaus
landen sie nicht auf dem Teller
wie ihre Artgenossen

taucht der Blick immer tiefer
mit all den Wunderwesen
in die Gefilde schwereloser Bewegung
endloser Schwerelosigkeit
zwischen Schlinggewächsen
und Korallenriffen
fließendes Verlangen
nach Me(h)er

sehe einen großen blauen Fisch
neben ihm einen kleinen
hin und her schnellen
und denke an das Märchen
vom Fischer und seiner Frau
der alles und nichts gefiel

die Fische stoßen aneinander
und an ihr Gehäuse
du wärst gern ein Fisch
angezogen vom Wasser
doch du willst auch fliegen
sagst du beim Gehen

LV
02.10.2016

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Blütentanz

Bei dir vergesse ich
den Lärm der Welt
verlier mich ganz
an die Klänge
in mir
sie springen zu dir

du spielst mir nichts vor
spielst nur für dich
bis sich unsere Blicke
fangen
hin und her treiben
in einem Meer aus Tönen

fliege ich und sehe
die tanzenden Blütenblätter
vom Baum fallen
der seine Zweige wie Arme ausbreitet
und rede mir ein
das alles wäre kein Traum

LV
01.05.2016

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Traumland

Sie drehen sich im Kreise
mit ihnen gehen Träume auf die Reise
Fliegen mit wehenden Mähnen
durch die Zeit
einmal zurück mit pochendem Herzen
ins Kinderland
und nach vorn verwegen-verlegen
wo es verschwand

und die Karusselpferde träumen
einmal nicht im Kreise
sondern mit wildem Getrappel
querfeldein davon zu ziehen

LV
28.10.2018

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Weißer Traum

Zuerst ein Klang
wie Tropfen
die leis anklopfen
aufs Fensterbrett fallen

abgelöst von weißem
Rieseln das mich
lautlos ergreift

die Kälte wegwischt
mit sanfter Zuckerbäckerhand
Dunkles ins Gegenteil verkehrt

Spuren im Schnee hinterlässt
und Flocken wirbeln in mir

LV
02.02.2019

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Schweben

Ein Gesicht am anderen
im Sog der Sonne
ausKroKusswiesen
wächst die Lust

Ein Kind schickt Seifenblasen
auf die Reise
flirrendes Schweben
jede von ihnen birgt
einen Traum
der lautlos zerschellt
an einem Körper
oder am nächsten Baum

an einem Zweig voller Knospen
vor meinen Augen
das Bersten pulsiert in mir

LV
14.04.2018