Kunst als Lebenswerk und Lebenselixier: Barbara Hornich stand über 30 Jahre an der Spitze des Freitaler Kunstvereins im Einnehmerhaus. Ihr Tod hinterlässt eine große Lücke in der dortigen Kunstszene. Foto: Bettina Liepe

Ein großes Herz für die Kunst

Barbara Hornich, Mitbegründerin, Vorsitzende und Grande Dame des Freitaler Kunstvereins im Einnehmerhaus ist auf dem Rückflug aus dem Urlaub verstorben.

Die letzte Ausstellungseröffnung „Mama Papa DaDa“ – ein Mailart-Projekt von Frank Voigt, Petra Lorenz und Volker Lenkeit mit Collagekunst von Künstlern aus aller Welt im Einnehmerhaus Freital ist einen Monat her. Da freute sich Barbara Hornich über das rege Besucherinteresse und dass „die eigentlich vor zwei Jahren geplante Ausstellung über die Zeit der Pandemie gerettet werden konnte. Wir sind wieder wir selbst“, sagte sie frohen Mutes. Nun macht der „k.u.n.s.t“-Verein Freital e.V., der hier sein Domizil hat, Sommerpause. Die ungewöhnliche Schreibweise steht für die Attribute kreativ, unikat, nützlich, sensibel und traditionell. Im Raum im Erdgeschoss stehen in den Regalen noch die Keramikvasen und Schalen, überwiegend in erdigen Farben und die Zebragestreiften, von Barbara Hornich.

Doch die langjährige Vorsitzende des „k.u.n.s.t“-Vereins und Grande Dame des Freitaler Kunstvereins kommt nicht mehr zurück. „Ihr Mann stand am Mittwoch vor der Tür und übergab mir ihr Köfferchen mit den Unterlagen, das sie immer bei sich trug“, sagt Bettina Liepe, Vorstandsmitglied im Kunstverein, bedrückt. „Wir wussten, dass sie gesundheitliche Beschwerden hatte, aber haben gehofft, es wird wieder.“ Am Montag auf dem Rückflug aus dem Urlaub in Antalya/Türkei musste Barbara Hornich von Notärzten in ein Berliner Krankenhaus gebracht werden, wo sie verstarb. Im Urlaub sei sie bereits operiert worden, dabei wurden sechs Bypässe gelegt und sie sollte danach im Herzzentrum in Dresden weiter behandelt werden, so Bettina Liepe. Sie kann es noch gar nicht recht fassen. “Der Kunstverein war ihr Lebenswerk und –elixier und der Garten ihr Refugium.“

Seit mehr als 30 Jahren stand Barbara Hornich an der Spitze des Freitaler Kunstvereins, der sich 1990 gründete, nachdem einer der vielen künstlerischen Zirkel auch im Edelstahlwerk nach der Wende wegbrach, in denen die Mitarbeiter nach Feierabend kreativen Hobbys nachgingen und viele Freundschaften entstanden. Das Einnehmerhaus wurde mit viel Elan und Eigenleistung der Vereinsmitglieder saniert und über die Jahre zu einem gefragten Ausstellungsort mit vielfältigem Zirkelangebot, wie sie es nannte und weiterführte. Das Mobiliar stammt noch aus der Grundschule, in der Barbara Hornich ehemals Lehrerin war. „Diese Dinge waren ihr vertraut und für sie ein Anker“, so Bettina Liepe. „Sie war sehr engagiert und hatte klare Vorstellungen zum Ausstellungsprogramm. Barbara Hornich war eine Grande Dame noch aus einer anderen Zeit und Netzwerkerin in Künstlerkreisen, sie pflegte über viele Jahre persönliche Kontakte zu Künstlern, organisierte und managte die Ausstellungen bis zum Aufhängen der Bilder. Das machte sie auch sehr gut. Wir im Kunstverein waren mehr das Personal“, sagt Bettina Liepe schmunzelnd.

Mit viel Zeit, Ausdauer und Energie schaffte es Barbara Hornich immer wieder, besondere Projekte durchzusetzen und Fördermittel für die Kunst mit der Stadt auszufechten. „Sie war robust, beharrlich und verbindlich, ihre Keramiken haben auch etwas Bodenständiges. In der letzten Zeit war sie deutlich weicher und offener im Umgang“, erzählt Bettina Liepe, die seit fast zehn Jahren im Freitaler Kunstverein mitarbeitet. „Jetzt ist erst einmal ein Bruch da, doch es wird weitergehen. Wir werden alles tun im Kunstverein, um die Grundidee von Ausstellungen und Zirkeln mit Künstlern in einem Haus im Sinne von Barbara Hornich weiterzuführen. Damit das Einnehmerhaus ein Begegnungsort bleibt, der Impulse setzt, einlädt, sich damit auseinanderzusetzen und auch für Neuaufbruch steht.“

Das bedeute, sowohl über Angebote für ältere Teilnehmer und Kursleiter als auch junge Leute nachzudenken oder auch mal Atelierbesuche mit dem Kunstverein bei den Künstlern zu machen. Der Sprung zwischen den Generationen sei bisher nicht geglückt. Es kämen zumeist ältere Teilnehmer in die Kunstzirkel. Vielleicht liege das auch an den Kurszeiten vormittags und nachmittags, die nicht so günstig für Familien mit Kindern sind.

Die nächste Ausstellung mit Landschaftsmalerei aus dem Tharandter Wald von Siegfried Berndt (1880 – 1946), einem Maler und Grafiker der sogenannten „verschollenen Generation“ aus der Sammlung Andreas Albert, sollte im September/Oktober im Einnehmerhaus zu sehen sein. Barbara Hornich freute sich schon sehr darauf, einfach mal wieder etwas Schönes zu zeigen. Ihr lag es am Herzen, Kunst für alle zugänglich zu machen und ein breites Publikum anzusprechen, so vielfältig und farbreich wie das Leben selbst. Nun wird stattdessen im Herbst eine Gedenkausstellung mit neuen Keramiken und Bildern von Barbara Hornich gezeigt. Das hat die Malgruppe um Matthias Jackisch zusammen mit dem Kunstverein entschieden. Eine rührige Frau, die Künstlern und Kunstinteressierten viele interessante Ausstellungen und Projekte ermöglichte und noch viele Pläne hatte, so wird Barbara Hornich Wegbegleitern wie Besuchern des Einnehmerhauses in Erinnerung bleiben. Sie wurde 82 Jahre alt und hinterlässt ihren Ehemann, Sohn und Enkelkinder.

Text (lv)