Mit vollem Körpereinsatz und viel Humor planen Bonnie (Christian Kühn) und Clyde (Dorothea Kriegl) ihren ersten Banküberfall. Fotos: Robert Jentzsch

Humorvolle Maskerade eines Gauner-Paares

Mit der turbulent-komischen Gaunerkomödie „Zwei wie Bonnie und Clyde“ startete die Comödie Dresden in die neue Spielzeit.

Manni und Chantal sind heiß verliebt und gerade von ihrem ersten Banküberfall zurück. Sie träumen von Heirat in Las Vegas und einem sorgenfreien Leben unter Palmen. Doch wo ist die Kohle?! Sie tappen im Dunklen mit Taschenlampen umher und kommen sich gegenseitig immer wieder in die Quere im Stück „Zwei wie Bonnie und Clyde“. Die turbulente Gaunerkomödie von Tom Müller und Sabine Misiorny hatte unter Regie von Christian Kühn am Freitagabend Premiere in der Comödie Dresden.

Um ihre Gefährlichkeit zu demonstrieren, fuchtelt das Gaunerpärchen in pinkfarbenen Overalls abwechselnd mit Pistolen herum in rotem Licht. „Geld oder Leber!“, schreit der schwarzhaarige, halb kahlrasierte Manni (naiv-trottelig: Christian Kühn) auf einer Kiste stehend. Er bedroht die sonst so supercoole Chantal (Dorothea Kriegl), die ängstlich am Boden hockt. Eine Minute später lachen sie darüber und fallen innig übereinander her auf harten Kartons. Sie verstecken sich vor der Polizei in einem Lager voller Kistenstapel mit Schuhen, wo sie ihre nächsten Banküberfälle planen.

Dabei bringt Manni Chantal fast zur Verzweiflung mit seinen vielen Fragen und Versprechern, reagiert nicht aufs Stichwort, wenn es nicht haargenau so kommt wie abgesprochen und hat immer eine Ausrede parat. Immer wieder erklärt und zeichnet sie Straßen und Fluchtwege. Eine Schubkarre dient als Fluchtauto. In den Nachrichten hören sie von einem Banküberfall, bei dem die Täter statt 100 000 Euro nur eine Einkaufstüte einer Frau erbeuteten. Manni staunt: „Mit uns ist das Gleiche passiert!“ Und lacht über die anderen Idioten.

Die Szene mit dem Banküberfall üben die beiden immer wieder und immer geht irgendetwas schief. Durch die Wiederholung im selben Bühnenbild und die zu einseitig gespielten Charaktere gehen allerdings Witz und Spannung etwas verloren. Er ist fast nur der Dumme, der scheinbar alles falsch macht und dann plötzlich einen komplizierten Ortsnamen fehlerfrei aufsagt, so dass sie ihn verblüfft stürmisch küsst.

Reichlich überdreht werden Klischees über kriminelle Ausländer ebenso wie Missverständnisse zwischen Männern und Frauen auf die Schippe genommen. Wenn die beiden über die schwarzen Haare blonde Perücken ziehen und auch mal ein Bulldoggengesicht als Maske.

Es fehlt auch nicht an Anspielungen auf die Corona-Krise. Als Manni und Chantal statt Geld Clopapierrollen erbeuten, die noch vor kurzem Mangelware waren und sie seinen Kopf liebevoll auf eine Rolle bettet. Köstlich die Maskerade mit Strumpfmasken des Gaunerpärchens. Wie sie wild gestikulieren, fast ersticken und nichts sehen. Da er versehentlich blickdichte Strumpfhosen kaufte.

Überraschend finden sie doch noch eine Papiertüte voller Geldscheine und schicke Klamotten in einem Seesack. Das gipfelt in einem überaus witzigen Bewach- und Versteckspiel mit dem Geld ín den Schuhkartons. Am Ende tappt Chantal in die Falle, als sie Manni überlisten und allein mit dem Geld abhauen will. Das Publikum amüsierte sich prächtig über einen Theaterabend, bei dem Glück und Pech nah beieinander liegen. Herzlicher Beifall.

Text (lv)

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Atemberaubende Tarnung