Alles Nichts oder Anfang ?!

Darüber dürfen die Betrachter des Schrift-Bandes von Lars Breuer rätseln. Zu sehen ist die bereits siebente Ausstellung in der Artbox Dresden, aufgrund der aktuellen Corona-Situation muss die Eröffnung entfallen, ab 17. April, 19 Uhr. Gezeigt wird das Werk bis 23. Mai.

Ein schwarzes Band aus kantigen Buchstaben umhüllt die Artbox. Buchstaben, die eigenwillig gebrochen zu Silben und Worten werden und den Satz „NICHTS IST AM ANFANG“ bilden. Der Kölner Künstler Lars Breuer bewegt sich mit der Arbeit und seiner formalistischen Schrift auf Wand und Fenster zwischen abstraktem Bild und Text.

Die Flaneure an der Artboxecke werden aufgefordert, die fragmentarischen Blickwinkel zu erforschen und die Worte zu konstruieren. Beim Entziffern des Schriftbandes sind die Assoziationen vielfältig. Das technische Raster gibt den dynamischen Rahmen vor, aber lässt Raum für die eigene Interpretation: Bildet beispielsweise im umlaufenden Schriftzug das „Nichts“ das Zentrum oder der „Anfang“? Es ergeben sich unweigerlich Anklänge an die biblischen Schöpfungsberichte, wo das Wort im Anfang steht, oder ist hier vielleicht das „Schwarze Band“ die Reminiszenz an die Geschichte der zerstörten Stadt an der Elbe?

Durch das Kunstwerk ergeben sich Konnotationen zum Ort, zur Geschichte oder zur Mystik des Nichts. Der Philosoph Schelling stellt unter anderem fest: „Warum ist nicht nichts, warum ist überhaupt etwas?“ Diese diversen Bedeutungswelten und Zwischenräume streift Lars Breuer mit dem vieldeutigen Werk, das er eigens für die Artbox inszeniert hat. Es lädt zur Deutung ein und öffnet zur Frage – „IST AM ANFANG NICHTS“?
Dr. Michael Wächter (Kunsthistoriker)

Abbildung: OPPOSITION … EKLEKTIZISMUS | Acryl auf Wand | Foto: Carl Brunn 2009


gefördert durch
Amt für Kultur und Denkmalschutz

Artbox Dresden – 24h Ausstellungsraum – Kunstschaufenster | Ecke Hafenstraße / Uferstraße | 01097 Dresden