Die Vernissage am 5. März war mit ca. 80 Gästen trotz der Virus-Angst gut besucht. Das Duo Kratschkowski hat begeisternde Musik über 90 Minuten dargeboten. Ein Bild von den 40 ausgestellten wurde sogar verkauft. Das Echo war ausnahmslos positiv.

Die farbenreiche Fülle des Moments genießen

Leuchtend farbige Malerei auf Kupfer von Günter Gläser, welche eindrucksvoll Landschaften, Flora und Fauna einfängt, zeigt eine Ausstellung der heute seltenen Emaillekunst in der Verwaltungsfachhochschule Meißen noch bis 15. Juli.

Die farbenfrohen Emaillebilder des Radebeuler Künstlers Günter Gläser können seit einer Woche wieder besucht werden in einer Ausstellung der Fachhochschule der Sächsischen Verwaltung in Meißen, Herbert-Böhme-Straße 11 (Haus 1, 1. OG). Er war mit Gästen bereits zwei Mal dort. „Das Virus hat uns alle ziemlich stark mitgenommen, ohne dass es uns unmittelbar erwischt hat“, sagt Günter Gläser. „Vielleicht wird es aber dazu führen, dem Turbokapitalismus mit mehr Menschlichkeit entgegen zu wirken.“

Der reichhaltige Farbenzauber seiner Bilderlandschaften und vielfältige Motive aus Flora und Fauna ziehen den Betrachter sofort in Bann. Sie spiegeln die Schönheit und Fülle, die uns die Natur schenkt und erinnern uns zugleich an ihre Fragilität, Gefährdung und Vergänglichkeit alles Lebendigen.

Wie schnell sich alles von einem Moment zum anderen ändern kann, nichts mehr selbstverständlich ist, das bisherige Leben und die Welt plötzlich aus den Fugen geraten, zeigten uns die letzten Monate mit den gravierenden Einschnitten durch die Corona-Maßnahmen drastisch. Man fiel zunächst in die Leere und hatte viel Zeit, sich darauf zu besinnen, was wirklich zählt im Leben, es buchstäblich mit neuen Augen zu sehen. Nicht in der Angst vor dem was kommt zu verharren, sondern vielmehr die Möglichkeiten des Moments zu sehen. Beispielsweise die Freude darüber, das Werden und Wachsen, Aufblühen in der Natur trotz Corona-Krise zu erleben, noch inniger und intensiver in die Stimmung des Augenblicks einzutauchen und zu genießen. Und daraus Kraft und Halt zu schöpfen für die nächsten Schritte.

Diese Lebensfreude und Zuversicht strahlen mit ihrer leuchtenden Farbigkeit, Ausdrucksvielfalt und Experimentierfreude auch die Emaillebilder von Günter Gläser aus. Die Atmosphäre und Malmotive sind durchlebt und beeinflusst von impressionistischer Malerei, artverwandt mit Monet und van Gogh und angeregt vom spanischen „Maler des Lichts“, Joaquín Soralla. Einfach und klar in der Form, schwelgen seine Natur- und Lebensbilder in der Stimmung des Moments. Seine „Bilder aus dem Ofen“, wie er die farbige Malerei auf Kupfer nennt, halten Erlebtes und Empfundenes fest.

Ein rotes Mohnfeld. Wogender Lavendel. Gesäusel der Gräser und Pollen im Wind, das leise Rauschen der Wellen und der Möwenstreit um einen toten Fisch.
Linien und Formenspiel sind noch bewegter, fließender geworden in den neuen Emaillebildern von Günter Gläser, was gewiss auch mit der unruhigen, wechselvollen Gegenwart zu tun hat. Nunmehr 84-jährig, ist er immer noch voller Ideen und Schaffensfreude, auch wenn die Gesundheit nachlässt, will er noch einige „Auftragswerke“ für seine Familie und Enkelinnen schaffen.

Letztes Jahr erschien ein opulenter Bildband:“Farbimpressionen aus dem Feuer“ von Günter Gläser (NOTschriften Verlag Radebeul) mit zahlreichen Werksabbildungen und ausführlichen Texten zu seinem Schaffen. Ein Exemplar widmete er mir mit den Worten: „Frage dich nicht nach gelebten Jahren, aber erhalte dir die Augenblicke, die du genießt.“

Die Ausstellung mit dem Titel „Brillante Farben aus dem Ofen“ in der Fachhochschule der Sächsischen Verwaltung in Meißen wurde bis 15. Juli verlängert. Dabei sind einige Vorsichtsmaßnahmen wegen Covid-19 zu beachten. Interessenten wird empfohlen, sich direkt an den Künstler zu wenden, um einen gemeinsamen Besuch in der Ausstellung zu vereinbaren.

Text (lv)
Fotos: Jens Kuhbandner, Günter Gläser

Öffnungszeiten der Ausstellung: Mo – Do 8 bis 17 Uhr, Fr 8 bis 15 Uhr

http://www.bilder-aus-dem-ofen.de